Wiefelstede/Hannover - Zu einem Schlagabtausch im Niedersächsischen Landtag hat am Donnerstag die Debatte um eine Vier-Tage-Woche an der Grundschule Wiefelstede geführt. Der heimische CDU-Abgeordnete Jens Nacke forderte am Donnerstag in einer „Aktuellen Stunde“ des Parlaments Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) auf, endlich in der Frage der Unterrichtsversorgung zu handeln. Der Fall Wiefelstede stehe „beispielhaft für ein offenkundiges jahrelanges Versäumnis in der Schulpolitik“, so Nacke. Hamburg wiederum warf der CDU vor, einen Einzelfall aus parteipolitischen Erwägungen zum Grundsatzproblem zu machen und den Sachverhalt bewusst zu verzerren.
„Keine Lösung“
Schulleiterin Doris Tapken hatte am 10. Februar in einem Elternbrief angekündigt, dass wegen des Lehrermangels Kinder jahrgangsweise einen Tag in der Woche zu Hause bleiben müssten. Das löste eine bundesweite Diskussion über den Lehrkräftemangel aus. Die Regionale Landesbehörde für Schule und Bildung (RLSB) entwickelte schließlich einen Notfallplan, seit vergangenen Donnerstag Präsenzunterricht für alle Grundschüler an fünf Tagen sicherstellt. Gerade die Verlässlichkeit der Grundschulen sei vorrangiges Ziel des Landes, so Hamburg in der Debatte.
Nacke sagte, die in Wiefelstede präsentierte Lösung sei in Wirklichkeit keine. Drei Lehrkräfte in Teilzeit der benachbarten Oberschule stocken ihre Unterrichtsverpflichtung für eine kurze Zeit um zehn Stunden auf. Zwei Pädagogische Mitarbeiterinnen bekommen die Erlaubnis, jeweils zehn Stunden mehr zu arbeiten. Und die Schule darf eine Feuerwehrlehrkraft suchen, die noch nicht gefunden wurde. „Eine Kontinuität für die Beschulung der Kinder kann es damit nicht geben“, so Nacke. „Vielmehr hangelt man sich irgendwie bis zu den Sommerferien.“
Nacke legte für die CDU ein Fünf-Punkte-Programm vor, um mehr Lehrkräfte zu gewinnen. Die Palette reicht von Angeboten für Teilzeitkräfte, die aufstocken wollen, bis hin zur Entlastung der Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben. Zudem widersprach Nacke dem Vorwurf es handele sich um eine Kampagne der CDU. Vielmehr habe die RLSB die Schule alleingelassen. Auf seinen Vorschlag, den Elternvertretern am Rande der Landtagsdebatte ein Gespräch anzubieten, habe Hamburg nicht reagiert.
„Ein Weckruf“
Hamburg wies darauf hin, dass die Grundschule Wiefelstede zum Stichtag 8.9.2022 noch eine Unterrichtsversorgung von über 100 Prozent hatte. Der Fall zeige, wie schnell durch das Zusammenspiel unterschiedlicher, gleichzeitig eintretender Ereignisse eine solch schwierige Lage entstehen könne. Obwohl die Schule von einer „befristeten Maßnahme“ gesprochen habe, suggeriere Nacke, dass es um eine dauerhafte Vier-Tage-Woche gegangen sei, so Hamburg. Kultusministerium und Schulbehörde hätten dagegen das Problem schnell gelöst. Es gebe etliche Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel in der Bildung zu begegnen. Zudem tausche sie sich mit Verbänden und der Wissenschaftlichen Kommission aus.
Rückendeckung bekam die Ministerin von den Regierungsfraktionen: Pascal Mennen (Grüne) lud die CDU ein, an einer Gestaltungsdebatte mitzuwirken. Neben Sofortmaßnahmen müssten langfristige Lösungen greifen. Thore Güldner (SPD) aus Dötlingen (Kreis Oldenburg), der erstmals im Plenum sprach, bezeichnete den Fall Wiefelstede als „Weckruf“. In einem intensiven Dialog mit Experten müssten Lösungen gefunden werden. Harm Rykena (AfD) kritisierte scharf die Schließung des Schulkindergartens an der Grundschule. Er schlug vor, das Projekt Ganztagsschule zu beenden; dann gebe es genug Lehrkräfte für den Kernbetrieb am Vormittag.
