Ammerland - Seit Mitte 2020 gibt es den Vertretungsstützpunkt für Tagesmütter und -väter im Ammerland im alten Pfarrhaus in Ocholt. Wird eine Tagesmutter krank, können die von ihr betreuten Kinder übergangsweise dort unterkommen und werden von einer angestellten Tagesmutter betreut. Der Landkreis hatte einen Modellversuch zunächst für drei Jahre bewilligt, nachdem Tagesmütter sich zuvor lange für eine zuverlässige Vertretungslösung stark gemacht hatten. Zuletzt war der Modellversuch, auch unter dem Eindruck der Corona-Pandemie, um ein Jahr verlängert worden – bis zum 31. Juli 2023. Die Tagesmütter im Verein Lichtblick, der als Träger des Vertretungsstützpunktes fungiert, hatten auf eine weitere Fortsetzung des Projekts gehofft.
Verein gibt auf
Die Gespräche darüber verliefen aber offenbar schwierig – zu schwierig für den Vorstand von Lichtblick. Der verkündete am Dienstag, dass er seine Ämter zum 31. Juli niederlegen und den Vertretungsstützpunkt schließen wird. Bereits ab dem 30. Juni werde es keine Vertretungsbetreuungen mehr geben. Die vom Verein eingestellte Vertretungskraft habe sich angesichts der unklaren Lage entschieden, ihren dann auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern und stattdessen eine eigene Kindertagespflege zu eröffnen.
Kreis will Projekt beenden
Aus Sicht der Ammerländer Kreisverwaltung scheint die Lage allerdings nicht unklar zu sein: Sie empfiehlt bereits in der Überschrift für die Beschlussvorlage für den Jugendhilfeausschuss des Landkreises am 11. Mai eindeutig, das Modellprojekt auslaufen zu lassen. Insgesamt habe das befristete Pilotprojekt sowohl in fachlicher, wie auch in finanzieller Hinsicht nicht die Erwartungen erfüllt und solle nicht dauerhaft umgesetzt werden. Der Landkreis bemängelt zum einen die hohen Kosten, die für den Vertretungsstützpunkt angefallen seien. Zum anderen kritisiert der Kreis, dass Krankheits- und Urlaubsvertretungen sich in der Statistik des Vertretungsstützpunktes die Waage halten, letztere hätten allerdings nur nachrangig stattfinden sollen.
Der Kreis schlägt jetzt vor, andere Vertretungsmodelle zu prüfen – etwa mit Plätzen, die explizit für die Vertretung von erkrankten Tagesmüttern freigehalten werden.
