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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Kein Osterfeuer mehr in Apen – aus Umweltschutzgründen

12.01.2019

Apen Traditionen werden in Apen groß geschrieben, doch eine Tradition wird sterben: Der Ortsbürgerverein (OBV) Apen will keine Osterfeuer mehr abbrennen. Das hat der Vorstand beschlossen.

Die ausrangierten Tannenbäume, die diesen Samstag, 12. Januar, in Apen von Jugendorganisationen gesammelt werden, sollen geschreddert werden. „Alternativ zum Osterfeuer erwägen wir, Sammeltage für Holz- und Strauchschnitt anzubieten, um aus dem Material Benjeshecken zu bauen, die Kleintieren, Vögeln und Insekten zugute kommen“, sagt OBV-Vorsitzender Frank Zahn.

Dass der OBV künftig kein Feuer mehr am Ostersamstag lodern lassen will, hat mehrere Gründe: „Sich um ein Osterfeuer zu kümmern, bedeutet für uns, viel Zeit und auch Geld zu investieren. Wenn das Material angeliefert wird, müssen Mitglieder am Osterfeuerplatz sein. Dennoch kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, dass der angelieferte Strauch- und Astschnitt Müll enthielt, der entfernt und auf unsere Kosten entsorgt werden musste“, so Zahn. Außerdem würden die Auflagen von Seiten der Behörden immer mehr.

Aktiv im Naturschutz

„Entscheidend sind jedoch Umweltaspekte“, so der Vereinsvorsitzende. „Wir richten Storchennester her, das Fundament für die Aufbauten des dritten und letzten Storchennestes wird diesen Samstag gerade in Espern geschaffen, wir legen Benjeshecken, Blüh- und Obstbaumwiesen an und veranstalten Pflanzaktionen. Wir engagieren uns vielfältig, um etwas gegen das Artensterben und für die Tier- und Pflanzenwelt zu tun. Ein Osterfeuer passt nicht zu einem so vielseitigen Engagement für den Naturschutz.“

In diesem Jahr falle Ostern sehr spät, der Ostersamstag, an dem die Osterfeuer loderten, sei der 20. April. Dann seien viele Vögel bereits am Brüten. Man wolle in Zeiten des Arten- und Vogelsterbens keine Gelege zerstören und Kaninchen, Igeln, Insekten und Käfern einen Lebensraum nehmen, den sie gerade besiedelt hätten. „Statt zu einem Osterfeuer laden wir erstmals mit dem Schützenverein zu einer Maibaumparty ein. Dazu gehört am 30. April beim Schützenhaus auch eine Wahl des Maikönigs und der Maikönigin“, sagt Zahn.

Auf vielfachen Wunsch werde der Verein, der im vergangenen Jahr 61 neue Mitglieder aufnahm und jetzt 408 hat, 2019 erstmals eine mehrtägige Reise anbieten. Vom 23. bis zum 25. August geht es nach Wiesbaden, dort wird nicht nur die Weinregion erkundet, sondern man besucht auch die Sendung ZDF-Fernsehgarten. Erstmals sei als Tagesfahrt auch eine Spargeltour geplant (15. Juni).

Doch nicht nur das will der Ortsbürgerverein für die Aper dieses Jahr organisieren. Zum Auftakt findet Samstag, 26. Januar, ab 15 Uhr im Aper Schützenhaus ein Skatturnier statt. Anmeldungen nimmt Jürgen Dombrowski, Telefon   0 44 89/54 50, entgegen. Jahresbilanz für 2018 ziehen und über die Veranstaltungen 2019 sprechen wollen die Mitglieder am Sonntag, 24. Februar, in der Aper Schule bei der Jahreshauptversammlung, die um 9.30 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück beginnt.

Eine Woche später schon findet mit dem Kinderkarneval die nächste Veranstaltung statt (3. März, 15 Uhr, Schule). Wie in den Vorjahren beteiligt sich der OBV wieder mit einer Tombola an der Frühlingsmesse und ist beim Matjesfest und Herbstmarkt dabei. Kinderkleiderflohmärkte sind im Frühjahr und im Spätherbst ebenso geplant wie eine Ferienpassaktion im Juli und ein Laternenlauf für Kinder im Oktober.

