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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Diese 105-Jährige wickelt alle um den Finger

20.04.2018

Bad Zwischenahn Jeder, der ein paar Minuten mit Meta Gessner verbracht hat, ist danach vermutlich ein wenig glücklicher und fröhlicher als vorher. Dieses Glück haben in Bad Zwischenahn schon viele Menschen gehabt, denn Gessner, die an diesem Freitag ihren 105. Geburtstag feiert, ist wirklich überall im Ort bekannt. „Beim Shanty Chor wurde ich mal mit dem Satz begrüßt: ,Wer Meta nicht kennt, hat die Welt verpennt’“, erzählt Bad Zwischenahns älteste Einwohnerin mit leuchtenden, wachen Augen und einem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel. Beim VfL Bad Zwischenahn wurde sie mit 97 Jahren zum Ehrenmitglied, bei der VdK-Seniorenmesse war sie noch mit 103 Jahren für zwei Tage als Beraterin an einem Stand dabei.

Erst wenige Wochen ist es her, dass sie ihr kleines Haus in der Nähe des Friedhofs verlassen hat und in die „Residenz zwischen den Auen“ gezogen ist. Und auch hier hat sie die Herzen von Mitarbeitern und Mitbewohnern im Sturm erobert. Wen immer sie auf den Gängen trifft, den fasst sie an der Hand und scherzt mit ihm – egal, ob sie ihn schon kennt oder nicht.

Wer 105 Jahre auf dieser Welt verbracht hat, der kann viel erzählen, und Meta Gessner erzählt gerne. Dass es noch einen Deutschen Kaiser gab, als sie 1913 in Berlin geboren wurde, und wie sie in den Jahren des ersten Weltkriegs mit ihrer Mutter nach Schlesien ziehen musste. „Ich hatte eine wunderschöne Kindheit mit meiner Verwandtschaft dort“, erinnert sie sich. „Schon damals“, sagt sie, „war ich ein Hansdampf in allen Gassen.“

Als „Zofe“ habe sie noch in zwei Schlössern adeligen Herrschaften gedient, bevor sie ihren Mann kennenlernte. Der war im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe und wurde 1944 von Kiew nach Bad Zwischenahn versetzt.

Und auch Meta Gessner schaffte gegen Kriegsende mit Tochter Uschi gerade noch die Flucht ins Ammerland. „In einer Baracke voller Wanzen haben wir zuerst gewohnt“, erinnert sie sich. Doch bald kam das eigene Häuschen, in dem sie 60 Jahre lebte. „Alles haben wir da selbst gemacht“, sagt sie mit stolzer Stimme.

Auch in der neuen Heimat fand sie sich schnell zurecht und eignete sich den einen oder anderen Ammerländer Brauch an. „Ich hab immer gern Dummheiten gemacht“, sagt sie vergnügt. Also hat sie auch einmal, wie es damals üblich war, einem frisch geschlachteten Schwein den Schwanz abgeschnitten und ihn mit nach Hause gebracht.

Normalerweise wurde dieser Schwanz am folgenden Tag von den Besitzern des Schweins ausgelöst, gegen einen Schnaps und ein Stück Braten.

„Mein Mann fand das aber gar nicht lustig“, berichtet Gessner. Die Besitzer des Schweins, denen sie den Schwanz am folgenden Tag etwas kleinlaut zurückbrachte, sahen die Sache aber viel gelassener. „Sie haben mir sogar ein Schnitzel mitgegeben, das sollte ich meinem Mann braten, dann wäre er wieder gut, meinten sie. Er hat aber kein Stück davon gegessen.“

Das sei der erste wirkliche Krach in einer sehr guten Ehe gewesen, erzählt sie. Bereut hat sie diese und viele andere „Dummheiten“ offensichtlich nicht.

Natürlich gab es neben viel Freude auch Sorgen in den 105 Jahren. Ihre Lebensfreude und ihren Humor hat ihr bis heute aber keine dieser Sorgen nehmen können – auch wenn die Beine nicht mehr mitspielen und sie den größten Teil des Tages im Rollstuhl verbringt. „Ich bin ja nicht krank, ich kann nur nicht laufen“, sagt sie und lacht wieder.

Nach der bereits verstorbenen Tochter bekam Meta Gessner noch zwei Söhne, hat heute vier Enkel und sechs Urenkel – und ein Teil der Familie kann an diesem Freitag auch mit ihr auf ihren 105. Geburtstag anstoßen.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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