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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

2014 setzt Rastede      sich die Krone auf

31.12.2013

JANUAR

Das neue Jahr beginnt in Rastede genauso mild, wie das vorangegangene geendet hat. Verwaltung und Bauhof ärgern sich, dass sie im Vorjahr nach langjähriger Wartezeit die beiden neuen Silos zur Streusalzlagerung aufgebaut haben. Da ein Wintereinbruch nicht in Sicht ist und die Haushaltssituation im neuen Jahr klammer als das Wetter werden könnte, wird kurzerhand entschieden, das Streusalz gewinnbringend nach Österreich zu verkaufen.

FEBRUAR

Bürgermeister Dieter von Essen und der Geschäftsführer der Residenzort Ras­tede GmbH, Robert Lohkamp, kommen zu einem geheimen Treffen zusammen. Um die Marke Residenzort mit Leben zu füllen, soll in Rastede künftig eine royale Kultur gelebt werden. Damit dieser Schritt nach außen sichtbar wird, soll von Essen zum König von Rastede gekrönt werden. Dem bodenständigen Bürgermeister erscheint das doch etwas übertrieben. Um den Ort aber noch populärer im Land zu machen, willigt er schließlich ein. Da in Rastede nichts lange geheim bleibt, weiß am nächsten Morgen fast der ganze Ort Bescheid. Wegen der besonderen Beziehung Rastedes zur Monarchie, die noch aus der Zeit der Grafen und Herzöge resultiert, freundet sich die Bevölkerung aber schnell mit der Idee an.

MÄRZ

Im Rathaus laufen die Vorbereitungen für die Krönung auf Hochtouren. In kürzester Zeit muss ein Nachtragshaushalt verabschiedet werden. Die Verwaltung möchte in großem Stil Pergament anschaffen, damit die Dekrete des künftigen Königs authentisch übermittelt werden können. Pressesprecher Ralf Kobbe wird zum neuen Hofschreiber ernannt, tut sich anfangs mit Tinte und Feder aber noch schwer. Das Pergament wird in den Salzsilos auf dem Bauhof eingelagert, weil die wegen der guten Witterung nun doch nicht benötigt werden.

Nach dem Umzug eines Geschäftes droht an der Oldenburger Straße ein neuer Leerstand. Ein attraktiver Nachfolger wird nicht gefunden, der Bummelmeile droht das Aus. Schließlich wird der Zuschlag einem weiteren Frisör erteilt. Davon könne man schließlich nie genug im Ort haben, freuen sich alle.

APRIL

Im nächsten Abschnitt des Baugebietes Südlich Schlosspark II beginnen die ersten Häuslebauer mit dem Bau ihrer Häuser. Nachdem die Grünen vergeblich gegen das Baugebiet argumentiert hatten, finden sie sich mit der Situation ab und machen einen Vorschlag, um in Ras­tede eine weitere touristische Attraktion anzusiedeln. Grünen-Ratsfrau Sabine Eyting eröffnet am Regenrückhaltebecken einen Kanuverleih. Ihre Kollegen aus dem Landtag kann sie jedoch nicht zu einem Besuch überreden. Die verweisen auf die CDU-Landtagsfraktion, die bei einer Fahrt über das Zwischenahner Meer baden gegangen war.

MAI

Pünktlich zum Mittelalterlich Phantasie Spectaculum ist es soweit. Rastedes Bevölkerung wohnt auf dem Turnierplatz im Schlosspark der Krönungsfeier ihres Bürgermeisters bei. Unter frenetischem Jubel wird Dieter I. zum König von Rastede gekrönt. Tausende Ritter, die im Ort sind, kommen zu der Zeremonie und machen dem neuen König ihre Aufwartung. Die Bauern liefern den Zehnten ab und tragen so gleich etwas zu einer Verbesserung der Haushaltssituation bei. Die Musikzüge aus der Gemeinde stimmen gemeinsam die neue Rastede-Hymne „König von Rastede“ an, getextet auf die Melodie des Klassikers „König von Deutschland“. Die Stadt Oldenburg gratuliert mit einem besonderen Geschenk, das an frühere Adelszeiten erinnern soll. Abgesandte überreichen das Denkmal für Graf Anton Günther, das einst beim Landesturnier erstmals öffentlich vorgestellt worden war und nun seinen Platz in der Gemeinde Rastede erhalten soll – auch weil es in Oldenburg niemand haben will.

JUNI

Ganz Rastede ist nach der umjubelten Krönung in Feierstimmung. Nur auf dem Kögel-Willms-Platz ist mal wieder nichts los. Alle Konzepte, den Platz zu einem Mittelpunkt im Ort zu machen, waren in der Vergangenheit gescheitert. Um den Rufen nach weiterer Innenverdichtung – anstelle des Baus von Wohngebieten auf landwirtschaftlichen Flächen am Rande Ras­tedes – gerecht zu werden, wird entschieden, auf dem Platz ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage zu errichten. Letztere soll die Parkplatzsituation entschärfen und eine unterirdische Verbindung zur anderen Straßenseite erhalten. Da zuletzt alle Bemühungen vergeblich waren, hier eine Fußgängerampel oder eine Querungshilfe zu installieren, soll mit dem Tunnel diese Problemstelle entschärft werden. Im Gegensatz zur Unterführung am Bahnhof wird der Tunnel sogar barrierefrei gestaltet werden. Die Wohnungen können schnell verkauft werden, nur die Geschäfte im Erdgeschoss stehen leer, bis schließlich ein neuer Friseursalon und ein Maklerbüro eröffnen.

