Klauhörn - „Blühstreifen“ steht auf einem Schild, aufgestellt an einem kleinen Grundstück neben dem Boßelheim. Blühen tut hier indes gerade nichts. Eher wie Gestrüpp sieht es derzeit in Klauhörn in der Gemeinde Apen aus. Verdorrte Sonnenblumen aus dem Vorjahr, einige lange Halme, ein paar grüne Pflänzchen dazwischen. Muss das so?
Struppige Blühwiesen
Bürgermeister Matthias Huber bekommt in letzter Zeit vermehrt Anrufe von Bürgern, die sich fragen, ob sich die Gemeinde überhaupt um diese Fläche kümmert. In einer gemeinsamen Aktion hatten Verwaltung und die Aper Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) die rund 700 Quadratmeter große Fläche vor ziemlich genau einem Jahr eingesät. „Und deshalb ist es genau richtig, dass es hier so aussieht, wie es eben aussieht“, klärt Yvette Kühl vom Aper Nabu auf. Die Pflanzen des vergangenen Jahres werden bewusst stehen gelassen. „Sie bieten Unterschlupf für Tiere. Und wenn kleine Gespinste darin hängen, können auch die Insekten in Ruhe schlüpfen.“
Wer im Aper Gemeindegebiet lebt und seinen Garten insektenfreundlicher gestalten möchte, kann sich bei Yvette Kühl melden.
Etwa im April, zum Teil bis Ende Mai kann das Saatgut ausgebracht werden. Nach guter fachlicher Praxis muss ein feinkrümeliges Saatbett vorbereitet werden. „Jede Störung im Bestand sollte vermieden werden“, sagt Yvette Kühl.
Bis zu fünf Jahre können die ausgesäten Pflanzen stehen bleiben. Der Aufwuchs soll im Herbst nach Absterben der oberirdischen Teile als Deckungskulisse stehen bleiben. Während der Brut- und Aufzuchtzeit sind Pflegemaßnahmen möglichst zu vermeiden.
Das Saatgut darf nur auf den Boden abgelegt werden. Ein anschließendes Walzen ist vorteilhaft.
Das Gute: Mulch- oder Pflegeschnitte sind normalerweise nicht notwendig. Nur bei hohem Unkrautdruck durch Problem-Unkräuter wie Ackerdistel, Hirse, und Ampfer ist vor deren Blütezeit ein ein- bis zweimaliger Mulchschnitt nötig.
Die Aussaatmenge: etwa ein Gramm pro Quadratmeter, das entspricht etwa 10 Kilogramm pro Hektar.
Kräuter und Wildstauden
Bei der Aktion damals sei der Boden einmal umgebrochen und eine ganz spezielle Saatmischung verwendet worden – enthalten sind 36 Wild- und Kulturarten: Kräuter, Wildstauden und Blümchen. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass die Pflanzen gut zu dem nordwestdeutschen Boden passen“, berichtet Kühl und beugt sich zu einem kleinblättrigen grünen Pflänzchen hinunter, „eine Ringelblume“, identifiziert sie und ergänzt: „Wir haben sowohl ein-, als auch zweijährige Pflanzen ausgesucht. Das bedeutet, dass die Fläche dieses Jahr anders aussehen wird als noch in 2019.“ Manche der Gewächse bildeten im ersten Jahr der Saat nur die Blattrosetten aus, im folgenden Jahr käme dann die Blüte. Und dann? „Die kommen alle wieder und säen sich selbst aus. Die abgestorbenen Sonnenblumen beispielsweise werden Jahr für Jahr wieder wachsen – nur eben an neuen Stellen“, freut sich Yvette Kühl schon auf die Überraschung in diesem Sommer. „Man weiß nie genau, wie sich eine solche Fläche weiterentwickelt“, erklärt sie.
Von Malve bis Steinklee
Die Blühdauer ist angesetzt von April bis November. Das reichhaltige Blütenangebot – darunter zum Beispiel Kornblumen, Weiße Lichtnelken, Schwarzkümmel oder Wilde Malven – hilft besonders den Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. „Denn die Gewächse bedeuten energiereichen Nektar und viele Pollen für die Proteinversorgung der Brut“, klärt Kühl auf. Ein positiver Nebeneffekt: „Die Bienen erzeugen ja auch noch Honig.“
Flächen wenig mähen
Laut Kühl sei es ein enormer Unterschied, ob man – wie hier in Klauhörn – eine spezielle Saatmischung in den Boden bringe, oder eine Fläche einfach sich selbst überlasse. So geschehen hinter der Firma AMF Bruns auf einem ehemaligen Spielplatz. „Durch die häufige Mahd sind dort einige Pflanzen ganz verdrängt worden“, weiß Kühl zu berichten. Jetzt werde das Grün nur noch etwas zweimal jährlich zurückgeschnitten. „Ansonsten greifen wir nicht mehr ein.“ Dann kämen auch sehr alte Gewächse wieder durch, darunter beispielsweise das Wiesenschaumkraut. Etwa fünf bis sechs Jahre würde es dauern, bis sich die Natur eine Fläche komplett zurückerobert hätte. Yvette Kühl kann das kaum erwarten: „Ab und zu werde ich mal vorbeifahren und mich darüber freuen, wie sich die Pflanzen dort entwickeln.“
