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Lehrbienenstand in Westerstede Nicht nur Imker fliegen auf Honig

Eine süße Leckerei: Am Lehrbienenstand des Imkervereins Bad Zwischenahn-Westerstede zeigen Ute Aderholz und Klaus Ohliger eine Honigwabe.

Eine süße Leckerei: Am Lehrbienenstand des Imkervereins Bad Zwischenahn-Westerstede zeigen Ute Aderholz und Klaus Ohliger eine Honigwabe.

Kerstin Schumann

Ammerland/Westerstede - Die Fenster des Lehrbienenstandes in Westerstede sind weit geöffnet. Noch schwärmen die Insekten von insgesamt acht Völkern aus, um Nahrung zu suchen, doch sobald die Temperaturen unter zehn Grad fallen, ändert sich das Leben im Bienenstock. Während der Großteil des Volkes stirbt, ziehen sich die restlichen rund 5000 Bienen zu einer sogenannten Wintertraube zusammen. Die Bienenkönigin in der Mitte wird von ihrem Gefolge gewärmt. Dann zehren sie von ihren Vorräten, bis die Temperaturen im Frühjahr wieder steigen und der Aufbau des Bienenstockes erneut beginnt. Im Sommer sind es 50 000 Bienen und mehr.

Nachfrage groß

Die Mitglieder des Imkervereins Westerstede-Bad Zwischenahn kennen diese Zyklen genau. Im Schulungsraum und dem Lehrbienenstand geben sie bei vielen Gelegenheiten ihr Wissen weiter. Auch für Gruppen, Schulklassen oder als Ferienaktion gibt es Angebote. Groß ist das Interesse auch von Neuimkern, die hier mit dem notwendigen Fachwissen versorgt werden und praktische Tipps bekommen. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen. Der Lehrgang 2024 ist bereits ausgebucht und für 2025 liegen schon Anfragen vor“, erklärt Ute Aderholz, Obfrau für Presse und Öffentlichkeit des Vereins.

Der Imkerverein Bad Zwischenahn-Westerstede

Offiziell gegründet wurde der Imkerverein Bad Zwischenahn-Westerstede 1949. Er ging aus dem Imkerverein Ammerland hervor. Das Interesse an diesem besonderen Hobby ist merklich gestiegen. Aktuell zählt der Verein 180 Mitglieder.

Eingeweiht wurde im September 2018 ein Gebäude mit Schulungsraum und Lehrbienenstand. Es befindet sich an der Straße Zum Stiftungspark 27 in Westerstede und ist durch den benachbarten Jaspershof mit seinem großen Garten ideal gelegen. Ermöglicht wurde diese Investition durch eine Spende aus einem Nachlass und weiteren Geldgebern. Auch die Vereinsmitglieder haben kräftig mit angepackt.

Für Neuimker werden seit vielen Jahren intensive Grundschulungen angeboten. Diese würden sehr gut angenommen, erklärt Vereinsvorsitzende Nicole Fitzner. Auch die Vereinsmitglieder könnten die Räumlichkeiten nutzen, sowohl für gesellige Zusammenkünfte als auch für Arbeitstreffen wie das Auswaschen der Rahmen und das Ausschmelzen von Wachsresten sowie zum Honigschleudern.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist dem Verein ebenfalls ein großes Anliegen. „Wir haben viele Anfragen von Gruppen, die sich bei einer Führung informieren möchten“, so Nicole Fitzner. Der Verein sei außerdem sehr aktiv in der Jugendarbeit, damit sich auch schon Kinder und Jugendliche mit dem Leben der Bienen befassen. Beispielsweise für Schulklassen gebe es Angebote. Durch das Gebäude sei man wetterunabhängig. Die Bienen könnten von außen durch eine Scheibe beim Ein- und Ausfliegen beobachtet werden.

Der Lehrbienenstand ist am Mittwoch, 1. November, und Mittwoch, 6. Dezember, jeweils von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Dann können Besucherinnen und Besucher Honig und Honigprodukte erwerben und sich einen Eindruck von der Imkerei verschaffen. Wer sich intensiver mit dem Thema Honigbiene befassen möchte, sollte eine Führung buchen.

Wer sich für die Imkerei entscheide, starte idealerweise mit drei Völkern. Viele Neuimker würden dabei aber die Zeit, die man aufwenden müsse, unterschätzen. „Es geht schließlich um Tiere, um die man sich kümmern muss. Die Imkerei ist sehr komplex.“ Der Mai sei am arbeitsreichsten, sagt die Imkerin. Das Volk müsse immer wieder kontrolliert werden. Denn das sei die Zeit, in der die alte Königin mit einem Teil ihres Gefolges ausschwärme, um ein neues Volk zu gründen. Stattdessen versuche der Imker, durch Ableger am selben Standort einen zweiten Bienenstock zu etablieren.

Mit Beginn der Obstblüte haben die Bienen ein üppiges Nahrungsangebot, allerdings nur im Drei- bis Fünf-Kilometer-Radius. „Die Kundschafterinnen fliegen aus und signalisieren den anderen, wo es etwas zu holen gibt“, erklärt Aderholz. Der eingebrachte Nektar wird zu Honig verarbeitet und als Wintervorrat in der Wabe eingelagert sowie mit einem Wachsdeckel verschlossen. Die süße Ernte fahren die Imker dann ab Juni bis Ende Juli ein – Frühtracht und Sommertracht.

Honig wird geschleudert

In dem Gebäude des Imkervereins gibt es auch eine Honigschleuder. Dazu werden die Waben dem Stock entnommen und die mit Bienenwachs verschlossene Wabe geöffnet. Geerntet wird aber nur ein Teil, etwa 20 bis 40 Kilogramm, damit für die Bienen genügend übrig bleibt. Der entnommene Teil wird durch Zuckersirup ergänzt. Die geöffnete Wabe kommt dann in die Schleuder. Durch die Drehbewegung fließt der Honig nach unten, wird aufgefangen, durch ein Sieb gegeben und gerührt. „Der Honig wird im Glas des Deutschen Imkerbundes mit dem typischen Etikett verkauft. Es ist eine Qualitätsgarantie“, betont Aderholz.

Nach der Honigernte geht es im Jahreslauf weiter mit der Bekämpfung der Varroa Milbe. Das Bienenvolk wird immer wieder mit organischen Säuren behandelt. Denn schließlich sollen die nützlichen Tiere möglichst gesund durch das Jahr kommen. Und im Winter stehen dann Reinigungs- und Reparaturarbeiten an. Aber all das lohne sich, findet Aderholz. Die Honigbiene sei immens wichtig für das Bestäuben zahlreicher Nutzpflanzen.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede
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