Jeddeloh Ii - Wo bisher Wiesen und Bäume zu sehen sind, soweit das Auge reicht, soll zukünftig die große Nachfrage nach Bauland in Jeddeloh II bedient werden: Über 70 Bauplätze könnten dort auf rund 6,6 Hektar Fläche entstehen – die Gemeinde plant im beschaulichen Jeddeloh II ein Mega-Baugebiet. Bisher leben in dem kleinen Ort rund 1300 Menschen. Diese Zahl dürfte sich künftig deutlich erhöhen.
Hoher Bedarf an Baufläche
Mit dem Baugebiet „nördlich der Gartenstraße“ soll der Bedarf an Wohnbauflächen für den Ort Jeddeloh II gedeckt werden. Vorgestellt wurden die Pläne vom Planungsbüro Diekmann, Mosebach & Partner am Dienstag im Bauausschuss. „In mehreren Bauabschnitten soll das Gebiet perspektivisch innerhalb von zehn bis 15 Jahren entwickelt werden“, so Rolf Torkel, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin. Mit acht Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme von Hergen Erhardt (Grüne) wurde die weitere Planung des Baugebietes auf den Weg gebracht.
Anliegendes Torfgebiet erhalten
Die Bereiche nördlich der Gartenstraße liegen am Rand eines „Torferhaltungsgebietes“. Dort muss der vorhandene Torf als Kohlenstoffspeicher erhalten werden. Die Gemeinde muss also verhindern, dass der Torf entwässert wird. Dazu soll das gesamte Baugebiet mit einer Mulde und einem Grünstreifen umgeben werden. Diese soll immer feucht gehalten werden, um eine Sogwirkung durch das Baugebiet auf das Wasser im Torf zu vermeiden.
Die Grundstücke im geplanten Baugebiet in Jeddeloh II sollen 550 bis 600 Quadratmeter groß sein, wobei es Ausnahmen geben kann, wenn Mehrparteienhäuser für Mietwohnungen ermöglicht werden sollten.
Es handelt sich um ein Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe. Damit wird der gewerbliche Nutzen im Bereich der Wischenstraße für die vorige Hofstelle aufgegriffen. Dieser soll eine eigene Zuwegung erhalten.
Ein weiterer Punkt ist der Artenschutz. Brutvögel, Fledermäuse und Amphibien leben in dem Gebiet. Insbesondere die Bedeutung als Brutrevier für Wasservögel muss noch untersucht werden. „Beim Thema Klima und Torf hat die Verwaltung teilweise ihre Hausaufgaben gemacht“, sagte Erhardt. Er halte die Mulde für eine gute Idee, frage sich aber, was mit den Nährstoffen passiert, die vom Baugebiet aufs Moor übergehen. „Das ist für den Torfkörper als solches nicht gut. Man könnte vielleicht eine Membran einbauen“, schlug Erhardt vor. Zudem wünsche er sich eine vollständige und naturnahe Verwertung des Torfes, der im Baugebiet entnommen wird. „Es gibt bereits Interessenten, die hochwertigen unberührten Torf für Pilzzucht und anderes haben wollen“, so Torkel.
Auch günstigen Wohnraum schaffen
Häuser für die Vermietung im niedrigen Preissegment wie in Portsloge schlug Christian Eiskamp (CDU) vor. Zudem betonte er, dass vor allem bauwillige Einwohner der Gemeinde dort Grundstücke erhalten sollten. „Im Namen der bauwilligen Jeddeloher“, bedankte sich Theodor Vehndel (SPD) bei den Planern. Er gab lediglich zu bedenken, dass sich der geplante Spielplatz mit dem alten Baumbestand zwar super eigne, aber dieser auch direkt an der Haupteinfahrt ins Wohngebiet liegt.
Was im Sommer bei Trockenheit mit der Mulde passiert, wollte Ralf Krallmann (FDP) wissen. „Die Natur muss geschützt werden“, sagt er. Gleichzeitig müsse das Bauland auch für junge Familien finanzierbar bleiben. Torkel wies darauf hin, dass Details gutachterlich zu klären seien.
Nicht begeistert über das Baugebiet zeigte sich Thomas Apitzsch (UWG): „Wir wollten eigentlich sparsam mit Bauland umgehen. Diese Fläche liegt außerhalb der jetzigen Bebauung – das war in unserem Entwicklungskonzept eigentlich nicht gewollt.“ Er mache sich beispielsweise Sorgen um den Vogelbestand.
