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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Warum man freiwillig ein Jahr lang in Kabul lebt

07.10.2017

Rastede „Ausgerechnet Kabul.“ Das hörte die damals 27-jährige Ronja von Wurmb-Seibel immer wieder, als sie sich entschied, für ein Jahr nach Afghanistan zu ziehen. Sie wollte wissen, wie es ist, in einer Stadt zu leben, die in Deutschland vor allem durch Krieg und Anschläge bekannt ist.

Im übervoll besetzten Evangelischen Gemeindehaus in Rastede berichtete die inzwischen 31-jährige Journalistin aus Hamburg von ihren Begegnungen mit den Menschen in Kabul. Dazu wurde sie vom Evangelischen Kirchenkreis, der Diakonie und dem Evangelischen Bildungswerk Ammerland eingeladen.

Die Journalistin sprach von Begegnungen mit starken Frauen – mit einer Polizistin etwa, auf der Arbeit geschminkt, modern gekleidet, die ihren männlichen Kollegen an Autorität und Klarheit nicht nachsteht und sich völlig selbstverständlich nach Feierabend für den Gang durch die Stadt ihre Burka überzieht.

Die Referentin begegnete einer Haushälterin, deren Mann vor einigen Jahren von den Taliban ermordet wurde, die sich und ihre Kinder allein durchbringt und auch noch ihre Schwester und deren Kinder. „Ich habe in Kabul mehr selbstbewusste Frauen getroffen als in Deutschland und Männer, die genau das unterstützen“, sagte Ronja von Wurmb-Seibel in Rastede.

Zwischen den Lesungen aus ihrem Buch „Ausgerechnet Kabul“ erzählte Ronja von Wurmb-Seibel immer wieder kleine Geschichten und Anekdoten, nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Dari, der Muttersprache vieler afghanischer Zuhörer. Sie machten deutlich, warum viele Afghanen trotz Bedrohung und Lebensgefahr im Land bleiben und andere ihre Familien und sich aus der Gefahrenlage heraus nach Europa bringen.

Am meisten beeindruckten ihre Begegnungen mit jungen Künstlern und gebildeten Afghanen, die in Theateraufführungen die Anschläge und deren Folgen aufarbeiten. Während einer solchen Aufführung wurde ein echter Anschlag verübt. Die Zuschauer waren verwirrt. Ist das ein Teil des Stückes? Als zahlreiche Zuschauer blutend am Boden lagen, wussten alle: Es ist ein Anschlag, kein Theater. Ronja von Wurmb-Seibel hat inzwischen einen Kinofilm darüber gemacht, der im November in die deutschen Kinos kommt: „True warriors“. Die Journalistin zeigte den Film-Trailer im Gemeindehaus. Die Zuhörer waren beeindruckt von Aussagen der Theaterleute, die sich von dem Terror nicht unterkriegen lassen und weiterarbeiten.

Der Film zeigt die allgegenwärtigen Mauern, die die Straßen säumen und signalisieren, dass sich die Menschen dahinter in vermeintlicher Sicherheit befinden, die Menschen auf den Straßen aber der Gefahr ausgeliefert sind. Menschen, die den Lauf der Geschichte in die Hand nehmen, sind für die Journalistin die „true warriors“, die wahren Krieger für Frieden. „War is over“ stand auf dem Kapuzenpullover, den sie an diesem Abend trug. Ein Wunsch für die afghanische Gesellschaft, der sich trotz mutiger Ansätze so schnell wohl nicht erfüllen wird.

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