Westerstede - Völlig unaufgeregt sitzt der 19-jährige Dave Schedemann im Konferenzraum seines Arbeitgebers Kreative Metallform (KMF) in Westerstede. Durch das Fenster schaut man in die neue Halle der Firma, die 2022 fertiggestellt wurde. Schedemann erklärt die hochmoderne Technik, die interessant und auch etwas futuristisch aussieht, um die es aber bei dem Termin eigentlich gar nicht geht. Denn der Westersteder ist einer der besten jungen Menschen in Deutschland am Schweißgerät. Mehrere Wettbewerbe hat Schedemann gewonnen. Diese Erfolge machen es ihm nun möglich, 2024 an einem internationalen Wettkampf in China teilzunehmen.
Dreimal Sieger
„Natürlich bin ich stolz darauf“, sagt er. Mit Recht, denn er hat sich durch Siege bei den Bezirksmeisterschaften im März in Oldenburg, bei den Landesmeisterschaften in Flensburg im Juni und bei dem Bundeswettbewerb im September in Essen gegen die große Konkurrenz durchgesetzt. Bei den Wettbewerben gibt es vier Kategorien, Schedemann schweißt in der sogenannten „E-Hand“-Klasse. Pro Wettbewerb gab es hier um die zehn Konkurrenten, die er alle auf die Ränge verweisen konnte. Der 19-Jährige hat erst im Juni seine Ausbildung als Metallbauer mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik bei KMF abgeschlossen.
Dave Schedemann (rechts) und Hannes Mielmann (Gewinner einer anderen Kategorie) bei der Siegerehrung beim Bundeswettbewerb.
Für seinen Chef Peter Joachimmeyer ist der Westersteder ein Glücksgriff. Dass er 2020 einen möglichen späteren „Weltmeister“ einstellte, war ihm natürlich nicht klar. „Damit haben wir schon mal gar nicht gerechnet. Wir hatten schon viele gute Auszubildende, aber Dave ist nochmal ein Topf oben drauf“, so der Geschäftsführer, der das Unternehmen 1998 in der Kreisstadt in einer Garage gründete. Seitens des Unternehmens gibt es natürlich Unterstützung. Mit zum Wettkampf nach China, der im August 2024 stattfinden soll, fliegt der Chef dann aber nicht: „Da stehe ich nur im Weg rum“, sagt er augenzwinkernd.
Begleitet werden die vier deutschen Teilnehmer dann von einem Mitarbeiter des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS), der den Wettbewerb „Jugend schweißt“ offiziell ausrichtet. Mit dabei sein wird auch Schedemanns Vater, der laut Sohnemann „mehr als stolz“ auf seinen Schützling ist. Der Westersteder, der in seiner Heimatstadt übrigens die Oberschule und das Gymnasium besuchte, kam dabei eigentlich eher durch Zufall zu seiner Ausbildung und damit zum Schweißen.
Ein Zufallsjob
„Ich habe das Gymnasium nach der zehnten Klasse verlassen und habe einen Praktikumsplatz gesucht, um das Fachabitur zu erlangen“, sagt er. Dies sei während der Corona-Pandemie jedoch nicht gelungen. So fand er dann den Ausbildungsplatz bei KMF und hatte ersten Kontakt zum Schweißen. „Dass ich das so gut kann, habe ich erst in der Ausbildung gemerkt“, sagt er. Manchmal führten also auch Zufälle zur wahren Berufung, könne man sagen.
Inzwischen ist er von dem Handwerk so begeistert, dass er in seiner Freizeit auch zu Hause oder in den Räumen der Handwerkskammer in Oldenburg trainiert. Denn die Anforderungen in China werden wohl hoch sein. „Man muss wohl über Kopf schweißen“, sagt er. Dies sei sehr anspruchsvoll, dazu kämen strenge Bewertungskriterien. Während seine Freunde also an den See fahren oder Fußball spielen, steht Schedemann ab und zu mal am Schweißgerät.
In seinem Alltag arbeitet Schedemann mit seinen Kollegen vor allem auf sogenannten Giga-Yachten – also sozusagen den ganz dicken Privatpötten, die vor allem in Monaco, Barcelona und Co. liegen. Dort baut die Firma KMF Windschutzsysteme ein. Von den Kunden wird hier höchste Qualität gefordert – also gar nicht so verkehrt, einen international erfolgreichen Schweißer an Bord zu haben.
