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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Wenn kostbare Bücher nur Altpapier sind

10.02.2018

Augustfehn „Ist das nicht ein Schmuckstück?“ fragt Karl-Heinz Matten und streicht über einen ledernen Einband von Herders Konversationslexikon. Jugendstilmotive prägen den Buchrücken des Bandes, der aus dem Jahr 1902 stammt. „So etwas Schönes wird heute überhaupt nicht mehr hergestellt, die neunbändige Ausgabe hat früher mal ein Vermögen gekostet und war ein Statussymbol des Bildungsbürgertums. Heute ist es nichts mehr wert. Nicht mehr als den Altpapierpreis. Vielleicht findet sich ja noch ein Liebhaber, der ein paar Euro bezahlt.“

Buchfan durch und durch

Karl-Heinz Matten liebt Bücher. Das hat er sein ganzes Leben getan. Schon als junger Mann hat der 1944 in Travemünde geborene Norddeutsche rund um die Uhr gelesen. „Damals gab es noch kein Fernsehen, kein Videos, kein Internet, das Buch war das Bildungsgut schlechthin“, führt der 74-Jährige aus. Schon damals hatte Karl-Heinz Matten einen Traum: eine eigene Bibliothek, wo er alles, was ihn interessiert, nachschlagen und nachlesen kann.

Matten sammelte Bücher und der Bestand wuchs: Mit 9000 Bänden im Gepäck zogen er und seine Frau 2003 ins Ammerland, 2004 eröffnete er an der Hauptstraße 586 in Augustfehn sein Antiquariat. „Ich wollte diese Leidenschaft für Bücher mit anderen teilen, diese Begeisterung für das Stöbern nach Büchern, die man nicht gesucht hat, weil man nicht wusste, dass es sie überhaupt gab, nach Bücher, die geballtes Wissen enthalten, deren Langlebigkeit es mit jedem modernen Datenträger aufnehmen könnte.

Wenn es ihm möglich gewesen wäre, wäre er am liebsten Jahrzehnte eher in die Altbuchbranche gewechselt, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der viele Jahre in der chemischen Industrie gearbeitet hat. Doch Matten war auch Familienvater, seine Frau und er haben drei Kinder.

Den Traum leben

„Als mein Berufsleben vorbei war, konnte ich meinen Traum leben“, sagt er. „Aber leben kann man von gebrauchten Büchern schon längst nicht mehr. Das Ganze ist eher ein Hobby.“ Von Aristoteles bis Zypern, von Anemone bis Zyklop findet sich viele Schätzchen in dem Raum mit seinen wandhohen Regalen.

Die goldenen Zeiten der Antiquariate hat Matten nicht mehr erlebt. Als das Internet aufkam, war die Nachfrage nach alten Büchern plötzlich riesig. Viele Antiquariate schossen aus dem Boden – reine Versandgeschäfte. Die Preise verfielen, das Antiquariatssterben begann.

„In jeder Stadt, in der ich zu Gast bin, suche und besuche ich Antiquariate. Es werden immer weniger“, sagt Matten. Das sei kein Wunder. „Wenn jemand ein bestimmtes Buch sucht, geht er heute ins Internet. Für ’nen Apel und ’nen Ei wird dort vieles angeboten. Ich habe nur begrenzt Platz und Bücher benötigen ja nun einiges an Raummeter. Für die meisten Bücher, die ich verkaufe, erhalte ich fünf bis zehn Euro und natürlich fangen die Leute noch an zu handeln.“

An Büchern erfreuen

 Angeboten werden Matten Berge von Büchern. „Wenn ältere Menschen verstorben sind, kommen die Erben und hoffen, dass ich mit den Büchern etwas anfangen kann. Aber ich kann auch nicht die fünfte Schiller-Gesamtausgabe nehmen. Ich muss immer wieder auf meine Kosten Bücher entsorgen. Nur noch in Einzelfällen nehme ich mal einzelne Bücher. Wer schöne Bücher hat, sollte sich an ihnen erfreuen und nicht daran denken, was damit nach seinem Tod passiert.“

„Ich mach’ weiter, solange es mir Spaß macht. Antiquare sind die letzten Dinosaurier alter Bücher. Das einzig Gute am Preisverfall der Bücher ist heute der: Wer möchte, kann sich für wenig Geld eine tolle eigene Bibliothek einrichten.“

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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