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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Chor Aus Jeddeloh I Vor Dem Aus: Abgesang auf einen Singverein?

25.05.2019

Jeddeloh I Sie teilen das Schicksal mit vielen Chören in der Region: Der Singverein Jeddeloh I, so drastisch muss man es sagen, steht vor dem Aus. Christine Wilke, 1. Vorsitzende des Chors, weiß nicht mehr weiter: „Seit drei Jahren ist es ganz extrem, dass die Mitgliederzahl zurückgeht“, sagt sie. Das Alter, die Gesundheit.

Nur noch 13 Männer und Frauen kommen regelmäßig zu den Proben. Die Älteste ist 83, die Jüngste 52 Jahre alt. „20 Leute wären super, da könnte jede Stimme mit fünf Personen besetzt werden“, rechnet Manfred Rohlfs vor. Der 76-Jährige ist seit 40 Jahren beim Singverein und hat nach eigener Aussage „schon einige Höhen und Tiefen mitgemacht“. Er erinnert sich: „Schon in den 60er Jahren hieß es, dass wir sowieso bald dichtmachen können.“

Das Hauptproblem der Chöre in der Region: Es findet sich kein Nachwuchs mehr. Der Singverein Jeddeloh I hält sich noch gerade so über Wasser – mit nur zwei Sopranstimmen und einem Bass. „Normalerweise singt ein Chor vierstimmig, wir sind seit geraumer Zeit nur noch dreistimmig“, beschreibt Rulfs den langsamen Niedergang der stimmlichen Vielfalt. Gründe dafür, warum jüngere Leute kein Interesse mehr am traditionellen Chorgesang haben, gibt es viele. Patentrezepte, um dem Trend entgegenzuwirken, leider keine.

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Keine Volkslieder

„Die Leute wollen sich immer weniger verpflichten“, glaubt die 63-jährige Wilke. Denn: Geprobt wird einmal in der Woche, donnerstags ab 20 Uhr in Wittes Gasthof. „Es ist Arbeit, den Chorklang hinzubekommen“, weiß Christine Wilke. „Wir singen vom Notenblatt und müssen die Stücke richtig lernen.“ 182 Lieder sind es, ganz gemischt: Englische Songs und Gospels, einige Schlager, Melodien aus Operetten, Popmusik und dem geistlichen Bereich, „aber auch Hannes Wader und solche Sachen“, zählt Wilke auf. „Nur Volkslieder sind nicht so wirklich dabei.“

Zu den regelmäßigen Proben gesellen sich weitere Pflichten hinzu, denn das oberste Ziel lautet: auftreten. Manfred Rohlfs macht deutlich: „Wenn wir zu Sängerfesten einladen, müssen wir diese Besuche natürlich auch erwidern, und die finden meist samstags oder sonntags statt.“ Jede Woche zu kommen, das sei das große Hemmnis, vermutet die 1. Vorsitzende.

Aber es gibt noch weitere Gründe, warum junge Leute dem Chorgesang fernbleiben, und die sind auch dem Singverein bewusst. Das Image ist angestaubt, „die alten Sachen ziehen nicht mehr“, ist sich Manfred Rohlfs sicher. Wie man das ändern kann? Schulterzucken.

Wie es gehen kann, mit dem Gesang, das zeigen modernere Varianten des gemeinschaftlichen Singens: Rudelsingen zum Beispiel. Da werden die Melodien moderner Popsongs auf einem Keyboard gespielt, im Hintergrund werden die Texte an die Wand projiziert und es kommen häufig Menschenmassen, die gerne singen und das Rudelsingen als Event begreifen. „Oder Flashmobs, wo in Städten ganz plötzlich Sänger wie aus dem Nichts auftauchen, drei Stücke singen und wieder verschwinden“, nennt Christine Wilke. „Nur, wir sind hier in Jeddeloh.“

Allerdings: Der Chorgesang ist mit diesen Ausprägungen des gemeinschaftlichen Gesangs nicht vergleichbar. Die Stücke werden vom Blatt gesungen, die Jeddeloher haben eine Dirigentin, die etwa auf die korrekten Einsätze der Stimmen achtet, damit am Ende „eine harmonische Klangwelt entsteht“, schwärmt Christine Wilke. Die Jeddeloher selbst haben schon einige Versuche gestartet, auf anderen Wegen neue Stimmen zu gewinnen, doch ohne Erfolg. „Wir haben Zettel verteilt, Leute angesprochen und alles versucht“, sagt Marga Rohlfs (75), „aber – nichts“.

Freizeitgestaltung

Die Zeiten haben sich gründlich geändert. „Ich habe damals eine Verpflichtung Jeddeloh gegenüber empfunden, denn traditionell sang und singt man beim Maibaumaufstellen, zu Weihnachten und so weiter“, erinnert sich Manfred Rohlfs. Bärbel Hillje (73) ergänzt: „Ich habe damals gedacht, als es nicht so gut um den Chor stand: ’Gar kein Chor in Jeddeloh?’ Das geht doch nicht. Also habe ich mitgemacht.“ Aber die Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten, sind bis heute vielfältiger geworden. „Die jungen Leute haben doch ganz andere Interessen“, fügt Richard Blancke (74) an.

Doch warum bleiben die Jeddeloher dabei und versuchen, ihren Chor lebendig zu halten? Ist es allein die schwere Bürde, über Leben und Tod eines 94 Jahre alten Chors entscheiden zu müssen? Worin besteht der Reiz, sich Musik zu erarbeiten? „Erstens ist es spannend, sich ein Lied zu erarbeiten, gerade dann, wenn man es nicht kennt“, sagt Christine Wilke, aber es gibt noch so viele andere Gründe: „Die Gemeinschaft, die Erfolge.“ Über das Singen selbst sagt sie: „Man muss es gar nicht gut können, denn man kann es bei uns lernen.“

Der Singverein Jeddeloh I zeigt sich durchaus offen für neue Wege, um neue Mitglieder zu finden. Aber ein Rudelsing-Verein, das sind sie eben auch nicht. Dass es noch einmal so wird wie 1950, als der Chor 60 Mitglieder zählte, daran glaubt in Jeddeloh niemand. „Aber so fünf, sechs Neue, dann könnten wir das 100-Jährige doch noch schaffen“, hofft Manfred Rohlfs, „denn wir wollen den Chor so gerne behalten“. Den Gesang beschreibt er als „belebend“, Bärbel Hillje hebt hervor, dass das „Lernen der Texte gut fürs Gehirn“ ist, Richard Blancke zieht „Entspannung fürs tägliche Leben“ daraus, und nicht zuletzt die Emotionen, die das Liedgut hervorruft bei Auftritten, rechtfertigt die Mühen: „Ich habe schon ältere Leute mit Tränen in den Augen gesehen“, sagt Wilke.

Funke Hoffnung

Einen letzten Funken Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch Sängerinnen und Sänger finden, hat der Singverein Jeddeloh I noch. Sollte dem nicht so sein, könnte der Verein noch in diesem Jahr aufgelöst werden müssen. „Denn häufig waren wir in der Vergangenheit nicht singfähig“, fasst Vorsitzende Christine Wilke zusammen.

Wer Lust hat, es mal mit dem Chorgesang zu probieren kann sich mit der 1. Vorsitzenden Christine Wilke, Telefon   04405/6639, in Verbindung setzen oder einfach donnerstags ab 20 Uhr in Wittes Gasthof, Scharreler Damm 2, Jeddeloh I, bei der Probe vorbeischauen.

Ingo Schmidt Redakteur / Redaktion Westerstede
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