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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Literatur: „Die ersten Interviews für das Buch waren eine Tortur“

22.03.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-03-22T05:40:31Z 280 158

Literatur:
„Die ersten Interviews für das Buch waren eine Tortur“

Frage: Diskretion ist im Ermittlergeschäft das wohl höchste Gut. Wie haben Sie Privatermittler Josef Resch überzeugt, über spektakuläre Fälle zu berichten?

Schöttelndreier: Das war eine harte Nuss. Anfangs hielt er das für eine ausgemachte Schnapsidee und selbst, als er dann endlich zugesagt hatte, waren die ersten Interviews für das Buch eine Tortur. Josef Resch hat ungefähr 35 Jahre ein Schattendasein geführt, es gab keine Fotos von ihm, nichts. Bei unseren Gesprächen musste ich mein Handy in einem anderen Raum deponieren – aus Angst, es könnte abgehört werden. Solche Leute plaudern nicht einfach drauf los. Ich musste immer wieder nachhaken und bohren. Erst nach ein paar Monaten, als wir zusammen am Tegernsee die Orte seiner Kindheit besucht und abends zusammen ein paar Bier getrunken hatten, ist das Eis gebrochen.

Frage: Welche Einblicke in die Branche haben Sie am meisten überrascht?

Schöttelndreier: Resch nennt es GfG – Geld frisst Gehirn. Wenn es um viel Geld geht, übernimmt die Gier die totale Kontrolle über den Denkapparat. Da werden dann unverzeihliche Fehler gemacht oder die besten Freunde ans Messer geliefert. Er spielt sehr geschickt damit und ist überhaupt ein absoluter Menschenkenner. Ihm macht so schnell niemand was vor.

Frage: Wie groß war die Sorge, selber ins Visier möglicher böser Buben zu geraten?

Schöttelndreier: Natürlich gab es anfangs Überlegungen in dieser Richtung, zumal ich zwei Kinder habe. Doch dann habe ich die Sache nüchtern analysiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass mögliche Gewalttäter sich eher an der Familie von Josef Resch vergriffen hätten. Trotzdem hatten wir in unserem Vertrag einen Passus, der genau regelt, was passiert, sollte einer von uns beiden vor der Veröffentlichung des Buches gewaltsam zu Tode kommen.

Frage: Wie ist das Kopfgeld-Jäger- und Ermittler-Leben – eher James Bond oder eher dröge Schreibtischarbeit?

Schöttelndreier: Eine Mischung aus beidem. Wer wie Josef Resch zusammen mit seinem ständigen Begleiter, dem Ex-Elitesoldaten Mossi in einem Speedboot ein entführtes Kind aus Algerien rausholt, braucht schon Mumm. Ich persönlich könnte auch darauf verzichten, Pablo Escobar – damals immerhin Staatsfeind Nummer 1 in den USA – und seinem Chefkiller Popeye einen Kaiserschmarrn zuzubereiten. Und Mossi hat nur mit Glück und Erfahrung eine Autobombe in seinem Mercedes überlebt. Auf der anderen Seite verbringt er auch viel Zeit damit, E-Mails und andere Mitteilungen auszuwerten.

Frage: Welchen Fall aus der jüngeren Geschichte würden Sie persönlich gerne aufklären?

Schöttelndreier: Ganz klar: den Abschuss der MH 17 über der Ostukraine.

Frage: Dem ist ja auch ein Kapitel im Buch gewidmet. Offen bleibt allerdings die entscheidende Frage: Wer steckt denn nun dahinter?

Schöttelndreier: Das wüsste ich auch zu gerne. Aber auch um mich zu schützen, hat Josef Resch mir nicht alles erzählt, was er weiß. Ich vermute, da läuft hinter den politischen Kulissen eine ganz krumme und menschenverachtende Nummer.