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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Damit Sprache keine Barriere ist

27.02.2015

Rastede Dagmar Meier-Barkhausen weiß, wie schwer es Flüchtlinge haben. 1975 floh sie aus der DDR und kam nach Westdeutschland. Obwohl in beiden Ländern Deutsch gesprochen wird, traf sie auf eine Sprachbarriere und ein völlig anderes Gesellschaftssystem. Heute lebt Dagmar Meier-Barkhausen in Rastede und möchte Frauen aus Flüchtlingsfamilien die deutsche Sprache beibringen – ehrenamtlich.

„Ich habe die Erfahrung“, sagt sie und erinnert sich an die Zeit nach ihrer Flucht aus der DDR. In Nordenham und Elsfleth unterrichtete sie Ende der 70er Jahre die sogenannten „Boatpeople“, Flüchtlinge aus Vietnam, China und Kambodscha, die in der Folge des Vietnamkriegs aus Südostasien geflohen waren.

„Keiner wusste damals, wie man diese Leute unterrichtet“, erzählt Dagmar Meier-Barkhausen. Mit eigenen Unterrichtsmaterialien brachte die Lehrerin (Kunst und Musik) den Asiaten Deutsch bei. Für sie war es die Chance, wieder im Schuldienst zu arbeiten, nachdem ihr DDR-Abschluss im Westen nicht anerkannt worden war.

Zeit der Gastarbeiter

Sie wechselte an die Berufsbildenden Schulen in Brake, wo sie anfangs Jungen aus der Türkei Deutsch beibrachte. Es war noch immer die Zeit der Gastarbeiter, und Dagmar Meier-Barkhausen unterrichtete den Nachwuchs – „bis keine mehr nachkamen“.

Allmählich hatte sie sich an der Schule etabliert, durfte nun ganz normalen Deutschunterricht geben. Wohl auch, „weil ich Bücher geschrieben hatte“, vermutet die Lehrerin, die seit dem Jahr 2000 im Ruhestand ist.

In einem ihrer Bücher geht es um eine Frauenhaftanstalt in der DDR. 1974 war Dagmar Meier-Barkhausen selbst wegen Republikflucht zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt worden und erst nach einem Jahr im Haftarbeitslager Dessau-Wolfen von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft worden.

Jetzt stellt die Frau, die seit 1992 in Bad Zwischenahn lebte und im vergangenem Jahr nach Rastede zog, wieder ihre eigenen Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter her. „So etwas Gezieltes gibt es sonst nicht“, sagt sie. Und die Lehrbücher, die es gibt, seien alle „viel zu schwierig“.

Im April soll ihr Kursus für die Frauen aus den Flüchtlingsfamilien in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule starten. Zweimal die Woche will Dagmar Meier-Barkhausen dann maximal zwölf Frauen am Vormittag etwa Personalpronomen und die wichtigsten Verben beibringen.

In den Supermarkt gehen

Die Frauen sollen selbstsicherer werden und alltägliche Situationen bewältigen können, gibt die Lehrerin als Ziel vor. Deshalb will sie auch praktische Elemente integrieren: „Einen Gang zur Post oder in den Supermarkt“, sagt die Frau, die in ihrem Leben viel gereist ist, andere Kulturen kennenlernte und von 2002 bis 2011 in Kanada lebte.

„Da habe ich Englisch lernen müssen und weiß dadurch, wie notwendig es ist, eine Sprache zu können, um integriert zu werden“, erinnert sich Dagmar Meier-Barkhausen. Sie weiß eben, wie schwierig es sein kann, in einem fremden Land Fuß zu fassen.

Frank Jacob
Rastede/Wiefelstede
Redaktion Rastede
Tel:
04402 9988 2620

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