Bad Zwischenahn/Ammerland - Seit 2018 ist bekannt, mit welchen Mitteln das Zwischenahner Meer saniert und so die Belastung mit Cyanobakterien, auch bekannt als Blaualgen, reduziert werden könnte. Damals wurde eine Machbarkeitsstudie vorgestellt, die zahlreiche Maßnahmen vorschlug. Dabei geht es immer darum, dafür zu sorgen, dass weniger Phosphor ins Meer gelangt, ein Nährstoff, der für die massenhafte Vermehrung der Bakterien verantwortlich ist.
8,8 Tonnen Phosphor
Nach der Studie gelangen im Schnitt 8,8 Tonnen Phosphor pro Jahr in den See. Ein erheblicher Teil stammt von der Landwirtschaft und aus Siedlungsgebieten. Das gesamte Einzugsgebiet ist rund 95 Quadratkilometer groß. Allein zwei intensiv landwirtschaftlich genutzte Hochmoorflächen nordöstlich von Wiefelstede und bei Aschhauserfeld sind mit 780 Hektar (7,8 Quadratkilometern) für durchschnittlich 3,1 Tonnen Phosphor verantwortlich. Aus Siedlungsgebieten (1763 Hektar) kommen im Schnitt knapp zwei Tonnen Phosphor. Weitere 3,5 Tonnen stammen aus intensiv genutzten landwirtschaftlichen Böden, die allerdings keine Hochmoorflächen und deutlich größer sind, nämlich 4801 Hektar.
Deutliche Reduzierung
Das Ziel, das für die Machbarkeitsstudie vereinbart wurde, ist eine Begrenzung des Phosphor-Eintrags um mehr als fünf auf rund 3,3 Tonnen pro Jahr. Das würde eine signifikante Verbesserung des ökologischen Zustands bedeuten. Einen guten ökologischen Zustand, wie ihn die EU-Wasserrahmenrichtlinie vorsieht, wird das Gewässer so aber nicht erreichen. Die Blaualgenblüte könnte, wenn das Ziel erreicht wird, nicht völlig verhindert werden, aber deutlich seltener und weniger intensiv auftreten.
Koordinator gesucht
Jetzt, vier Jahre nach der Vorstellung der Studie, wird eine Person gesucht, die sich darum kümmern soll, die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren und in die Wege zu leiten. Die vom Land Niedersachsen finanzierte Stelle des „Kümmerers“ für das Zwischenahner Meer ist ausgeschrieben worden. „Der endgültige Bescheid aus Hannover liegt zwar noch nicht vor, wir haben aber die Zusage und können die Stelle ausschreiben“, so Bürgermeister Henning Dierks.
Gesucht wird in der offiziellen Bezeichnung ein Koordinator oder eine Koordinatorin für die Sanierung des Zwischenahner Meeres. Seine oder ihre Aufgabe: Die Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität zu koordinieren und für eine Umsetzung durch die jeweils zuständigen Stellen zu sorgen. Dazu kommt die Mitwirkung im Arbeitskreis „Zwischenahner Meer“, die Vernetzung aller relevanten Akteure, vorrangig aus der Wasser- und Landwirtschaft, sowie die Initiierung und Begleitung von Projekten und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Millionen-Investition
Die aus Landesmitteln finanzierte Stelle ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Die Gemeinde Bad Zwischenahn strebt laut der Stellenausschreibung auf Dauer aber ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis an. Es sei wichtig, eine qualifizierte Person, für diese Stelle zu gewinnen, so Dierks – mit einer von vornherein befristeten Stelle sei das kaum möglich. Ohnehin lassen sich die meisten der vorgeschlagenen Maßnahmen in einem Zeitraum von zwei Jahren kaum umsetzen, geschweige denn abschließen.
Es geht zum Beispiel um Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung der Hochmoorgebiete, eine mögliche Umleitung der Otterbäke als am meisten belasteten Zufluss und zahlreiche weitere Maßnahmen. Viele davon sind mit dem Kauf oder Tausch von Flächen verbunden, ebenso wie mit umfangreichen Baumaßnahmen, die viele weitere Millionen Euro verschlingen werden. Die Gemeinde setze darauf, dass die Stelle vom Land auch über den Ablauf der zwei Jahre hinaus bezahlt werde, so Dierks – ob und in welcher Form das geschehe, hänge aber auch vom Ausgang der Landtagswahl ab.
