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NWZonline.de Region Ammerland Lokalsport

Mit „sehenden Händen“ die Welt erfassen

27.08.2014

Friedrichsfehn Jayson tobt mit dem Fußball durch den Garten, immer wieder tritt der Sechsjährige gegen den Ball, führt ihn am Fuß, schießt ihn davon und rennt hinterher. Nur ein einziges Mal landet der Ball soweit unter den Sträuchern, dass Vater Michael helfen muss.

Während der 40-Jährige den Ball zurückholt, steht Jayson schon am Holzpferd, auf das seine fünfjährige Schwester Emely schon geklettert ist. Wenig später sitzt auch der Junge auf dem hölzernen Rücken des tierischen Spielzeugs, schnalzt mit der Zunge und greift nach der Leine. „Ich reite immer auf Lotti“, ruft er. Lotti heißt das Pony auf einem Petersfehner Pferdehof, wo Jayson und Emely reiten lernen.

Mit sechs erblindet

Fußball und Reiten gehören zu den Lieblingsbeschäftigungen des jungen Friedrichsfehners, der einen seiner Sinne nicht mehr nutzen kann. Jason ist erblindet. Dass der Junge aufgrund eines Gendefekts eines Tages nicht mehr sehen könne, wussten seine Eltern. Die Ärzte in einer Hamburger Spezialklinik hatten davon gesprochen, dass das Erblinden zwischen dem 17. und 21. Lebensjahr geschehen würde. Niemand ahnte, dass es viel schneller gehen würde.

Dass die Sehfähigkeit des Jungen immer stärker nachließ, merkten die Eltern daran, dass sich im Spätherbst vergangenen Jahres die Unfälle häuften. „Jason lief plötzlich in der Grundschule, wo er sich ja auskannte, gegen Türen, auf dem Schulgelände gegen Bäume und er stolperte leicht. Ich fuhr nur noch beunruhigt zur Arbeit und dachte bei jedem Anruf daran, dass wieder etwas mit Jason passiert sein könnte“, sagt Mutter Anne. Glücklicherweise gab es nur die eine oder andere Platzwunde und blaue Flecken, aber keine größeren Verletztungen. Heute geschähen Unfälle mit Jayson nur sehr selten; er fände sich gut zurecht und liefe z.B. zuhause die Auffahrt exakt bis zur Grundstücksgrenze hinunter und nicht weiter.

Im Spätsommer vergangenen Jahres war Jayson in Friedrichsfehn eingeschult worden, inzwischen besucht er die Georg-Droste-Schule in Bremen. Per Taxi geht es während der Schulzeit tagtäglich zu diesem Förderzentrum für Sehen und visuelle Wahrnehmung und wieder zurück. In Bremen hat Jayson auch seine Leidenschaft für (Blinden-)Fußball entwickelt; auf dem Trainingsgelände des SV Werder Bremen spielen Lehrer von Jaysons Schule, ehrenamtliche Helfer und ein hauptamtlicher Trainer mit blinden oder sehbehinderten Kindern und Jugendlichen einmal die Woche am Bremer Weser-Stadion Fußball.

„Bremen ist derzeit eine wichtige Station in Jaysons Leben. Wir legen aber auch Wert darauf, dass unser Sohn auch in Friedrichsfehn integriert ist. An der Bremer Schule soll er das Schreiben und Lesen der Blindenschrift lernen und wenn er das sicher beherrscht, möchten wir schon gern, dass er wieder eine Ammerländer Schule besucht;“ so Anne Willers.

„Normalität mit Handicap“ – das ist das, was die Familie lebt und leben will. „Natürlich müssen wir bei Jayson manchmal helfend und unterstützend eingreifen, aber das heißt nicht, dass er in Watte gepackt wird und wir ihm alles abnehmen“, sagt Vater Michael. Jayson sei ein normaler Junge, der ein gesundes Urvertrauen habe, nicht ängstlich sei, sich traue, andere um Hilfe zu bitten und an allem möglichen interessiert wäre. Der Sechsjährige nehme begeistert an Ferienpassaktionen teil, er sei mit Engagement bei der Sache, wenn er Kreativnachmittage mit Jugendpfleger Ekkehard Weber besuche und spiele und tobe mit anderen Kindern im Ferienhort, in dem er derzeit sei.

Die Welt „erfassen“

„Wir wollen unseren beiden Kindern möglichst vielfältige Erfahrungen ermöglichen“, sagt Mutter Anne. Was Jason beträfe, würden ihr Mann und sie manchmal auch gezielt fragen, ob ihr Sohn nicht seine Umwelt mit den Händen erfassen dürfe. Ob es der Schornsteinfeger sei oder ein Tierpfleger im Tierpark – so mancher, den man anspreche, beschreibe Jayson gern seine Tätigkeit und ermögliche den Jungen auch, ihn oder sein Arbeitsgerät zu berühren und zu ertasten.

Besonders beeindruckende Erfahrungen konnten Jayson und seine Familie im Mai beim „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum“ in Rastede machen. Eigentlich wollte Jayson nur einmal seinen Lieblingsritter berühren, doch dieser lud den Jungen mitsamt der Familie zum Besuch hinter die Kulissen ein und ritt auf seinem Pferd mit dem jungen Friedrichsfehner sogar eine Runde um den Platz.

Doris Grove-Mittwede Redakteurin / Redaktion Westerstede
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