Süddorf - „Ich bin entsetzt, dass der Vertreter des Veterinäramtes Ammerland so wenig Verständnis für unsere Situation aufgebracht hat und es mit der Brechstange durchgesetzt werden musste, dass unsere Mini-Schweine kurzfristig Ohrmarken bekommen“, schimpft Thomas Schöngen von der Süddorfer Jugendhilfe Schöngen. Veterinäre wüssten, so Schöngen, wie stressanfällig Hängebauchschweine seien und dass sie in Narkosen leicht sterben könnten. Man habe dem Veterinär angeboten, eine Situation abzuwarten, wo man ohnehin die Tiere hätte behandeln müssen und diese Behandlung mit dem Setzen der Ohrmarken kombiniert hätte. „Wir hatten uns ja damit einverstanden erklärt, dass die Tiere die Marken bekommen, aber warum man sie bei zwei Schweinen nicht eine Weile aufbewahren konnte, ist mir unverständlich. Und nach dem Tod des Tieres hatte der Mitarbeiter des Veterinäramtes nicht ’mal ein Wort des Bedauerns für uns übrig.“

Thomas Schöngen ist sauer. „Josef“ ist tot. Der kastrierte, sechsjährige Eber überlebte einen Eingriff nicht: Ihm sollte unter Narkose eine Ohrmarke gesetzt werden. Maria, einer gleichaltrigen Minisau, erging’s besser – sie wachte aus der Narkose wieder auf.

Im Dezember 2014 habe ein Vertreter des Ammerländer Veterinäramtes unangemeldet die Einrichtung besucht, um die Tierhaltung zu überprüfen. „Wir halten aus therapeutischen Gründen für unsere Jugendlichen Tiere: Hühner, Pferde und Schweine. Im Umgang mit den Tieren lernen die Jugendlichen, sich um andere zu kümmern und Verantwortung zu tragen“, erläutert Schöngen. Im Dezember habe er erstmals erfahren, dass Hängebauch-Schweine Ohrmarken haben müssten. Der Vertreter des Ammerländer Veterinäramtes habe jedoch nicht gesagt, dass man diese über das Veterinäramt bestellen müsse. Thomas Schöngen machte sich schlau, bestellte die Marken und eine Ohrmarkenzange. Doch es gelang ihm nicht, den beiden Mini-Schweinen die Marken zu setzen. Auf eine Verlängerung der Frist habe sich das Veterinäramt nicht eingelassen. So habe man schließlich mit Hilfe eines Tierarztes versucht, die Auflage zu erfüllen. Das sei jedoch – ohne Narkose – trotz mehrerer Versuche misslungen. „Eber Josef war zwar zahm, aber ließ sich, nachdem ihm ’mal eine Blutprobe gezogen wurde, nicht mehr streicheln.“ Diese Erfahrung habe seine Partnerin nicht gemacht. Weil die Marken gesetzt werden mussten, habe man den Eingriffen unter Narkose zugestimmt.

„Es ist ein bedauerlicher Vorfall und es tut uns leid, dass das Tier bei der Narkose starb“, sagte auf Anfrage Dr. Frank Meyer, Amtstierarzt und Leiter des Veterinäramtes beim Landkreis Ammerland. Gleichwohl müsse man die gesetzlichen Vorschriften erfüllen.

Thomas Schöngen will nun dafür sorgen, dass „Maria“ nicht allein bleibt. „Wir werden einen neuen Eber kaufen, aber möglichst einen mit Ohrmarke“, sagt er.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede