Ammerland/Vreschen-Bokel - Aufregende und anstrengende Wochen liegen vor dem fünfjährigen Lenny aus Vreschen-Bokel und seinen Eltern. Ab Donnerstag wird die Familie in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sein. Wenn alles gut geht, und Lennys jüngste Antikörper-Therapie ihn krebsfrei gemacht hat, steht direkt die Transplantation der Stammzellen eines Spenders an. Wie üblich wissen Lennys Eltern, Lidia Egert und Raphael Schrantz nicht, wer dieser Spender sein wird. Sie hoffen aber, dass sie und Lenny ihn nach einer erfolgreichen Transplantation und einigen Jahren Wartezeit kennenlernen dürfen.
Reise nach Paris
Aber selbst wenn Lenny durch die aktuelle Therapie oder die letzte Alternative, eine Car-T-Zell-Therapie, krebsfrei wird und die Stammzellen transplantiert werden können, ist die Zeit der Anstrengungen damit nicht vorbei. Sechs bis zwölf Wochen isolierter Klinikaufenthalt folgen auf die Transplantation. „Die ersten 200 Tage nach der Transplantation sind die kritischsten. In dieser Zeit müssen die Stammzellen in Lennys Körper anwachsen und auch sein Immunsystem muss komplett bei null anfangen“, erzählt Lidia Egert.
Die Dauerisolation, bis das Immunsystem des Jungens sich regeneriert hat, wird keine einfache Zeit für die Familie. Doch Lenny schmiedet schon jetzt Pläne für die Zeit nach der Transplantation. „Er will unbedingt ins Disneyland Paris, Micky Maus die Hand schütteln, das Feuerwerk bestaunen und dort auch übernachten“, erzählt seine Mutter. Und natürlich wollen Lennys Eltern das auch ermöglichen.
Der Rückzug
Aber nicht nur die Zeit, die vor der Familie liegt, wird sehr anstrengend. Auch die vergangenen Wochen haben der Familie viel abverlangt. Nachdem die Nachricht kam, dass ein Spender gefunden ist, ging es darum, dass Lenny krebsfrei wird. Dass das lange nicht gelang, hat an der Familie sehr gezehrt. „Wir haben uns deshalb auch für einige Wochen ganz bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und komplett neu sortiert“, sagt Lidia Egert. Ein dreitägiger Kurzurlaub mit Vater und Mutter sollte den Jungen auf andere Gedanken bringen. Und Lenny hat sein langersehntes Therapiefahrrad mit Elektroantrieb bekommen. Die Krankenkasse hatte die Kosten dafür so nicht tragen wollen. Nach diversen Spendenaktionen, zuletzt die der Motorradgruppe „Knieschleifer Ostfriesland“ beim Biker-Hotel Zur Schanze in Holtgast, konnte die Familie Lenny diese große Erleichterung für den Alltag aber verschaffen. „Er ist seit Erhalt des Fahrrads so stolz und möchte am liebsten jeden Tag ein paar Runden durch die Siedlung drehen und es jedem zeigen“, berichtet Egert.
Viel Anteilnahme
Jetzt, kurz bevor die Transplantation der Stammzellen den Krebs in Lenny hoffentlich besiegen kann, wollte die Familie noch einmal ein Lebenszeichen von sich geben. „So viele Menschen haben sich erkundigt, wie es Lenny geht“, sagt seine Mutter. Das direkte Umfeld in der Gemeinde Apen könne man recht leicht auf dem Laufenden halten. Die vielen Menschen, die darüber hinaus mit Aktionen geholfen haben, sich als Stammzellenspender registrieren ließen oder Geld spendeten, sollten aber auch erfahren, wie es Lenny geht und wie dankbar die Familie allen ist, die geholfen haben.
An diesem Dienstag steht in der Stadt Oldenburg die Knochenmarkpunktion an, die zeigen soll, ob die Antikörper-Therapie die Krebszellen in Lennys Blut beseitigt hat. Lidia Egert und Raphael Schrantz sind voller Hoffnung, dass es nun tatsächlich so ist. „Aktuell geht es ihm gut, man sieht ihm kaum an, dass er krank ist“, sagt Lidia im Gespräch mit unserer Zeitung. Am Donnerstag geht es dann nach Hannover an die Medizinischen Hochschule – wo die Stammzellen des Spenders hoffentlich bald dabei helfen, dass Lenny den Krebs endgültig besiegt.
