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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Geschichte: 539 Jahre geballte Vorfreude

24.12.2019

Edewecht Gemeinsam bringen sie es auf 539 Weihnachtsfeste: Inge Gräßner (89), Thea Hänsel (96), Wanda Rostek (90), Hilde Himpsl (87), Renate Werner (85) und Elfriede Behrens (92). Früher haben sie zu Weihnachten über viele Jahre ihre eigenen Familien bekocht, heute lassen sie es sich gut gehen. Erstmals werden sie im neuen Alten- und Pflegeheim der Gemeinde Edewecht an der Hauptstraße zusammen Weihnachten feiern.

Aber: Sind die sechs Damen glücklich dort, wo sie sind? Und wie verbringen sie das Fest eigentlich? Wie hat sich Weihnachten im Laufe der Jahrzehnte verändert? Und schlussendlich: Was wünschen sich die alten Menschen eigentlich zum Fest?

Zu Weihnachten gibt es ein festliches Programm, das Bürgermeisterin Petra Lausch an Heigilabend gegen 14 Uhr eröffnet, und vor allem gutes Essen. Denn: „Der Speiseplan ist anders als sonst, alles ist auf Weihnachten abgestimmt“, verrät Pflegedienstleiterin Rena Riesener.

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Viele Gemeinsamkeiten

Bunte Teller, Glühwein, Salat und Würstchen, Geschenke. „Es gibt so bestimmte Sachen, die sie mit Weihnachten verbinden, und die müssen einfach sein“, erklärt Riesener. Doch das ist nicht alles: Der Posaunenchor tritt auf, es werden Geschichten vorgelesen, eine Kollegin spielt Gitarre und an anderer Stelle gibt es Akkordeon-Musik. Es fehlt an nichts. Und es wird viel Besuch im Haus sein. „Wie im Bienenstock ist das“, vergleicht Riesener.

Gespräche über Weihnachten, das sind Geschichten von kalten Wintern, gläubigen Eltern, kleinen Geschenken und ganz viel Gemütlichkeit. Die Schnittmenge des Erlebten ist bei den sechs Seniorinnen groß, auch wenn es wohl mindestens genauso viele Unterschiede gibt. „Das war bei uns auch so“, hört man immer wieder, wenn die Frauen in Erinnerungen schwelgen. Aber in all den romantischen Ausführungen, in denen Kerzenlicht, leckeres Essen und eben Familie eine große Rolle spielen, gibt es eben auch die ganz besonderen Döntjes, die bis heute hängengeblieben sind.

Mit der Rute auf die Nase

Geschichten wie die von Elfriede Behrens. Ihre Mutter hatte ihr als Kind eine Wärmeflasche unter die Bettdecke gelegt, damit sie es an Weihnachten schön warm hatte. Das Bett allerdings war schon belegt – eine Maus hatte es sich gemütlich gemacht. Ihr musste wohl kalt gewesen sein. „Kalt ist es oft gewesen“, erinnert sich sich Hilde Himpsl, „wir hatten doch immer Schnee“.

„Und Eisblumen an den Fenstern“, sagt Thea Hänsel, „wir hatten ja keine Heizung“. Die 96-Jährige kann sich entsinnen, dass ihr Vater das Weihnachtsgeschenk, die Puppenstube, selbst gebaut hat, auch wenn sie das damals natürlich nicht wusste. „Er verschwand immer in einem Raum, der abgeschlossen wurde. Als ich einmal meine Nase durch die Tür steckte, stand da meine Mutter und gab mir mit der Rute eins auf die Nase“. Nicht feste, der Schreck habe gereicht.

