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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

Im Einsatz für den Glauben

07.09.2019

Westerstede Kindergottesdienst – sitzen da nicht einfach einmal in der Woche ein paar Jungen und Mädchen beisammen, beten und gut ist? Ist das eine Geschichte in der Zeitung wert? Im Fall der ev.-luth. Angebote in Westerstede ist es das, denn Kindergottesdienst ist hier weitaus mehr als eine Andacht.

Zum einen ist da die derzeitige Chefin des Kindergottesdienst-Teams: Pastorin Sabine Karwath (59) von der ev.-luth. Kirchengemeinde, die so sehr in ihrem Element, in ihrem Beruf, der Berufung ist, aufgeht, dass ihre Begeisterung fast greifbar ist. Zum anderen ist da ihr Team aus ehrenamtlich tätigen Jugendlichen, den Mitarbeitern, die ihr in Enthusiasmus in nichts nachstehen. Und schlussendlich ist da auch noch der nicht unbedeutende Umstand, dass das Angebot von Kindergottesdiensten seit nunmehr 100 Jahren besteht.

Unterstützung

Glauben vermitteln, einen Rahmen bieten, sich in dem Glauben zu entfalten – für all das und vieles mehr stehen Kindergottesdienste. Sie sind ein Angebot für Jungen und Mädchen (und ihre Eltern), auf ganz eigene Weise Verbindung zu ihrer Religion aufzunehmen. „Und wir haben hier glücklicherweise die Unterstützung der Kirchengemeinde, das umzusetzen“, sagt die 59 Jahre alte Pastorin, die sich mit ihren Mitarbeitern regelmäßig im Konfirmandenraum an der Grünen Straße trifft.

1984 ist Sabine Karwath erstmals als Vikarin nach Westerstede gekommen, 1990 dann erneut – um zu bleiben. Seitdem setzt sie sich in der Kinder- und Jugendarbeit ein, führt das Engagement ihrer Vorgänger fort. „Eine lange Zeit“, resümiert sie im Gespräch mit der NWZ. Eine Zeit, in der sich das Projekt Kinderkirche auch stetig gewandelt hat.

„Es ist ein hartes Brot“, weiß sie. Familienstrukturen veränderten sich, der Umgang mit Glaube sowieso. Kinderkirche, so beschreibt sie, ist ein dynamischer Prozess. Aber: In Westerstede läuft es noch ganz gut. Es gibt Kindergottesdienste, Krabbelgottesdienste, aber auch kreative Nachmittage für Jungen und Mädchen – und Ausflüge. Noch gibt es eine Nachfrage, noch ist Interesse da. „Das wichtigste ist, dass wir gemeinsam auf dem Weg sind – und das eben schon so lange Zeit“, sagt die Pastorin und verweist auf das 100-jährige Bestehen der Kindergottesdienste in Westerstede.

Kirchenschriften

„Ich bin durch Zufall auf dieses Datum gestoßen“, berichtet die 59-Jährige. Sie habe für die Passionsandachten alte Kirchenschriften durchforstet und sei dabei auf die urkundliche Erwähnung der Kindergottesdienste gestoßen. Natürlich gebe es die Kindergottesdienste in Deutschland schon viel länger, mehr als 150 Jahre, und eventuell auch schon länger in Westerstede, aber vor genau 100 Jahren sei das Projekt erstmals in Westerstede festgeschrieben worden.

Das soll gefeiert werden. Die Kindergottesdienst-Gruppe möchte eine Festschrift erstellen, mit vielen Fotos und Geschichten, Erlebnissen und Anekdoten aus der bewegten Zeit. Alle Gemeindemitglieder sind aufgerufen, sich an der Festschrift zu beteiligen.

Bekannt ist auf jeden Fall schon mal, dass sich Anfang des 20. Jahrhunderts Kinder am Sonntagmorgen regelmäßig von 11 bis 12 Uhr trafen. Am Nachmittag kamen dann die großen Mädchen von 14 bis 15 Uhr in der St.-Petri-Kirche zu einem Kindergottesdienst. „Besonders für die Kinder aus den umliegenden Dörfern bedeutete diese Stunde das Highlight des Sonntags, denn viele von ihnen waren in der Landwirtschaft fest mit eingespannt, einige lebten sogar fern von ihren Familien auf fremden Höfen um überhaupt zu überleben“, beschreibt Karwath. Der Sonntag sei frei von Arbeit gewesen – und der Kindergottesdienst habe Abwechslung geboten.

