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NWZonline.de Region Ammerland Lokalsport

„Vertrauen hat den höchsten Stellenwert“

06.04.2019

Helle Turnierreiter werden langsam aufgeregt. Die sogenannte „Grüne Saison“ ist gestartet. Wer mit seinem Pferd in einer Spring-, Dressur- oder Vielseitigkeitsprüfung starten will – egal in welcher Klasse – der kommt aber um eines garantiert nicht herum: Eine solide Grundausbildung. „Die Dressur ist kein Selbstzweck“, führte jüngst Christoph Hess bei dem Seminar „Fit für die Turniersaison“ im Reitclub Helle in den Abend ein.

Basis, Basis, Basis

Christoph Hess ist Diplompädagoge mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Berufsreitlehrer. „In fast allen Leistungsklassen gibt es Reiter, die sich bei den Basics schwer tun“, wusste Hess zu berichten. Im neuen Aufgabenheft haben sich seit Anfang des Jahres Veränderungen in den Dressurreiter- und Dressurprüfungen der Klassen A bis M ergeben. Doch Hess betonte mehrfach: „Ich sollte mich als Reiter nicht auf einzelne Lektionen versteifen. Ich muss mich immer wieder fragen: Erfüllt meine Reiterei die Skala der Ausbildung?“

Christoph Hess

Der Ausbilder Christoph Hess arbeitete seit 1978 bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und ist einer der bekanntesten Trainer und Seminarleiter in Deutschland. Seit 2016 ist er im Ruhestand.Weiterhin gibt er Fortbildungen. 18 Jahre lang war er Leiter des Bundesleistungszentrums des Deutsches Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR). Außerdem ist er internationaler Dressur- und Vielseitigkeitsrichter.

Im Turniersport war Hess selbst jahrelang aktiv. Seine Erfahrungen gibt er in Büchern und Aufsätzen weiter. Die gesamte Familie ist reitsportverrückt: seine Frau Ilse unterrichtete als Grundschullehrerin im Rahmen des Sportförderunterrichtes Schulkinder im Reiten. Mit ihr hat Hess drei Kinder: Philipp, Christian und Friederike. Auch sie sind beruflich mit dem Pferdesport verbunden.

Vier Reiterinnen waren an dem Abend mit ihren jeweiligen Sportpartnern nach Helle gekommen. Von der 17-Jährigen ambitionierten Dressurreiterin, die in dieser Saison den Sprung in die Klasse L schaffen will, über eine Reitlehrerin, die gern mal wieder in die Schülerperspektive wechseln wollte, bis hin zu einer professionellen Bereiterin. Bei allen zeigten sich verschiedene Schwierigkeiten und Ansatzpunkte für eine Verbesserung. Christoph Hess fragte während der Veranstaltung immer wieder das Fachpublikum auf der Heller Tribüne: „Wäre das Ihre Reitschülerin, was würden Sie ihr raten?“ Er verdeutlichte, dass es beim Unterrichten vor allem darauf ankomme, einen Lösungsansatz zu vermitteln. „Ich kann der Reiterin jetzt natürlich immer wieder sagen, dass sie schief sitzt. Wahrscheinlich weiß sie das aber längst. Wir brauchen Lösungsvorschläge“, konstatierte Hess.

Der Ausbilder und Richter, der inzwischen pensioniert ist, legte besonderen Wert auf sorgfältige Beobachtung der Pferd-Reiter-Paare. „Achten Sie auf die Körpersprache des Pferdes, auf seine Schweifhaltung, sein Ohrenspiel und ob es abschnaubt.“

Während die Reiterinnen eine nach der anderen ihre Pferde präsentierten, sagte Hess ausdrücklich: „Wir müssen an das Gefühl der Reiter anknüpfen. Diese müssen nämlich ein Gefühl für das richtige Reitgefühl bekommen.“ Er plädierte dafür, beim Reitunterricht möglichst in Bildern zu sprechen. Viel könne ein Trainer bei seinen Schützlingen an den Übergängen zwischen den Gangarten erkennen. „Leider sehe ich sogar in hohen Prüfungen noch schlechte Übergänge, obwohl die zur Basis gehören. Mitunter klappen Lektionen wie Pirouetten trotzdem gut“, berichtete Hess. Ein guter Ausbilder suche nach Ursachen, wenn es Probleme gäbe. „Ich darf nicht an Symptomen schrauben, sondern muss herausfinden, woran es liegt.“

Eine Einheit bilden

In diesem Zusammenhang verdeutlichte Hess, wieso es so elementar wichtig ist, dass Pferd und Reiter als eine Einheit betrachtet werden. „Ist das Pferd nicht locker, lässt es seinen Reiter nicht gut mitschwingen. Ein holprig sitzender Reiter trägt nicht zu einem lockeren Pferd bei. Das ist ein ewiger Kreislauf.“ Daher sei er dafür, in einer Trainingseinheit immer vom Leichten zum Schweren zu kommen. Außerdem sei es wichtig, dass ein Reiter mit all seinen Sinnen wahrnehme. Nur dann könne er ein richtiges Team mit seinem Pferd werden. „Dabei hat allerdings das Vertrauen den höchsten Stellenwert.“

Immer wieder brachte Hess seine Zuschauer durch seine lockere Art zum Lachen. Bei einer Reiterin forderte er statt eines exaltierten Trabablaufes einen „normalen, fröhlichen deutschen Reisetrab“, ein anderes Mal beschrieb er verschiedene Typen von Pferden: „Den einen musst Du beruhigen, den anderen in Wallung bringen.“

An einem Beispiel zeigte Hess, dass Schenkelweichen eine von verschiedenen Schlüssellektionen für die Durchlässigkeit und Sensibilität in der Grundausbildung ist. Bei Sitzschwierigkeiten schlug er vor, in den leichten Sitz zu wechseln – sowohl im Trab, als auch im Galopp. „Ich muss das Reiten in eine Lockerheit bringen. Dann bleibt das Pferd glücklich. Danach kann ich mir Stück für Stück den dressurmäßigen Sitz erarbeiten.“ Bei zwei Reiterinnen forderte er, dass sie die Zügel in eine Hand nahmen, mit der anderen Hand den Hals ihres Pferdes klopften. „Reiten geht auch ohne Zügel. Man darf nicht ins ziehen kommen, nicht rückwärts einwirken.“ Hess empfahl auch Sitzlongen-Einheiten, um den Grundsitz zu verbessern.

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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