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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

„Dieser Film ist ein Verbrechen“

26.01.2019

Rastede Es war nicht zu überhören, aber als die rund 120 Schüler der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Rastede nach der Vorstellung des Films „Hitlerjunge Quex“ in die Pausenhalle gingen, hatten einige die Filmmusik „Unsere Fahne flattert uns voran“ noch einmal auf den Lippen. Wie sich in der nachfolgenden Diskussion mit den Schülern herausstellte, handelte es sich keineswegs um eine Verherrlichung dieses Nazi-Liedes, sondern war lediglich der gängigen Melodie geschuldet.

Unter dem Protektorat des Jugendführers des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, war der Film einst entstanden. Er wird Schulen von der Murnau-Stiftung (Wiesbaden) für Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellt. „Der Film gehört zu den Vorbehaltsfilmen, die nur in Zusammenhang mit Erklärungen vorweg und einer Diskussion hinterher gezeigt werden dürfen“, sagt Michael Kleinschmidt, Filmwissenschaftler und Medienpädagoge.

Behutsam, aber deutlich analysiert er in der KGS zusammen mit den Schülern diesen Film der Hitlerjugend. Im Mittelpunkt dieses NS-Propagandafilms steht der ideologische Gesinnungswandel einer Arbeiterfamilie. Kommunistische Jugendverbände und die Hitlerjugend stehen sich im Berlin der 1930er Jahre als verfeindete Organisationen gegenüber. Heini Völker, Druckerlehrling und Sohn eines Kommunisten, lässt sich auf die Seite der Hitlerjugend ziehen und verrät einen geplanten kommunistischen Anschlag auf das Hitlerjugendheim.

„Es ist einer der schlimmsten Filme in Deutschland. Dieser Film ist ein Verbrechen“, betont Kleinschmidt. „Aber wie hat es der Film geschafft, dass viele Jugendliche, nachdem sie ihn gesehen haben, der Hitlerjugend beigetreten sind?“ fragt er in die Runde.

Die Jugendlichen hatten viele Antworten darauf und hatten sich auf die Diskussion gut vorbereitet. In dem Film wird das Gebaren der Nazis und der Kommunisten abgebildet. Grob dargestellt: Die Nazis sind die Ordentlichen, die Guten, sie sind wohlhabend, sie sind sauber. Die Kommunisten sind unrasiert und arbeitslos, essen nur Wurst und Brot und haben auch keine Lieder – außer „Völker hört die Signale….“, das aber nur ganz kurz im Ansatz gesungen wird. Während das Nazi-Lied sich dagegen während der ganzen 90 Minuten durch den Film zieht.

Das erkennen auch die Schüler. Sie sind sehr präzise in ihrer Filmanalyse und aktiv mit ihren Argumenten dabei, was Kleinschmidt zu ständigem Lob und der Bemerkung veranlasst: „Ihr seid ja richtige Filmkritiker.“

Seit ihrer Gründung im Jahr 1966 setzt sich die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, eine Stiftung bürgerlichen Rechts, für den Erhalt und die Pflege eines Großteils des deutschen Film-Erbes ein. Ihre Bestände öffentlich zugänglich zu machen, gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Wichtigstes Stiftungskapital ist der in sich geschlossene Filmstock, der Kopien und Materialien der ehemaligen Produktionsfirmen Ufa, Universum-Film, Bavaria, Terra, Tobis und Berlin-Film – samt den damit verbundenen Rechten – aus über sechs Jahrzehnten deutscher Filmproduktion umfasst.

„Kein anderes Medium hat das 20. Jahrhundert so geprägt, es so umfassend und authentisch festgehalten wie der Film“, sagt Kleinschmidt. Schließlich war es ja auch lange Jahre das einzige audiovisuelle Medium, um Botschaften zu verbreiten. Die Murnau-Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses kulturelle Film-Erbe zu erhalten, wiederherzustellen, zu restaurieren und zu rekonstruieren sowie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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