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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Mutiger Parodist führt schelmische Tradition fort

13.10.2015

Rastede Die Zeiten, in denen Heinz Erhardt als deutscher Fernseh-Schelm auftrat, sind lange vorbei. 1979 starb der Komiker, dessen Charme jedoch bis heute nachwirkt. Viele würden die Art, mit der Erhardt seine halsbrecherischen Wortspiele und Reimpaare auf das Publikum losließ, gepaart mit starker Körpersprache und zügelloser Mimik, wohl als unnachahmlich bezeichnen. Doch am Sonnabend erklang Erhardts Stimme in der Neuen Aula, auch wenn sie nicht ganz ans Original heranreichte.

Parodist Andreas Neumann war zum wiederholten Male in Rastede zu Gast und legte direkt los. Nur zu Beginn konnte man Neumanns eigentliche Stimme hören, bevor die Stimmbandmaskerade begann und er als Heinz Erhardt in den Abend einführte. Die unnachahmliche Art Erhardts wusste Neumann gekonnt zu parodieren. Getreu dem Motto ‚Parodie ist die wertvollste Form der Anerkennung‘ machte er sich nie über die imitierten Personen lustig, sondern verneigte sich vielmehr vor der Unterhaltungsikone Erhardt und vielen seiner Zeitgenossen.

Ein zweiter Heinz

So brachte er schon nach wenigen Minuten den zweiten Heinz auf die Bühne: „Na, wo der eine Heinz ist, da darf ja auch der andere nicht fehlen, bitte“, näselte Neumann, so dass spätestens bei dem typisch nachgestellten Wörtchen „Bitte“ klar war, dass hier Heinz Rühmann mit Heinz Erhardt eine urkomische Wette einging. Neumann spielte die Figuren in stimmlicher, mimischer und körperlicher Hinsicht derart überzeugend, dass vor dem (geistigen) Auge des Zuschauers ein Sketch entstand, der sich so in einer Samstagabendshow der 1950er Jahre hätte ereignen können.

Vielfachen Zwischenapplaus erntete Neumann sowohl für gezielt gesetzte Pointen Erhardt-typischer Kalauer als auch für jede neue Figur auf der Bühne. Davon gab es jede Menge: Neben Erhardt und Rühmann hatte Neumann unter anderem Theo Lingen, Dieter Hallervorden, ‚Ekel Alfred‘, Marcel Reich-Ranicki, Inge Meisel und Jürgen von Mangers Tegtmeier im Gepäck.

Zwei Stunden bestritt Neumann dabei komplett ohne Requisiten oder Mitspieler und sorgte für kurzweilige Unterhaltung mit vollem Körpereinsatz.

Selbst ein Schelm

Ein solches Programm, das überwiegend vergangene Unterhaltungsdekaden aufleben lässt, schafft es häufig nicht aus dieser Ecke der Nostalgie heraus. Doch Neumann beließ es nicht nur bei Klassikern wie Erhardts ‚Made‘, die nach dem Kinde ruft, sondern stellte sich auch die Frage, wie all diese Unterhaltungskünstler mit der heutigen Zeit umgehen würden. Erhardt und Co wurden durch Neumann mit Handys, Google Earth und Wellness-Hotels konfrontiert. Dieser Ansatz ist mutig und fruchtet ungemein. Er zeigt, dass Neumann nicht nur parodiert, sondern die schelmische Tradition fortführt.

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