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NWZonline.de Region Ammerland Kultur

„Haben Pflicht, uns zu erinnern“

24.10.2017

Wiefelstede Es ist nicht viel, das an Carl Johann Heinen – geboren 1922 in Spohle – erinnert. Nicht einmal ein Foto gibt es von ihm noch. 1945 – kurz nach Kriegsende – starb er in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen. Er war 23 Jahre alt. Dem an Epilepsie leidenden Heinen war dort medizinische Hilfe und eine ausreichende Menge an Nahrung verweigert worden. Verwandte gibt es nicht mehr. Seit Montag erinnert nun ein „Stolperstein“ vor dem Rathaus in Wiefelstede an dieses Opfer der Nationalsozialisten (siehe auch Infokasten).

Stein erinnert an Carl Johann Heinen

Geboren wurde Carl Johann Heinen am 22. März 1922 in Spohle. Er wohnte zuletzt in Wiefelstedermoor.

Soldat war Heinen bis 23. Dezember 1941 – wann er Soldat geworden war, ist nicht bekannt. Heinen diente in der 3. Batterie der Flak-Scheinwerfer-Ersatz-Abteilung – in Wittenberge. Er war nie an der Front. Sein Dienstgrad war Kanonier.

Wegen seiner Epilepsie hatte Heinen einen Lazarettaufenthalt im Reservelazarett Arnsdorf-Sachsen – in der Zeit vom 31.Oktober 1941 bis 21. November 1941.

Eingewiesen in die damalige Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wurde Carl Johann Heinen am 4. März 1945. Er starb dort knapp zwei Monate später, am 14. Mai 1945. Das war eine Woche nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Heinen war damals gerade mal 23 Jahre alt. Wie auch der Oldenburger Historiker Dr. Ingo Harms bestätigte, starb Carl Johann Heinen, weil ihm in Wehnen medizinische Hilfe wegen seiner Epilepsie ebenso verweigert worden war wie eine ausreichende Menge Nahrung. Von ihm existiert nicht mal mehr ein Foto. Nach den Recherchen der Wiefelsteder Oberschüler gibt es keine Verwandten Heinens mehr.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte den „Stolperstein“ in Wiefelstede selbst. So macht er es immer. 63 500 hat er seit 1992 schon in vielen Ländern zur Erinnerung an Opfer der Nazis verlegt. Sie sind sein dezentrales Mahnmal. Die Marke „Stolpersteine“ hat er sogar schützen lassen. Auf einem Stein hat er eine quadratische Messingplatte befestigt, auf der in Wiefelstede an Carl Johann Heinen erinnert wird. Es ist der erste „Stolperstein“ im Ammerland.

Möglich gemacht hatten die Aktion im vergangenen Schuljahr Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses „Religion“ der Oberschule Wiefelstede, die – obwohl sie die Schule bereits verlassen haben – am Montag ebenso an der Steinverlegung teilnahmen wie ihr Lehrer Gunnar Stumm, Tessen von Kameke als Vertreter der oldenburgischen Kirche, der derzeit an die Oberschule abgeordnet ist, sowie Vertreter der Gemeinde, der Kirchengemeinde, der Oldenburgischen Landschaft und der Landesschulbehörde. Die Schüler hatten sich im Wahlpflichtkursus „Religion“ mit „psychischen Erkrankungen“ befasst, dabei auch die Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen und dort die Gedenkstätte „Alte Pathologie“ besucht. Dort stießen sie mit Hilfe des Oldenburger Historikers Dr. Ingo Harms auf Carl Johann Heinen und beschlossen, für ihn einen „Stolperstein" verlegen zu lassen. Unterstützt wurde die Aktion vor dem Rathaus auch vom Schulchor, der unter Leitung von Karolin Dettmer Leonard Cohens „Hallelujah“ sang. In einer anschließenden Feierstunde in der Mensa der Schule erinnerte Schulleiterin Jutta Klages daran, „dass gerade wir als Schule die Pflicht haben, uns zu erinnern.“

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