Angebot wurde auch von Bürgerkindern gerne angenommen

„Und dieses Angebot wurde auch gern von den Westersteder Bürgerkindern angenommen – es bestand aus einer Mischung von Sonntagsschule, Kindergruppe und missionarischem Feiern. Den festen liturgischen Rahmen gab der Kirchraum vor, die biblischen Geschichten selbst wurden bereits in Kleingruppen, dem Alter entsprechend erzählt“, so Karwath, die diese Entwicklung auch für die eigens für den Kindergottesdienst erstellte Website zusammengefasst hat. Dort ist auch zu lesen, dass bis an die 100 Kinder zum Gottesdienst kamen. Besonderes Missionar Sommer und seine Frau hätten diese Jahre geprägt.

Damals habe es auch noch den „nickenden Neger“ gegeben, eine Spardose, die den Kopf bewegte, wenn beim Einsammeln der Kollekte ein Geldstück hineingeworfen wurde. Damit hatte damals die Oldenburgische Kirche Kirchen in Ghana und Togo unterstützt. „Viele ältere Westersteder erinnern sich noch an diese Dose“, sagt Karwath. Heute wirke die Vorstellung einer solchen Sammeldose erschreckend, doch damals sei es so gewesen. Dem Engagement an sich ist die Kindergottesdienstgruppe aber treu geblieben. So unterstützt das Team seit vielen Jahren Patenkinder in Indien.

Ärger mit NSDAP

Doch zurück in alte Zeiten. Viele Frauen engagierten sich damals für den Kindergottesdienst, auch die Schwestern Kahl, die von 1927/28 bis 1968 aktiv mit dabei waren. „Sie waren es auch, die sich während der Zeit des Nationalsozialismus dafür stark machten, unterstützt von Pastor Chemnitz, der der bekennenden Kirche angehörte, dass die Gruppe für die großen Mädchen weiter bestand“, beschreibt Pastorin Karwath. „Ein Ärgernis für die politische Jugendorganisation für Mädchen der NSDAP, dem BDM, denn zur gleichen Zeit fand auch ihr Treffen statt.“ Nach dem Kriege habe der Kindergottesdienst weiter regen Zulauf gehabt, gefördert zudem durch die große Gruppe der Vertriebenen mit ihren Kindern, die in Westerstede heimisch wurden.

Noch heute wird nun jeden Sonntag Kindergottesdienst gefeiert, immer von 11 bis 12 Uhr. Einzig in den Sommerferien wird eine Pause eingelegt. „Der mehrfache Versuch, über parallele Gottesdienstzeiten Eltern und Kinder gemeinsam zum Gottesdienstbesuch zu motivieren, schlug fehl“, weiß Karwath. Seit 1967 werde aber regelmäßig zum Familiengottesdienst mit der Gemeinde in die St.-Petri-Kirche eingeladen.

Feiern an besonderen Orten

Manchmal wird auch an ganz besonderen Orten gefeiert. So etwa neulich, da war das Team gemeinsam mit zahlreichen Kindern im Blockhaus Ahlhorn auf Kindergottesdienst-Freizeit. Ein Wochenende lang wurde gespielt, gebastelt, wurden Ausflüge gemacht und Zeit miteinander verbracht. Mit dabei waren wieder etliche Mitarbeiter, so etwa Daria. Die 22-Jährige ist mit ihren sieben Jahren Kindergottesdienst-Erfahrung quasi ein alter Hase. Ihr macht es Spaß, Zeit mit den Kindern zu verbringen, ihre Entwicklung zu verfolgen. Und auch zu sehen, wie sehr sich die Kleinen freuen. Sie fühlten sich beschützt und sicher, probierten sich aus, setzten sich mit dem Glauben auseinander. Gleichzeitig, so erläutert ihr Kollege Johannes, sei es auch ein tolles Team von Mitarbeitern. Es mache Spaß, sich gemeinsam zum Wohle der Kinder einzusetzen. Glaube, so beschreibt Daria, sei für sie auch ein Gefühl des Zusammenhalts.

Das trifft wohl auch auf die zahlreichen Kinder zu, die über das Gelände an den Ahlhorner Fischteichen rannten und spielten. Ihnen schien die Wochenend-Freizeit und das Kindergottesdienst-Konzept sehr zu gefallen. „Kindergottesdienst, das ist Kirche für und mit Kindern“, sagt Sabine Karwath. „Das macht Freude – seit 100 Jahren.“


Mehr Infos unter   www.kigo-wst.de 
Anuschka Kramer Redakteurin / Redaktion Westerstede
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