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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Gegen die Ausgrenzung Andersdenkender

22.12.2018

Rastede Synagoge statt Kirche, Chanukka statt Weihnachten, Sabbat statt Sonntag – die Unterschiede zwischen Judentum und anderen Religionen fielen den Schülern der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Rastede schnell auf, als sie in dieser Woche mit zwei jüdischen Gästen sprachen. Doch ebenso entdeckten sie Gemeinsamkeiten, die das Leben junger Menschen prägen und die sie über die Religionen hinweg miteinander verbinden, schildert Dr. Michael Luttmer, Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Für den Frieden“ an der KGS.

Im Rahmen des Likrat-Projekts des Zentralrats der Juden in Deutschland begegneten sich auf Einladung der AG jüdische und nicht-jüdische Jugendliche, um sich in einem offenen Dialog besser kennenzulernen und damit Vorurteilen entgegenzuwirken. Likrat kommt aus dem Hebräischen und bedeutet „auf einander zu“.

In zwei Gesprächsrunden tauschten sich die jüdischen Gäste Mosche und Karolina mit ihren nicht-jüdischen Rasteder Altersgenossen aus. Sie sprachen über das Aufwachsen als Kind in einer jüdischen bzw. in einer nicht-jüdischen Gemeinde, über kulturelle Gewohnheiten und über Religion.

Antisemitismus Thema

„Mich erfüllt meine Religion, der direkte Draht zu meinem Glauben macht mich glücklich“, berichtete Karolina. Auf der anderen Seite stellte die Neuntklässerin Lotta fest: „Mosche und Karolina haben mir überhaupt erst gezeigt, was das Judentum auszeichnet.“ Ihr Mitschüler Luca wunderte sich: „Erstaunlich, was wir alles nicht voneinander wissen.“ Ähnlich bilanzierte es Viola Kuiper aus der AG „Für den Frieden“: „Wir haben heute viel gelernt.“

Auch der aktuelle Antisemitismus kam in den Gesprächsrunden zur Sprache. Mosche und Karolina berichteten von Anfeindungen auf dem Schulhof: „Ich bin schon einmal mit dem Schimpfwort ,Du Jude‘ beleidigt worden“, klagte Mosche. Und Karolina erzählte, wie ihr in der Klasse Geldstücke zugeworfen wurden mit der Begründung: „Ihr Juden seid doch so geldgierig.“

Bereits im Alter von 15 Jahren würden beide schon darüber nachdenken, Deutschland wegen des wachsenden Antisemitismus zu verlassen. Deswegen zeigen auch weder sie noch Mosche sich in Großstädten mit Kippa oder Davidstern in der Öffentlichkeit.

„Es ist schlimm, dass nach dem Holocaust heute wieder Juden in der BRD diskriminiert werden“, empörte sich AG-Mitglied Veronika Dinter. „Dass unsere AG sich stark macht gegen die Ausgrenzung der Juden, hat sich in dem Gespräch mit Mosche und Karolina noch einmal als traurige Notwendigkeit bestätigt“, ergänzte ihre AG-Kollegin Liv Lubach.

Trotz der Anfeindungen bewahren sich Mosche und Karolina die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft aller Menschen. „Es ist möglich, die Unterschiede zu überbrücken“ ,ist sich Karolina sicher. „Und ich lasse mich als Jüdin gar nicht in eine Schublade stecken: ich bin einfach ich“. Die Mitglieder der AG „Für den Frieden“ bestärkten die jüdischen Gäste: „Wir wollen Menschen nur danach beurteilen, was sie tun und sagen und denken, und nicht nach ihrer Zugehörigkeit zu irgendeiner Gruppe“, betonte Leo Tardin da Silva.

Gelungener Dialog

Mosche und Karolina waren mit dem Verlauf der Begegnung sehr zufrieden: „Solche Gespräche bringen uns einander näher“. Die AG „Für den Frieden freute sich ebenfalls über die gelungenen Dialoge. „Frieden wird es nur geben, wenn die Menschen miteinander reden. Das wollen wir auch in Zukunft weiter ermöglichen“, stellte Tjada Kulawik eine Fortsetzung des Likrat-Projekts in Rastede in Aussicht. Die beiden jüdischen Gäste haben ihre Teilnahme an der AG-Initiative bereits zugesagt.

Begleitet wurde das Likrat-Projekt in Rastede von der Berliner Journalistin Toby Anne Axelrod. Sie wird ihre Erfahrungen mit der Begegnung in der jüdischen Zeitschrift Hadassah auswerten. „Auf jeden Fall gehe ich mit einem positiven Eindruck aus diesen Gesprächsrunden heraus“, bilanzierte sie. „Gespräche wie heute hier in Rastede machen die Welt ein bisschen friedlicher.“

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