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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Der Chor war früher eine Infobörse

05.06.2019

Edewecht 101 fördernde Mitglieder, 20 aktive Sänger, vier Stimmen – das sind die Basisdaten des MGV „Sängerrunde“ Edewecht. Der Älteste ist 86, der Jüngste 64 Jahre alt. Das „Küken“ der Runde heißt Manfred Jacobs. Er ist 2. Vorsitzender des Gemeindesängerbundes, seit 1988 bei der „Sängerrunde“ und ihr Liedervater. „Damals hatten wir im zweiten Tenor noch zwölf Sänger“, erinnert er sich, „das sind heutzutage schon fast drei Viertel eines ganzen Chors“.

Die „Sängerrunde“, das ist einer von acht Chören in der Gemeinde Edewecht. Zu Hochzeiten waren es dreizehn, den Shanty-Chor jeweils eingerechnet. Einmal im Jahr, so ist es Tradition, veranstalten diese Chöre das Bundessängerfest des Gemeindesängerbundes Edewecht. Ausrichter in diesem Jahr war die „Sängerrunde“. „Alle haben fleißig mit angepackt“, sagt Schriftführer Egon Renken, dem Chor 1980 beigetreten.

Bundessängerfest in Edewecht

Seit 113 Jahren gibt es dieses Bundessängerfest bereits in Edewecht. 113 Jahre, in denen viel passiert ist: „Kriege, Zerstörungen, Wiederaufbau, Wirtschaftskrisen, Wirtschaftswunder“, so formulierte es Hille Lahring, 1. Vorsitzende des Gemeindesängerbundes, vor 235 Gästen, die Mitglieder der acht teilnehmenden Chöre eingeschlossen, im Gasthof am Markt in ihrem Grußwort. Dann brachte sie die wahren Probleme der Chöre in der heutigen Zeit auf den Punkt: „Es ist der Wohlstand, der uns Sängern das Leben schwer macht. Bequemlichkeit, fehlendes Verantwortungsbewusstsein, mangelnde Bereitschaft, sich terminlich zu binden, und die Flut an Freizeitangeboten.“ Vielleicht brauche man ja auch Influencer, die im Netz verbreiteten, dass das Chorsingen gar nicht uncool sei.

Das sieht auch Manfred Jacobs so: „Das Image, die singen doch nur Volkslieder, ist überhaupt nicht mehr zutreffend.“ Es sei eher eine bunte Mischung aus populären Stücken wie „Yesterday“ von „The Beatles“, Sachen aus den 30er Jahren wie die „Comedian Harmonists“ und anspruchsvoller klassischer Musik à la Brahms, Schubert, Mozart und Puccini. Nur: „Bei 20 Leuten kommt es darauf an, dass man diszipliniert ist und exakt arbeitet“, weiß Jacobs. Und dafür sorgt Dirigentin Magdalena Schäfer-Lütje. „Mit ihr macht es Spaß. Sie ist nicht bierernst, aber exakt.“

Intensive Arbeit mit der Musik

Die intensive Arbeit mit der Musik ist es, was das Singen für Manfred Jacobs ausmacht: „Das macht sich aber bezahlt, weil man die Lieder einfach super ausarbeitet und ein ausgeglichenes Klangbild hinbekommt.“ Aber ist das auch was für die junge Generation? „Die ganz Jungen kriegen wir nicht“, sagt Jacobs. „Bei uns wäre der Nachwuchs so zwischen 50 und 60 Jahre alt.“

Neben der Musik sind aber auch andere Faktoren wichtig, auch wenn eine einst zentrale Funktion des Chorgesangs heute nicht mehr aktuell ist: „Früher waren die Chortreffen wahre Informationsbörsen“, sagt Manfred Jacobs. Um etwas zu erfahren, habe man eben auch mal das Haus verlassen müssen. Damals, Anfang der 80er Jahre, verfügte der Chor noch über 43 aktive Sänger – das Internet war noch in weiter Ferne.

Keine Diskriminierung von Frauen

Trotz all der Pflichten, die der Chorgesang mit sich bringt, und dazu zählen die wöchentlichen Proben genauso wie die Auftritte, ist diese Form der Aktivität eine, die noch viel mehr bietet. „Es ist eben wichtig, dass man auch Gemütlichkeit und ein Miteinander hat“, findet Manfred Jacobs. „Nicht nur das Singen, auch das Amüsieren gehört dazu“, betont Egon Renken. Man veranstalte Grünkohlessen, Radtouren und Tagesausflüge für die Gemeinschaft mit den fördernden Mitgliedern und natürlich den Ehepartnerinnen.

Manchmal bekommen die Chormitglieder auch die Frage gestellt, ob sie als reiner Männerchor nicht die Frauen diskriminierten. Dazu hat Jacobs eine klare Meinung: „Nein. Ein Männerchor ist ein eigenes Instrument, das ganz anders klingt als ein Frauen- oder ein gemischter Chor.“

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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