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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Pfarrer Kusch rät: „Suchet der Stadt Bestes und betet für Sie“

23.01.2009

„Die Stiftung der St.-Ulrichs-Kirche durch Graf Huno und seine Gemahlin Willa, die am 11. September 1059 durch Erzbischof Adalbert von Bremen und Hamburg bestätigt wurde, war und bleibt die Rasteder Sternstunde par excellence. Reihten schon die Stifter die St.-Ulrichs-Kirche und ihre Krypta – ein Stück Himmel auf Erden – in die erste, ganz Europa umfassende Epoche mittelalterlicher Kunst, die Romanik, ein, so ist sie auch heute noch von überregionaler historischer und kunsthistorischer Bedeutung. Mit ihr verknüpft ist die Sage vom Löwenkampf des Grafen Friedrich und die sehr reale Gründung des Benediktinerklosters Rastede, deren Basilika 1091 geweiht wurde. In diesem Kloster wurde 1336 ein Glanzlicht der Buchkunst vollendet, die Abschrift und Übertragung in die mittelalterliche Oldenburger Mundart des Sachsenspiegels Eike von Repgows durch den Mönch Hinrich Gloystein, die ein anderer – unbekannter – Mönch illustrierte. Aus diesem Kloster ging 1524 der ehemalige Benediktinermönch

Oltmann Kröger als erster lutherischer Prediger an St. Ulrich hervor.

Auch nach der Trennung von Kirche und Staat 1919 waren Christen- und Bürgergemeinde in Rastede bis 1932 quasi identisch, so dass die politische Gemeinde, unterstützt von den Vereinen und breiten Kreisen der Bevölkerung, in jenem Jahr gar nicht anders konnte, als Pastor Wilhelm Gerhard Janßen nach 35 Jahren Dienstes hier vor Ort 74jährig in den Ruhestand ging, seine Frau und ihn mit einem Ehrenabend zu feiern. Das war nicht der Normalfall!

Diese Identität sollte in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, des Kirchenkampfes und des Zweiten Weltkrieges verloren gehen. Nach deren Ende begann der für alle Beteiligten mühselige Prozess der Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen. Erste ökumenische Bande wurden geknüpft. St. Ulrich war von 1946 bis 1950, als die St.-Marien-Kirche benediziert wurde, eine Simultankirche, in der also katholische und evangelische Christen Gottesdienst feierten.

Heute sind ca. 65 % der Einwohner Rastedes evangelischen Bekenntnisses. Die Zusammenarbeit von Kirche und Kommune ist gut und vertrauensvoll, nicht nur wenn die Kirchengemeinde nach dem Subsidiaritätsprinzip Aufgaben der politischen Gemeinde übernimmt.

Wer der Stadt Bestes sucht und für sie betet – und das ist den Christen geboten! – wird sie nicht gut schlecht machen können. Einer meiner Amtsvorgänger, Albertus Fabricius, hat 1675 mit seiner bukolischen Schrift „Das lob- und liebwerte Rastede” ein Beispiel gegeben. Wenn heute der Stadt Bestes gesucht und für sie gebetet wird, wird Kirche nicht schielen oder gar fasziniert zum Rathaus hinüberschauen. Sie wird sich nicht von der Frage fixieren lassen, was man dort für einen Eindruck macht. In der Regel wahrscheinlich überhaupt gar keinen. Eindruck wird die Kirche in der politischen Öffentlichkeit noch immer am ehesten dann machen, wenn sie sich – statt danach zu fragen, was für einen Eindruck sie macht — nichts anderes sein will als die Gemeinde Jesu Christi. Das unterscheidend Christliche ist Freude an Gott und deshalb Sorge für eine menschlichere Welt (Eberhard Jüngel).

Gerade so, gerade in ihrer genuin geistlichen Identität ist die Christengemeinde allerdings wirklich politisch bedeutungsvoll. Sie ist es auch dann, wenn es der Bürgergemeinde verborgen bleiben sollte. Doch man täusche sich nicht! Welcher Bedeutung es für die Bürgergemeinde hat, dass für ihre Entscheidungsträger in der christlichen Gemeinde gebetet wird, das wird in der Regel zwar kaum und von den Vertretern der Bürgergemeinde wohl am allerwenigsten ermessen. Indem für sie gebetet wird, wird faktisch jedenfalls auch das gesagt, dass ihre Tätigkeit ein der Fürbitte gar sehr bedürftiges menschliches und oft genug nur allzu menschliches Geschäft ist. Menschlich soll die Bürgergemeinde aber auch im qualifizierten Sinne des Wortes sein. Nachdem Gott selbst Mensch geworden ist, ist der Mensch das Maß aller Dinge (Karl Barth).

950 Jahre Rastede — das ist ganz gewiss eine stolze Geschichte. Aber 950 Jahre Rastede — das ist auch eine Geschichte voller Schuld, gleichermaßen in Kirche und Kommune. Wir wären weder vor Gott noch vor uns selber ehrlich, wenn wir das verdrängen wollten. Deshalb wünsche ich Rastedes Bürgerinnen und Bürgern, seinen Bürgermeistern, dem Rat und der Verwaltung, den Kirchenältesten, seinen Arbeitern, Handwerkern, Kaufleuten, Künstlern, Ärzten, Pflegekräften, Schülern und Lehrern und den vielen ehrenamtlich Engagierten nicht nur Glück, sondern Gottes Segen. Denn Segen, das heißt Freiheit von der Schuld vergangener Jahre, Tage und Stunden. Segen, das heißt Freiheit für eine Zukunft mit Gott. Suchet der Stadt Bestes .... Es wäre nun wirklich etwas vom Besten, wenn sich Rastede den Segen gefallen, wohl gefallen lässt.“

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