Edewecht - Sein Name ist untrennbar mit Kulturveranstaltungen wie den Berner Bücherwochen oder Konzerten in der Warflether Kirche verbunden: Reinhard Rakow. Doch vor seiner Zeit in der Wesermarsch war er die treibende Kraft in der Edewechter Kulturszene. Nun ist Reinhard Rakow im Alter von 70 Jahren verstorben.
„Sein Tod ist ein Verlust für die Kulturszene. Er wird fehlen, in der gesamten Region“, sagt Jack Morin, langjähriger Weggefährte Rakows und sein Nachfolger als Vorsitzender der Edewechter Kunstfreunde, als dieser 2007 in die Wesermarsch zog. Bis zu dessen Tod verband die beiden eine lockere Freundschaft.
Mit Begeisterung
In Edewecht war Reinhard Rakow als Rechtsanwalt tätig. Doch seine große Leidenschaft galt der Kunst: Literatur, Malerei, Musik. „ ,Ich habe den falschen Beruf ergriffen’ hat man mal zu mir gesagt“, erinnert sich Jack Morin. Rakow war selber als Schriftsteller und Maler aktiv. Einige seiner großformatigen Werke hängen als Dauerleihgaben im Haus der Begegnung und im Edewechter Rathaus.
Große Namen ...
Große Namen kamen in Rakows Zeit als Vorsitzender der Kunstfreunde nach Edewecht: Franz Alt, Hannelore Hoger, Peter Sodann, Friedrich Schorlemmer, Wolf Biermann, Musikerinnen wie Marie Kliegel und Nina Tichmann. Allein um große Namen ging es Rakow indes nicht. „Er hatte ein Gespür und war neugierig auf alles“, sagt Volkmar Stickan. Musikalisch ging es von Klassik über Jazz und Folk bis hin zur neuen Musik. Und wenn ihm etwas so interessant erschien, dass er meinte, es müsse in Edewecht aufgeführt werden, dann setzte er alle Hebel in Bewegung, um dies in die Tat umzusetzen. „In der Regel ist es ihm gelungen. Er konnte alles und jeden mit seiner Begeisterung anstecken und überzeugen“, so Stickan.
... und kleine Leute
Wichtig war Rakow stets, ein breites Publikum für Kunst und Kultur zu begeistern. „Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit Schulen, vor allem mit der Astrid-Lindgren-Schule“, sagt Jack Morin. Oft haben Musiker am Tag nach ihrem Auftritt noch ein Konzert in der Schule gegeben – und damit Kinder erreicht, die sonst nicht unbedingt damit in Kontakt gekommen wären. Rakow habe die Kultur in breite Schichten bringen wollen, so Morin, der nicht nur diese Form der Veranstaltung von Reinhard Rakow übernommen hat.
Lange Worte habe Rakow übrigens nie gemacht, Gespräche seien immer kurz, bündig und zielorientiert gewesen. Auch bei der Auswahl seines Nachfolgers ging er so vor. „Wir kannten uns von Veranstaltungen, im Vorstand war ich jedoch nicht aktiv“, erinnert sich Morin. Er habe ihn über seinen Abgang und Wegzug in die Wesermarsch informiert und gefragt, ob Morin den Vorsitz übernehmen wolle. Der ehemalige Lehrer, seinerzeit just im Ruhestand, übernahm 2007 den Vorsitz und führte den Verein bis zu dessen Auflösung 2014.
„Er hat in Edewecht eine Kulturszene aufgebaut, die weit über die Grenzen dieses Ortes hinaus Bedeutung gefunden hat“, würdigt Volkmar Stickan Rakows Wirken. Er hinterlasse nicht nur als Kulturveranstalter und Kulturschaffender, sondern vor allem als Mensch eine ganz schmerzhafte und kaum auszufüllende Lücke.
