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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Vom großen Coup mit den „Killerpilzen“

04.03.2015

Wiefelstede „Den Markt beobachten, sehen was andere machen. Und Abwechslung bringen.“ Gerd Martens weiß, wie schwierig es ist, ein Schützenfest für die Leute interessant zu halten. Mehr als drei Jahrzehnte war er als Sprecher des Eventteams des Schützenvereins Wiefelstede mit seinen Helfern zuständig dafür, Besucher aufs Schützenfest zu holen. Nun hört er auf (die NWZ  berichtete).

„Zu Beginn der 80er Jahre gingen die Besucherzahlen stetig zurück“, erinnert sich der heute 59-Jährige an die Zeit, als der „Festausschuss“ des Vereins gegründet wurde – mit dem Ziel, das Schützenfest neu zu beleben. Gerd Martens, damals 27, war dabei. Es dauerte nicht lange, da blieb das Amt des Sprechers mangels Rotationswilligkeit der Vereinsmitglieder an ihm hängen. Heute gehört das Wiefelsteder Schützenfest zu den Großen im Ammerland, wird von allen Generationen besucht und ist weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt.

Der Festausschuss wurde 2006 in „Eventteam“ umbenannt. „Mit dem Begriff ,Festausschuss’ kannst Du den Agenturen und Managern heute nicht kommen, wenn Du gute Musikgruppen und Interpreten nach Wiefelstede holen willst“, weiß Martens: „Schon ,Schützenfest’ oder ,Festzelt’ sind grundsätzlich schwierig genug.“

Dennoch hatte es das Team 2006 geschafft, die „Killerpilze“ fürs 1. Wiefelsteder Night-festival“ am Freitagabend zu engagieren. „Er war das Timing“, erinnert sich Martens. Die Wiefelsteder hatten den Vertrag mit den „Pilzen“ abgeschlossen, als diese gerade dabei waren, bekannter zu werden. „Nachdem der Vertrag perfekt war, da ging die Gruppe plötzlich ab wie eine Rakete – und trat dann bei uns für die zuvor vereinbarten 2500 Euro auf“, freut sich Martens noch heute über den „Coup“, der 3500 Zuschauer nach Wiefelstede lockte.

In den 80er Jahren holte der Festtausschuss auch Schlager-Revuen“ für den Schützenfest-Sonntag nach Wiefelstede. Da sang Drafi Deutscher „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder Roy Black „Ganz in Weiß“ – und Moderatoren wie Carlo von Tiedemann führten durchs Programm.

Manche Verträge mit Künstlern nötigten dem Eventteam alles ab. Als 2007 „Torfrock“ fürs „Nightfestival“ nach Wiefelstede kam, da musste Ziegenmilch für Sänger Klaus Büchner bereitstehen. „Wir haben sogar Ziegenhalter gefragt, ob sie helfen können“, erinnert sich Martens. Getrunken hatte Büchner dann allerdings deutlich Härteres. Auch Jennifer Rostock bleibt dem Team in Erinnerung: Sie wollte ein Promi-Dixie-Klo – mit Gardine.

Mittlerweile werden von dem Team auch außerhalb des Schützenfestes Konzerte in der Mensa der ­Oberschule organisiert. „True Collins“ oder „Queen Kings“ waren schon da. Und der Erlös fließt in die Jugendarbeit des Schützenvereins.

Nun jedoch sieht Gerd Martens die Zeit für einen Generationswechsel gekommen und in Christian Broziat den richtigen Nachfolger. Gemeinsam mit Monika Helms, Fritz Büntemeyer, Eike Siemen und Jasper Spoede soll der 32-Jährige das Schützenfest weiter oben halten. Für das 122. Fest im August hat er bereits die mündliche Zusage der „House Des­troyers“ für den Freitagabend. Das „Niedersachsen Sound Orchester“ ist erstmals für den Sonntagnachmittag gebucht. Und bei der Lieselwahl am Montagabend sind „Line Six“ und DJ Paddy wieder dabei.

Gerd Martens will im Eventteam bleiben und seinen Nachfolger unterstützen. „Aber nur im Hintergrund“, sagt er.

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