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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Einzelhandel: Bücher, Katzen und Geschichten

14.01.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-29T15:52:33Z 280 158

Einzelhandel:
Bücher, Katzen und Geschichten

WESTERSTEDE Allen Gerüchten zum Trotz will Ursula Sander ihr Geschäft nicht aufgeben. „Ich verkleinere nur. Aufhören ist nämlich schwerer als anfangen“, betont die energische 88-Jährige. Sehr genau kann sich die Westerstederin auch nach mehr als 60 Jahren sehr gut an ihre beruflichen Anfänge erinnern, als sie die Buchhandlung übernahm. „Das war 1948, am Tag der Währungsreform.“

Ein Foto von ihr aus den 50-er Jahren hängt im Laden, ebenso die Bilder von Vorfahren, allesamt tüchtige Geschäftsleute und darunter auch etliche Frauen. In dem Haus an der Peterstraße hat bereits ihre Urgroßmutter ein Handarbeitsgeschäft betrieben und nebenbei recht erfolgreich gedichtet, während der Bruder unter dem selben Dach eine Buch- und Papierhandlung führte.

Seit vier Generationen werden hier nun schon Bücher verkauft. Auch Ursula Sander wohnt und arbeitet inzwischen seit Jahrzehnten Tür an Tür; gleich hinter ihrem Laden befinden sich die privaten Räume. „Man hat nie Feierabend, aber man kann zwischendurch auch mal was erledigen“, nennt sie die Vor- und Nachteile. Ganz wie zu Hause fühlen sich bei ihr im Geschäft die beiden Katzen Heinrich II und Zicki. Sie räkeln sich in der Auslage oder warten auf Kunden, um gestreichelt zu werden. Manch ein Passant hat erst auf den zweiten Blick bemerkt, dass es sich um ein echtes Tier handelt, das sich wie selbstverständlich in die Schaufensterdekoration einfügt. Und auch hier gibt es viel zu entdecken, mal selbst gedichtete Verse, mal kunstvolle Arrangements. „Einmal habe ich ein Rosenfenster mit Büchern zum Thema dekoriert. Da kam ein Mann herein und sagte, so etwas habe er noch nie gesehen. Dann stellte sich heraus, dass eines der Bücher von ihm war.“

Für Kunden nimmt sich Ulla Sander gerne Zeit und auch für Gespräche. „In anderen Läden muss alles schnell gehen, hier ist das anders. Ich kenne mich in Westerstede aus und weiß vieles von früher, da kann ich viel erzählen, wenn jemand etwas wissen will.“ So versteht sie ihren Laden als gemütlichen Treffpunkt, und diesen Schwerpunkt will sie nun ausweiten. „Als Schwatzbude“, wie sie lachend bemerkt. Kunsthandwerk will sie weiterhin verkaufen, Bücher aber nur noch im kleinen Rahmen anbieten und den Schwerpunkt mehr auf regionale Literatur legen.

Als älteste Einzelhändlerin von Westerstede hat Ulla Sander einen großen Bekanntheitsgrad. Und sogar das Radio interessiert sich für die Traditionsbuchhandlung. So war jetzt eine Mitarbeiterin des NDR vor Ort, um einen Beitrag vorzubereiten, der in den nächsten Wochen gesendet werden soll.