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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Fremde und eigene Wurzeln gut pflegen

16.01.2015

Rostrup Wer Fatma Haydar beim Telefonieren mit ihrem Ehemann zuhört, versteht im wahrsten Sinne sicher nur die Hälfte. Denn ganz selbst verständlich sprechen die beiden einen fleißenden Mix aus Deutsch und Türkisch miteinander. „Das passiert ganz unbewusst“, sagt die Friseurin lachend. Geboren wurde sie in Adana in der Türkei. Mit zehn Jahren zog sie jedoch mit ihrer Mutter und ihren drei Brüdern nach Deutschland. Der Vater war 1969 als Gastarbeiter nach Bad Zwischenahn gekommen, um ein paar Jahre Geld zu verdienen und dann wieder in die Heimat zurückzukehren. So war der Plan. Aber er blieb und holte seine Familie 1978 zu sich.

An ihren ersten Tag in Deutschland erinnert sich die 46-Jährige noch ganz genau: „Ein kleines deutsches Mädchen sah, dass wir einzogen und kam auf mich zu und fragte, ob ich bei ihr übernachten wolle. Ich sprach damals noch kein Wort Deutsch und mein Vater musste mir alles übersetzten.“ Die beiden Kinder mochten sich sofort und verständigten sich am Anfang mit Händen und Füßen. „Schlussendlich schlief sie dann bei uns. Noch heute sind wir befreundet“, erzählt die Zwischenahnerin. Einen Deutschsprachkursus gab es damals in der Schule nicht für Fatma Hayder. „Das hat auch so ganz gut funktioniert. Dafür wollte ich unbedingt am Englisch-Kursus teilnehmen.“

Mit Vorurteilen oder gar Anfeindungen hätte sie selbst noch nie kämpfen müssen, berichtet sie. Für die gebürtige Türkin ist es selbstverständlich als Muslima in ihrem Heimatort Bad Zwischenahn am Fastenmonat Ramadan teilzunehmen und zu beten. In Bezug auf Religionen sei sie sehr offen, erzählt sie. Besonders die Gespräche mit einer katholischen Freundin habe sie immer sehr genossen. Während des Gedankenaustausches hätten sie viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Häufig seien es die verschiedenen Sprachen, die für Missverständnisse sorgten.

Daher legen Fatma Haydar und ihr Mann auch viel Wert darauf, dass ihre Kinder sowohl Deutsch als auch Türkisch sprechen und die Kulturen beider Länder kennenlernen. „Wir als Eltern sehen es als unsere Aufgabe, ihnen den Islam vorzustellen, wie sie dann leben, ist ihre Sache.“

Zweimal im Jahr fährt die gelernte Friseurin mit ihrer Familie in die Türkei, um Verwandte zu besuchen. Besonders die Gastfreundschaft und das Miteinander der Menschen gefallen ihr dort. Aber auch sogenannte „typisch deutsche“ Eigenschaften habe sie sich angeeignet. „Ich führe seit zehn Jahren erfolgreich meinen eigenen Friseursalon.“ Besonders Spaß machen ihr die Gespräche mit den Kunden. „Aber ich lege hier und auch privat viel Wert auf Pünktlichkeit“. Da habe es schon manche Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Ehemann gegeben, erzählt sie mit einem Augenzwinkern.

Zusammen wollen die beiden in Bad Zwischenahn alt werden, aber sie könne es sich auch vorstellen, später in die Türkei zurückzukehren. „Ich denke für meine Kinder kommt das nicht in Frage. Sie kennen die Türkei nur aus dem Urlaub“, so Fatma.

Sophie Schwarz
Volontärin
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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