• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Von hohem Besuch und hoher See

15.08.2019

Bad Zwischenahn /Rastede /Brake Bereits 1849 erfreute sich der europäische Adel an der Schönheit des Zwischenahner Meeres. Die Zeitung „Neue Blätter für Stadt und Land“ aus Oldenburg berichtet, dass im August 1849 August I., „unser“ Großherzog von Oldenburg, in Begleitung von Königin Amalie von Griechenland und Prinzessin von Bayern mit dem Erzherzog Stephan von Österreich, Prinz Gustav von Wasa, Erbgroßherzog Nikolaus Friedrich Peter (Peter II) von Oldenburg und Herzogin Friederike von Oldenburg bei schönem Wetter zum zweiten Mal die Dreiberge am Zwischenahner „See“ besuchten. Die „Herrschaften“ fuhren mit dem Schiff nach Zwischenahn und fühlten sich hier sehr wohl.

Amalie, Herzogin von Oldenburg, hatte 1836 den griechischen König Otto aus dem Hause Wittelsbach geheiratet, eines der ältesten deutschen Hochadelsgeschlechter. Königin Amalie war im Sommer 1849 über zehn Wochen zu Gast auf Schloss Rastede und fast ebenso lange der Erzherzog von Österreich und der Prinz von Wasa. Zu kürzeren Besuchen im Ammerland waren der Prinz Albert von Sachsen, der Erbprinz von Schaumburg-Lippe mit seiner Familie und weitere Gäste, unter ihnen Graf Stolberg (von Söder), der österreichische Gesandte von Kreß und der englische Gesandte John-Duncan Bligh. Bligh wurde im April 1847 von Queen Victoria zum Gesandten für das Großherzogtum Oldenburg akkreditiert.

Während des Aufenthaltes der Königin wurde der Pavillon im Park hinter dem Schloss in ein Atelier umgewandelt. Hier wurde von dem Bildhauer Eduard Mayer eine Statuette der Königin angefertigt. Eduard Mayer war ein bekannter deutscher Bildhauer und lebte zu jener Zeit in Rom.

Die von Mayer angefertigte Statuette der Königin Amalie von Griechenland befindet sich seit 2014 wieder in Rastede und kann im Palais bewundert werden.

Im September 1849 schreibt die Oldenburger Zeitung, dass alle Gäste wieder abgereist sind, und Königin Amalie über München nach Athen zurückkehrt ist. Während ihres langen Aufenthalts im Ammerland besuchten Amalie und die übrige illustre Gesellschaft noch mehrmals „zu Pferde und zu Wagen“ Oldenburg und Zwischenahn. Vom Schloss Rastede aus wurden aber auch Ausflüge nach Bremerhaven, Jever, Wangerooge und Brake unternommen.

In Brake befand sich die größte Oldenburgische Reederei, die Schiffe fuhren unter Oldenburgischer Flagge.

Zu diesem Bezirk gehörte neben der Stadt Oldenburg und weiteren Ämtern, die einen direkten Zugang über die Weser bzw. Hunte zur Nordsee hatten, zumindest seit 1829 auch als große und ungewöhnliche Ausnahme das Amt Zwischenahn. Die Reeder, die Gebrüder Brader aus Zwischenahn (Kaufmann Johann Heinrich, 1800 bis 1854 und der Landtagsabgeordnete und Auktionator Ferdinand Diedrich, 1807 bis 1868), hatten in Brake ein Schiff, das von der Weser aus fuhr. 1850/51 war es das dreimastige Schiff „Ammerland“, das größte Schiff mit Heimathafen Brake (zum Vergleich: Die Gorch Fock ist ebenfalls ein Dreimaster). Später folgten weitere Schiffe.

Die „Ammerland“ beförderte regelmäßig um die 200 Auswanderer von Bremen nach New York und Galveston (Houston/Texas). So wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts der Name „Ammerland“ in internationalen Gewässern bekannt.

Eine Oldenburger Zeitung schreibt 1851, dass „die oldenburgische Flagge in keinem Gewässer fremd, der oldenburgische Schiffer in jedem Hafen, an jeder Börse ein gern gesehener Gast ist.“

Außer dem europäischen Adel besuchten Mitte des 19. Jahrhunderts aber auch international berühmte Schriftsteller das Ammerland. Im Sommer 1843 berichtet eine regionale Zeitung, dass sich der dänische Dichter und Schriftsteller Hans Christian Andersen auf seiner Rückreise von Paris nach Kopenhagen eine Woche in Oldenburg aufhielt. Zu dieser Zeit war gerade die Poststraße über Zwischenahn als „Chaussee“ endgültig fertiggestellt worden. In den folgenden Jahren kam Andersen noch mehrfach nach Oldenburg und Rastede. Vermutlich hat er auch Ausflüge zum Zwischenahner Meer unternommen.

Königinnen und international berühmte Schriftsteller sind heute in Bad Zwischenahn wohl kaum noch anzutreffen. Sie müssten befürchten, dass ein Gast oder Gastwirt sofort seine Digicam zückt, um ein Selfie zu „schießen“. Allerdings, wer die Natur genießen und auf den Spuren des Adels und der Schriftsteller lustwandeln oder auch die gut ausgebauten Fahrradwege im Ammerland nutzen möchte, der wird auch heute seine Freude wie die berühmten Gäste Mitte des 19. Jahrhunderts haben.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.