Gristede - Bei einem Konzert des Frank Dupree Trios gehen einem schon mal ganz schnell die Superlative aus und man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: die hör- und sichtbar überschäumende Spielfreude oder die überwältigende Virtuosität dieses Trios. Ein Trio, das durch seine Horizonte-öffnende stilübergreifende Musik, seine unglaublich phantasievollen und mitreißenden Improvisationen, aber auch durch seine sich gegenseitig beflügelnde rhythmische Präsenz besticht. In der restlos ausverkauften Konzertscheune auf Gut Horn ist zu erleben, wie unentrinnbar packend und knisternd spannend Musik sein kann, wenn sie so dargeboten wird, wie hier vom Frank Dupree Trio.
Werke von Kapustin
Bei den Konzerten des Pianisten Frank Dupree stehen immer wieder ganz besonders die Werke des ukrainischen Komponisten Nikolai Kapustin (1937-2020) im Mittelpunkt. Ein klassisch ausgebildeter Komponist, der seine Begeisterung für den Jazz in seine Kompositionen hat einfließen lassen, wobei er alles – auch die frei klingendsten Improvisationen – in Noten festgelegt hat. Das Frank Dupree Trio erweitert diese Klavierkompositionen dazu noch um Bass und Schlagzeug. Anhand des unglaublich virtuosen ersten „Jazz-Preludes“ aus op. 53 demonstrieren Pianist Frank Dupree und Schlagzeuger „Obi“ Jenne, wie unterschiedlich stilistisch das Schlagzeug diese Musik unterlegen und bereichern kann.
Ein absoluter Höhepunkt sind immer wieder die „Variations op. 41“ von Nikolai Kapustin. Hier zeigt der Komponist, dass er – ausgehend von Igor Strawinskys „Le sacre…“-Thema – nicht nur den Jazz, sondern auch die Tonsprache Strawinskys grandios nachempfindet. Immer wieder ein Highlight ist die Abschlussvariation mit ihrem atemlos rasanten, sich fast selbst überschlagenden Tempo. Das virtuose Feuerwerk, das Frank Dupree hier entzündet ist schon einmalig. Einfach großartig, mit welch sichtlichem Spaß und mit welch unaufgeregter Lockerheit die Finger hier über die Tastatur rasen. Kontrabassist Jakob Krupp und Schlagzeuger „Obi“ Jenne erweisen sich an diesem Abend nicht nur als expressiv mitgestaltende Impulsgeber, sondern sie bringen auch immer wieder begeisternde Soli ein.
Und dann wird man plötzlich von dem Klangzauber des wundervollen und zarten kleinen „Prélude a-moll“ von Maurice Ravel (1875-1937) weggetragen, ohne so wirklich zu merken, wann Schlagzeug und Bass leise dazukommen und sich das Klavier in freie impressionistische Improvisationen erweitert.
Freie Improvisation
Mit den Songs „It ain’t nessessarily so“ und „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin (1898-1937) wird der freie Improvisationsblock eröffnet und die drei Musiker bringen sich hier mit ihren teils verträumten, aber auch überbordenden und gegenseitig anstachelnden Soli grandios ein. Und nachdem man mit einem Lächeln den „Bacardi“ der Komponistin Dana Suesse (1911-1987) zu sich genommen hat und sich bei Leonard Bernstein (1918-1990) „Cool“ geschnippt hat, legt das Frank Dupree Trio nochmal mit „Mambo“ nach. Und wer denkt, da geht nichts mehr, glaubt kaum, was da noch geht! Der absolute Wahnsinn, wie sich die drei Musiker hier noch einmal zum Schluss weltvergessen in Improvisationen und mitreißender Spielfreude ausleben – und dann zwei Zugaben nachlegen.
