Kayhauserfeld - Die Naturschutzinitiative „Biotopkultur“ hatte nach Kayhauserfeld ans hochwertige Schutzgebiet „Großes Engelsmeer“ eingeladen. Zusammen mit zwölf wetterfesten, motivierten Freiwilligen ging es bei Sturm und Regen den Jungbirken des Kleinods an den Kragen.
Hohe Verdunstung durch Birken
Stefanie Eilers, Leiterin der Aktion, relativierte den Einschlag schon im Vorfeld der Veranstaltung: „Die Natur leidet nicht unter der Entnahme der Birkensträucher, bleiben doch genügend Birken im Umfeld des Engelsmeeres stehen. Wir leben halt in dem Zwiespalt: Rettet den Baum – Rettet die Erde.“ Aber es sind gerade die Birken, die als Pioniergehölze extrem durstig sind und bis zu 150 Liter Wasser aufnehmen können, um es anschließend zu verdunsten. Dadurch sinkt der Wasserspiegel und das Meer verlandet.
Im parallelen Blätterschatten der Birke kann sich die so einzigartige Moorflora nicht entfalten. Außerdem besteht außerhalb der Sägezone ein Schwarztorfwall, so dass sich der Wasserspiegel der Moorfläche auf eine bestimmte Höhe einpendeln könne, erläuterte Eilers anschließend.
Refugium des regionalen Klima- und Tourismuskonzepts
Denn das Engelsmeer steht erhaben wie ein „Tortenstück“ inmitten von überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen. Es soll als wichtiges Refugium des regionalen Klima- und Tourismuskonzepts gestärkt und erhalten bleiben.
Diese Erhaltungspflege-Aktion konnte nur in enger Absprache und unter Mithilfe des Landkreises, der Gemeinde und des unterstützenden Gartenbaubetriebs von Thorsten Lübben durchgeführt werden, der mit seinen Mitarbeitern am Vortag schon die kleinen Birken abgesenst hatte. Mit zunehmender Arbeitszeit entwickelte sich die Pflege zu einem wahrhaftigen Workout, galt es doch, die gefällten Birken in mühevoller Handarbeit aus dem unwegsamen und moorigen Gelände zu dem bereitstehenden Schredder zu bugsieren.
Junge Syrer helfen im Moor
So freute es Eilers sehr, dass der junge Syrer Moustafa Arksousi mit vier weiteren Freunden den Weg ins Moor gefunden hatte. Die „neuen Nachbarn“ hauten richtig rein: „Wir leben seit fünf Jahren in Zwischenahn. Es ist unsere Verantwortung, hier etwas zu tun. Wir müssen der Natur helfen. Es macht Freude und ist ein Beispiel für gelungene Integration.“ Als weitere Frau verstärkte Anja Ammen aus Rastede das Team: „Ich habe in der Zeitung den Aufruf zur Mithilfe gelesen. Als Draußenmensch fühlte ich mich direkt angesprochen. Ich interessiere mich für die Natur und ihre Belange. Ich bin erstmalig am Engelsmeer, es gefällt mir gut und ich komme bestimmt wieder, um es meiner Tochter zu zeigen.“
25 Hektar werden renaturiert: Blühwiesen und Wildäcker
Stefan Dierkes als direkter Nachbar und Mitglied der Jägerschaft Kayhauserfeld berichtete von den Aktivitäten der Jäger rund ums Engelsmeer. „Insgesamt 25 Hektar Land werden von uns renaturiert, Blühstreifen angelegt und Wildäcker ermöglicht, um der Verlandung des Meers entgegenzuwirken.“
Bei gutem Wetter lohnt sich ab sofort wieder ein Ausflug zum tiptop gepflegten „Engelsmeer“.
