Seit März 2021 ist Laura Helen Finger als Klimaschutzmanagerin in Bad Zwischenahn tätig. Im Interview spricht die 29-Jährige mit Masterabschluss in Nachhaltigkeitsmanagement über ihre Aufgaben als Klimaschutzmanagerin, die Zukunft der Gemeinde sowie Ziele für den Klimaschutz. Nach der Fertigstellung des Klimaschutzkonzeptes wurde das Projekt verlängert.

Was hat sich in Bad Zwischenahn getan, seit Sie ihre Stelle angetreten haben?

Laura Helen FingerIn den vergangenen 1,5 Jahren haben wird durch das Klimaschutzkonzept sowie die Bürger- und Experteneinbindung den Fokus auf Thema Klimaschutz gelenkt. Es gibt einige tolle Vorzeigeprojekte wie die Auszeichnung für das Energiemanagement, die Fahrradstraße, die Vorreiterrolle bei der Flächenidentifikation für Freiflächensolaranlagen. Ich möchte aber nicht jetzt schon große CO2-Einsparungen und Erfolge an meiner Person festmachen, sondern glaube, durch die Trends, die aktuelle politische Lage und die Dramaturgie des Klimawandels ist das Thema in Bad Zwischenahn bei jedem angekommen.

Wie sind Sie persönlich zum Klimaschutz gekommen?

FingerMich hat das Thema schon immer interessiert. Es hat mit gesunder und bestenfalls biologischer Nahrung sowie Abfalltrennung und Lebensmittelverschwendung, aber auch klimafreundlicher Mobilität in meinem Alltag angefangen und ging bis zu Second Hand und Fair Fashion. Das hat aber nichts mit meiner Arbeit zu tun.

Hier stehen viel mehr gesetzliche Themen, erneuerbare Energien, Vorgaben, Bürgermotivation und Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. Wenn man diesen Job in einer kleineren Kommune antritt, muss man von allem ein bisschen Ahnung haben – das spiegelt auch das Klimakonzept mit der Breite der Themen wider.

Was sind die Aufgaben einer Klimaschutzmanagerin?

FingerIch habe versucht, nicht nur am Konzept zu schreiben und mich hinter meinem Bildschirm zu verstecken, sondern Förderanträge mit auf den Weg gebracht und Ideen eingebracht. Wir haben für Privatpersonen einige Angebote geschaffen und diverse Netzwerktreffen gehabt. Man überlegt sich Projekte und prüft sie rechtlich, auf Umsetzung und eine mögliche Förderung. Innerhalb eines Arbeitstages kann es dann verschiedene Themen wie eine Moorkartierung, Website-Einbindung, Energiespar-Checks und den Antrag für eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage gehen.

Wo sehen Sie die wichtigsten Projekte für die Gemeinde Bad Zwischenahn?

FingerWir haben als Planungs- und Umweltamt im vergangenen Jahr durch das Gremium beschließen lassen, dass Effizienzstandards, Dachbegrünungs- und Photovoltaikpflicht im Rahmen der Bauleitplanung für Gebäude zum Zwischenahner Standard werden – und das bevor es auf Landesebene gesetzt wurde. Es ist auch gut, erkannt zu haben, dass wir in Bad Zwischenahn 100 Prozent unseres Stroms durch lokale und regionale Quellen erzeugen wollen: Wind, Photovoltaik und Biomasse. Auch das Forschungsprojekt mit der Jade Hochschule gemeinsam mit der Gemeinde Edewecht für die kommunale Wärmeplanung sowie der Zwischenahner Klimazuschuss mit 100 000 Euro Budget für die Bürgerinnen und Bürger freuen mich.

Wichtigstes Ziel im Klimaschutz allgemein? Und wie kann man das erreichen?

FingerDas ist eine Querschnittsaufgabe von allen Beteiligten. Man kann jetzt nicht jedem Einzelnen die Bürde auferlegen, sich autark zu stellen und klimaneutral ohne Fußabdruck zu leben. Aber man sollte sich bei jeder Kaufentscheidung fragen: Brauche ich das? Gibt es klimafreundliche Alternativen? Man muss unnötige Fahrten und Energieverbrauch vermindern. Als Menschheit sollten wir technologieoffen sein. Generell braucht es ein gutes Zusammenspiel zwischen Kommune, die reguliert und motiviert, Unternehmen und Versorgern, die innovativ sind und anbieten, sowie Bürgerinnen und Bürgern, die das auch fordern und gleichzeitig annehmen und umsetzen. Dazu arbeiten wir in Bad Zwischenahn weiter mit den Kollegen in den fünf Handlungsfeldern des Klimaschutzkonzeptes.

Arne Erik Jürgens
Arne Erik Jürgens Thementeam Polizei/Justiz