JULI

In der letzten Sitzung des Gemeinderates vor der Sommerpause stehen wichtige Entscheidungen an. Das Gremium wird in Anlehnung an die neue Herrschaftsform umbenannt und firmiert nun als Kronrat. Mit Verweis auf andere Monarchien in Europa wird beschlossen, dass der König in Rastede ab sofort nur noch repräsentative Aufgaben übernehmen, aber keine Macht ausüben darf. Mit Blick auf die nach der teuren Krönungszeremonie und der Bestellung mehrerer Tonnen Pergament noch angespanntere Haushaltssituation ist Dieter I. gar nicht unglücklich, dass er bei den Untertanen unbeliebte Entscheidungen nicht mehr selbst treffen muss.

AUGUST

Die späten Sommerferien haben das royale Rastede fest im Griff. Die Ferienpassaktionen locken die daheimgebliebenen Kinder. In der Villa Hartmann werden des Königs neue Kleider genäht, in der Kreisvolkshochschule Teppiche für die Empfangshalle im Rathaus geknüpft. Als die königliche Familie aus dem Sommerurlaub aus London zurückkehrt, entscheidet Dieter I., dass das Rathaus als Königssitz nicht repräsentativ genug sei. Beim Sightseeing am Buckingham Palast hatte er nämlich die Queen getroffen und zu einem Besuch in Rastede eingeladen. Kurzerhand verhandelt Dieter I. mit dem Haus Oldenburg, man wird sich schnell einig: König und Hofstaat ziehen ins Schloss um. Vor dem Schloss wird das Denkmal für Graf Anton Günther aufgestellt.

SEPTEMBER

Zum Ellernfest reist der erste „ausländische“ König ins royale Rastede. Zwar ist es nicht die Queen, doch der Verkehrsverein hat für die Party im Festzelt Jürgen Drews, den selbst ernannten König von Mallorca, engagiert. Der hat seine Beziehungen spielen lassen und bringt noch zwei weitere Schlagerbarden mit: Tim Toupet und Mickie Krause. Beiden ist der Residenzort aufgrund seiner Friseurdichte nicht unbekannt und sie stimmen gut gelaunt ihre Hits „Du hast die Haare schön“ und „Zehn nackte Friseusen“ an.

OKTOBER

Der Kronrat steigt in die Haushaltsberatungen für das Jahr 2015 ein. Die ersten Steuerschätzungen lassen vermuten, dass es eng werden könnte. Obendrein scheint eine gute Einnahmequelle der vergangenen Jahre, der Verkauf von Wohn- und Gewerbegrundstücken, zu versiegen. Klarer Fall: Neue Bauflächen müssen ausgewiesen werden. Der Bereich Südlich Schlosspark soll nun nördlich des Loyer Wegs weiterwachsen. Bei Grünen und Naturschutzverbänden regt sich Protest. Da sich alle Fraktionen im Kronrat aber einig sind, dass sie die kleinen Grundschulen in Loy und Leuchtenburg weiterhin retten wollen und deshalb Kinder nach Rastede ziehen müssen, wird der nächste Bauabschnitt beschlossen.

NOVEMBER

Bei der Suche nach weiteren möglichen Bauflächen erinnert sich die Verwaltung an einen Ausspruch von Evelyn Fisbeck (FDP). Sie hatte in einem Ausschuss gesagt, dass alle, die Bäume sehen wollen, ja in den Schlosspark gehen könnten. Nach kontroverser Diskussion entscheidet der Kronrat, den Stratjebusch, den Horstbusch und den Hagendorffs Busch abzuholzen. Damit sich die Bürger mit der drastischen Maßnahme anfreunden können, kann das Holz meistbietend als Andenken ersteigert werden. Einige Künstler bieten auch mit und schaffen später die Skulptur „Auf dem Holzweg“.

DEZEMBER

Nach einem Jahr Pause findet in Rastede wieder ein Weihnachtsmarkt statt. Ausnahmsweise regnet es zum Auftakt mal nicht und zahlreiche Besucher strömen in die schmucke Budenstadt auf dem Denkmalsplatz. Viel Lob ist zu vernehmen. Einige enttäuschte Besucher, die gehofft hatten, noch einen Sack Hundefutter kaufen zu können und sich nun mit weihnachtlichem Kunsthandwerk begnügen müssen, lassen sich nach einigen Gläsern Glühwein besänftigen.

„Zwischen den Jahren“ laden König und Residenzort-Geschäftsführer per Pergament-Dekret zu einer Pressekonferenz. Irgendwie sei der Marketing-Gag mit der Krönung doch nicht so ganz aufgegangen, erklären sie. Bedeutend mehr Besucher habe man nicht registrieren können, entsprechende Einnahmen blieben ebenfalls aus. Dieter I. tritt daraufhin als König ab und übernimmt wieder das Zepter als Bürgermeister. Das habe ihm ohnehin mehr Spaß gemacht, verrät er. Als die Queen im Buckingham Palast von dem Rücktritt erfährt, sagt sie ihren in Rastede geplanten Besuch ab. Gerade noch rechtzeitig kann von Essen die übriggebliebenen Tonnen Pergament mit Gewinn nach England verkaufen. Dann beginnt es zu schneien. Zum Glück ist in den Silos auf dem Bauhof jetzt wieder Platz für Streugut.

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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