Buchen sollen entlang der Bahn/Hauptstraße im Frühjahr und Blumenzwiebeln an markanten Stellen im Ort im Herbst gepflanzt werden. Zusammen mit der lutherischen Kirche will man am 1. Adventswochenende wieder bei St. Nikolai den Weihnachtsmarkt anbieten, auch einen Silvesterball werde man mit dem Schützenverein erneut ausrichten.

Sonntags auf Tour

Regelmäßig sollen von Mai bis September an jedem 1. und 3. Sonntag im Monat wieder gemeinsame Fahrradtouren stattfinden. Treffpunkt hierfür ist jeweils um 10 Uhr auf dem Marktplatz. Außerdem wird alle 14 Tage zum Kaffeeklatsch ins OBV-Büro am Marktplatz eingeladen. Am kommenden Mittwoch, 16. Januar, von 10 bis 12 Uhr kann man sich dabei auch schon für die Spargeltour und die Drei-Tage-Fahrt anmelden.

Pro & Contra: Das sagen NWZ-Redakteure zum Osterfeuer-Verzicht

Pro von Doris Grove-Mittwede: Sinnvolle Entscheidung

Doris Grove-Mittwede

„Keine Frage: Das Abbrennen von Osterfeuern gehört zum Ammerländer Brauchtum, durch die Feuer wird das erwachende Frühjahr begrüßt.

Osterfeuer sind Orte, wo man viele Freunde und Bekannte trifft, und obendrein bringen die Veranstaltungen Vereinen durch den Verkauf von Getränken und Bratwürsten hübsche Sümmchen in die Kassen.

Und dennoch: Osterfeuer verpesten die Luft, sie sind umweltschädlich und die Besucher hinterlassen oft jede Menge Müll, der entsorgt werden muss. Es ist folgerichtig und sinnvoll, dass der Ortsbürgerverein bei seinem starken Engagement für Natur- und Umweltschutz kein Osterfeuer mehr lodern lassen will.

Und was wird aus dem Ast- und Strauchschnitt all’ derjeniger, die sich für Igel, Insekten, Kaninchen, Rotkehlchen, Zaunkönig, Käfer & Co. engagieren? Damit kann man auch am Rande des eigenen Gartens bewusst Totholzhaufen für die Tier- und Pflanzenwelt anlegen, das Ganze zu Benjeshecken verarbeiten oder schreddern und als Mulchmaterial verwenden.

Und das soziale Miteinander? Treffen kann man sich am Ostersamstag ja weiterhin im Dorf, bei Bratwurst und Getränken, nur ohne Feuer.“

Kontra von Jasper Rittner: Falsches Signal

Jasper Rittner

„Als ich Kind war, sprach man vom Kohlenpott. Kinder wurden zur Erholung an die Nordsee geschickt, um saubere Luft zu atmen. Über Auto- und Industrieabgase müssen wir nicht reden. Und jeder verbrannte seinen Grünschnitt im Garten.

Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Unsere Luft ist so sauber wie seit Jahrzehnten nicht. Fast niemand heizt mehr mit Kohle, jeder Schornstein hat moderne Filter. Trotzdem reden wir nur noch darüber, wie schlecht angeblich unsere Luft ist. Silvester-Feuerwerke sollen verboten werden und der Diesel am besten morgen von den Straßen verschwinden.

Nun steht also auch ein Osterfeuer vor dem Aus. Ich finde das falsch. Ja natürlich sorgt so ein Feuer kurzzeitig für eine Luftverschlechterung. Doch das sollte einmal im Jahr zu ertragen sein. So wichtig wie die Luft zum Atmen ist auch eine Dorfgemeinschaft, Zusammenhalt und Austausch. Ein Osterfeuer ist Tradition und wichtig für die Identität eines Ortes. Unsere Gesellschaft wird immer individueller, der Zusammenhalt nimmt ab. Und auch auf Dörfern kennt man sich immer weniger. Deshalb brauchen wir integrative Veranstaltungen.

Als Kompromiss könnte das Osterfeuer ja auch etwas kleiner stattfinden.“


@ Die Autorin erreichen Sie unter 
Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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