„Die Kinderjahre waren die schönsten“, schwärmt Inge Gräßner und meint sowohl die Jahre, in denen sie selbst Kind war, als auch die, in denen sie welche hatte. „Weihnachten war immer sehr geheimnisvoll für mich“, sagt die 89-Jährige. Bis zum zehnten Lebensjahr habe sie bei Oma und Opa gelebt und sei vor Weihnachten immer in einen Waschtopf gekommen. „Und Opa musste an Heiligabend immer das Pferd noch füttern. Danach hat er den Weihnachtsmann gespielt. Das habe ich aber nie bemerkt.“

Es sind Erinnerungen, die die Frauen noch heute gerne teilen. Sie sind zum Lachen und beschreiben zeitgleich authentisch, wie es damals war, das Weihnachtsfest. „Kartoffelsalat und Wurst gehörten dazu“, erzählt Renate Werner. Das traditionelle Weihnachtsessen ist für sie unverzichtbar. Elfriede Behrens erzählt von einer kleinen Puppe, die sie mal bekam. Sie zeigt mit ihren Fingern eine Länge von 15 Zentimetern. Bei sechs Kindern im Haus war das halt so. „Da gab’s nix Großes“, sagt sie und macht keinen unzufriedenen Eindruck.

Praktische Geschenke

Die Geschenke waren meist praktisch. Pullover für die Jungs, nennt Behrens ein Beispiel. Ein selbst genähtes Kleid für die Mädchen, sagt Wanda Rostek. „Die kleinen Geschenke von damals sind, finde ich, viel mehr wert als die großen von heute“, findet Elfriede Behrens. „Die Leute heute haben doch alles.“ Weihnachten sei damals schon ganz anders gewesen als heute. „Es war viel kirchlicher“, sagt Thea Hänsel. „Vor allem die Ruhe“, hebt sie hervor, „hat das Fest ausgemacht.“ Und: „Dieses große Einkaufen kannten wir gar nicht“, fügt Inge Gräßner an.

Die Zeiten waren keine des des Überflusses. Es gibt viele Geschichten, in denen das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte mitschwingt. „Wir mussten im Krieg die Fenster abdunkeln und abkleben, damit kein Licht nach draußen drang“, erinnert sich die 92-Jährige. Gerade diese Zeit hat die sechs Damen geprägt – am wichtigsten war, dass alle gesund beisammen sein konnten, weil das nicht selbstverständlich war. Die Familie steht immer an erster Stelle. Aber auch stimmungsvolle Musik gehört zum Fest dazu. „Schöne Stimmen nenne ich das, egal ob auf Deutsch, Englisch oder Italienisch“, wirft Hilde Himpsl ein.

Missgeschicke

So richtige Missgeschicke, hat es die damals an Weihnachten auch gegeben? Wanda Rostek fällt sofort etwas ein und lacht: „Wir hatten ein Weihnachtsgesteck mit einer Kerze, die ich angezündet habe. Dann bin ich zur Nachbarin, nicht lange, nur kurz frohe Weihnachten wünschen. Als ich wiederkam, war die Bude total verräuchert, wie in einer Räuberhöhle sah das aus. Alles war verrußt und ich musste das ganze Zimmer neu machen lassen.“ Schwester Hilde Himpsl erinnert sich auch noch gut daran.

Und wie fühlt sich Weihnachten nach all dem Erlebten im Hier und Heute an? „Ich bin glücklich“, sagt Inge Gräßner über ihr Leben im Altenheim in Edewecht und die Aussicht auf ein Weihnachtsfest dort. Doch was ist dafür wichtig? „Kinder müssen dabei sein“, meint Thea Hänsel. Seit zehn Jahren wohnt sie im Alten- und Pflegeheim, hat die vergangenen neun Jahre im alten Gebäude verbracht. Schon dort fand sie es toll. „Im ersten Jahr habe ich geweint, so schön war das hier an Weihnachten“, blickt sie zurück. Und die größten Wünsche? „Nicht traurig sein“, sagt Inge Gräßner. „Dass man nicht in Not kommt“, fügt Thea Hänsel hinzu. Und: „Dass kein Krieg mehr kommt“, macht Elfriede Behrens deutlich.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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