Bad Zwischenahn - Der junge Schweizer Bariton Äneas Humm gastierte mit einem um den starken Gefühlszustand „Sehnsucht“ gruppierten Lied-Programm im stilvollen Alten Kurhaus. Dieser gehaltvolle und klangschöne Liederabend mit Liedern der Geschwister Mendelssohn, Franz Liszt und Richard Strauss wurde organisiert und veranstaltet vom Musikfest Bremen in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Ammerland.
Äneas Humm stellte sich selbst vor und verwies auf seine starke Verbundenheit mit dem Bremer Raum, denn er hatte sein Operndebüt in Bremerhaven, studierte an der Bremer Hochschule der Künste und fand ebendort auch sein privates Glück. Aktuell arbeitet er als Opernsänger im Ensemble des Theaters St. Gallen.
Eigener Stempel
Gleich die ersten vier Lieder seines Programms, Preziosen aus der Feder von Fanny Hensel, der begabten Schwester von Felix Mendelssohn, ließen aufhorchen. Humm wurde von Renate Rohlfing am Klavier nicht einfach nur „begleitet“. Die Pianistin drückte diesem Liederabend ganz unaufgeregt und mit großer Selbstverständlichkeit ihren ganz eigenen Stempel auf. Sie leuchtete subtil die musikalische Substanz aus, sie stützte die Stimme, sie intervenierte ganz unaufdringlich bei den Tempi und war alles in allem der gute Geist im Hintergrund.
Humm intonierte sauber, sang mit Ausdruck und mit Nachdruck. Bei den vier Liedern von Fanny Hensel und den fünf Liedern ihres Bruders Felix ließ sich ein wenig zu stark das Opernhafte des ausgebildeten Opernsängers hören. Bei aller Binnendifferenzierung und Verständnis für den unterschwelligen Humor und die Ironie der Texte aus der Feder von Heinrich Heine wäre weniger Druck und weniger Geste mehr gewesen.
Liszt und Strauss
Nach der Pause beglückten Humm und Rohlfing das Auditorium mit fünf Liedern von Franz Liszt und sechs Liedern von Richard Strauss, die allesamt um die Sehnsucht und um die heimliche Liebe kreisten.
Gerade bei den Liedern des Opernkomponisten Strauss überzeugte der Bariton mit kleinen Opernständchen wie der „Heimlichen Aufforderung“.
Die Gefühlswelt dieser Texte ist breiter und üppiger, ja luxuriöser angelegt als in den sensiblen Poesien der Hölty, Goethe, Eichendorff und Heine, die zuvor erklangen.
Humm, der mit besonderem Nachdruck davon erzählte, dass seine Lieblingspartie die des Harlekin in der Strauss-Oper „Ariadne aus Naxos“ sei, war hier ganz in seinem Element und schöpfte stimmlich und expressiv aus dem Vollen.
Das zufriedene Publikum bedankte sich nach dem neunzigminütigen Programm enthusiastisch und forderte erfolgreich drei willkommene Zugaben ein.
