Westerstede - In der Corona-Pandemie sind viele Menschen auf der Suche nach Freizeitbeschäftigungen. Warum also nicht einmal zu Fuß oder per Fahrrad die vielen Skulpturen in und um Westerstede erkunden – und dabei auch noch etwas über die Stadtgeschichte lernen?

Hierzu laden die Kunstwege der Stiftung für Kunst und Kultur (SKK) ein. Um zu erfahren, was hinter den Werken steckt, sind diese seit Neuestem mit Bronzeplatten versehen, auf denen ihr Titel, der Künstler und QR-Codes zu finden sind. Scannt man Letztere mit seinem Smartphone ein, landet man auf der SKK-Homepage und erfährt dort allerhand über die Werke und ihre Künstler. Lediglich die Wandmosaike an der Breslauerstraße 90 und der Anton-Günther-Straße 3 sind laut der SKK-Vorsitzenden Melanie Schneider noch nicht beschriftet: „Dafür müssen wir noch die Eigentümer der Gebäude ausfindig machen und mit ihnen verhandeln.“

Über den QR-Code ist zum Beispiel zu erfahren, was es mit der Büste von „Tante Mieze“ an der Peterstraße auf sich hat. Das Denkmal soll an das Westersteder Original Maria Wich erinnern, die mit ihrer Gabe zu heilen, viel Gutes in der Stadt bewirkte und daher von vielen Einwohnern hoch geschätzt wurde.

Der Brunnen „Stadtgeschichte“ auf der Rückseite des Rathauses am Albert-Post-Platz zeigt zudem die Stadtentwicklung von der Zeit vor dem großen Stadtbrand vom April 1815 über die Umgestaltung durch „Stadtplaner“ Amtmann von Negelein nach dem Brand bis zum Ist-Zustand im Jahr 2006.

Das sind die optimalen Routen für einen Spaziergang oder eine Fahrradtour entlang der Kunstwerke

Ein Spaziergang kann am Albert-Post-Platz gestartet werden. Im Innenhof des Rathauses steht das Kunstwerk „Partnerschaft mit Zukunft“ und auf der rückseitigen Wand fallen sofort das Wandmosaik „Fische, Hummer, Krabben“ sowie der Brunnen „Stadtgeschichte“ ins Auge. Weiter geht es auf dem Marktplatz. Dort steht der markante Brunnen von Alice Peters-Ohsam, die am 7. Januar in Bremen verstorben ist, und an der Kirchhofmauer sitzt die „Marktfrau“. In südlicher Richtung geht es in der Peterstraße mit den „Musizierenden“ vor dem Postgebäude weiter und vor der Hausnummer 21 steht die Büste von „Tante Mieze“. Biegt man kurz darauf in die Schillerstraße ein, findet sich vorm Eingang der AOK die „Brunnenskulptur“. Ein Stück zurück geht es in die Wilhelm-Geiler-Straße, wo sich das Amtsgericht befindet. Auf der Vorderseite ist das Wandmosaik „Pferde“ angebracht, und einmal ums Gebäude herum findet sich im Innenhof der „Stein des Anstosses“. Zurück Richtung Marktplatz geht es links zur Krömerei, auf dessen Rückseite der „Trompeter“ gen Himmel bläst. Über die Grüne Straße, die Gartenstraße und die Poststraße geht es abschließend weiter zum Park an der Bibliothek mit der„Thalenweide“. Hier sind „Die Stehende“ und „Die Trauernden“ zu sehen.

Mit dem Fahrrad empfiehlt sich als Ausgangspunkt der Westersteder Marktplatz. Über die Kuhlenstraße Richtung Apen steht kurz vor der Ampelkreuzung an der Firma Otten das „Betonrelief“. Der Straße weiter bis zum Ringelmannsdamm folgend, ist im Jaspers-Hof die „Braut von Fikensolt“ zu finden, bevor der „Freialtar“ auf dem Burgplatz Mansingen erscheint. Von dort aus geht es über den Schloßweg sowie an der Oldenburger Straße und der Ammerlandallee entlang Richtung Landkreisgebäude, wo die Skulptur „Freundschaft“ steht. Der Straße weiter folgend geht es links in die Langebrügger Straße und dem Hochregallager mit seiner besonderen Fassadengestaltung und von dort rechts in die Burgstraße bis zur Wittenheimer Straße, von wo aus der Burgplatz Wittenheim mit dem „Herrensitz“ zu sehen ist. Ein Stück zurück gelangt man über die Straße Am Esch zurück zum Stadtzentrum. Am Gebäude der Kreisvolkshochschule findet sich die „Sgraffiti-Friese“. Über die Straße Bohmsende geht es zur Breslauer Straße 90 mit dem Glasmosaik „Vier Jahreszeiten und dann links in die Anton-Günther-Straße 3, wo das Wandmosaik „Komposition in Blau“ zu sehen ist. Schließlich geht’s über die Norderstraße zurück zum Marktplatz.

Woher stammen außerdem die auffälligen Wandmosaike, die über die Stadt verteilt sind („Pferde“ am Amtsgericht, „Vier Jahreszeiten“ in der Breslauerstraße, „Kompositionen in Blau“ an der Anton-Günther-Straße sowie „Fische, Hummer und Krabben“ auf der Rückseite des Rathauses)? Und warum ist die Fassade des Hochregallagers des Möbelunternehmens Steinhoff an der Langebrügger Straße ein Kunstwerk? All diese Fragen werden über die QR-Codes beantwortet.

Das Aufstellen weiterer Skulpturen ist laut der Schneider in absehbarer Zeit zwar nicht geplant, allerdings werde gerade mit dem Bauunternehmen Otte über die Sanierung des Betonreliefs an dessen Verwaltungsgebäude in der Kuhlenstraße verhandelt.

Kulturell will die Stiftung den Westerstedern aber spätestens im Herbst wieder etwas bieten – sofern Corona mitspielt: Für den 12. September steht das Konzert Westerstede Klassik mit dem Orchester des Staatstheaters Oldenburg auf dem Programm und zwei Tage vorher soll ein national und/oder international bekannter Popmusiker auftreten. Wer das sein wird, kann Schneider allerdings noch nicht verraten: „Da sind wir mit einer Agentur noch auf der Suche.“