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Anfänger gegen Profi

19.07.2018

Petersfehn Langsam steige ich in die Hose hinein – ja, rein steigen. Denn die Schieß-Hose ist bretthart und ziemlich steif. Dann noch die spezielle Schießjacke und Schuhe anziehen, fertig. „Ich fühle mich wie Bernd das Brot“, sage ich und schaue Elmar Schmidt leidend an. Der Präsident des Schützenvereins Petersfehn muss lachen. „Es ist wirklich erstaunlich, was die Schießkleidung am Ende ausmacht“, meint er.

Ritter aus Königshaus

Die Kleidung gibt Stabilität am Stand – und eine bessere Trefferquote. Die brauche ich, denn schließlich trete ich in der Disziplin Luftgewehr nicht gegen irgendwen an: Marcel Hollwedel hat mit seinen 15 Jahren schon deutlich mehr Erfahrung in diesem Sport als ich mit 27 jemals gemacht habe. Dazu ist er auch noch Ritter im aktuellen Königshaus. Seine Spezialität ist Luftgewehr stehend, in einem weiteren Verein schießt er aber auch Kleinkaliber. Das liege einfacher in der Hand, findet er.

Im Moment gibt es eigentlich keine Wettkämpfe, es ist quasi Sommerpause und Schützenfest-Zeit. Während mir Elmar genau erklärt, wie ich das Luftgewehr bediene, macht sich Marcel schon bereit. Ich stehe mit dem Rücken zu ihm und zucke bei seinem ersten Schuss zusammen – das kam plötzlich! Ich darf erst mal mit Auflage trainieren, das letzte Mal hatte ich vor gut zwei Jahren ein Luftgewehr in der Hand, beim Schützen- und Heimatverein Gristede. Ich lege den Lauf auf die hölzerne Auflage und kneife ein Auge zu. Zunächst gelingt es mir nicht mal, durch den Sucher die Zielscheibe zu finden. Besser geht es mit der Blende, die mein rechtes Auge einfach verdeckt. „Einatmen, ausatmen – aber nicht komplett – dann schießen“, rät Elmar. Denn dann pocht das Herz ruhiger, und man kann besser zielen.

Erster Schuss sitzt

Marcel hat sich schon konzentriert und schießt sich neben mir routiniert ein. Meine ersten Übungs-Schüsse sitzen derweil ganz passabel. Nun soll ich frei schießen, ohne das Gewehr aufzulegen. Schwer liegt das Gerät auf meiner rechten Hand, gute vier Kilogramm sind es etwa. „Puh“, sage ich, meine Muskeln brennen schon nach einer Minute. Elmar lacht: „Was, kannst du schon nicht mehr?“

Unter echten Wettkampfbedingungen hätte ich jetzt 50 Minuten lang Zeit für 40 Schuss in Zehner-Serie. Bin ich froh, dass ich nur zehn Schuss abgeben muss und dafür eine gute halbe Stunde habe. Die digitale Anzeige zeigt eine Fünf, also tatsächlich wieder ins Ziel getroffen. Der nächste sitzt noch besser: eine 9,6 von 10. „Respekt“, sagt Elmar und schaut mich verwundert an. Ich grinse. Ein bisschen stolz bin ich ja schon. Nur wird mir langsam warm in den dicken Klamotten. Ich muss mich wahnsinnig konzentrieren, denn minimale Schwankungen meines Körpers wirken sich auf die Trefferquote aus. Das schafft schon ein bisschen.

Nicht so viel schnacken

Während ich abwechselnd mit Elmar schnacke und mich dem Schießen widme, macht es Marcel genau richtig: Es redet nicht und ist voll konzentriert. Nachdem wir beide unsere zehn Schuss abgegeben haben, gibt es die Auswertung: Wie erwartet, hatte Marcel den Heimvorteil – aber ich selbst kann mir auch auf die Schulter klopfen. Journalistin gegen Sportschütze? Der Endstand ist 63 zu 88 Ringen. „Das ist wirklich gut! Für eine Anfängerin ziemlich super“, lobt mich Elmar. Zumal ich ja auch quasi unter Beobachtung stand.

Was ich an diesem Tag einmal mehr gelernt habe? Dass zum Schützenwesen natürlich die Tradition dazu gehört und gepflegt wird – wie zum Beispiel beim Schützenfest bis Montag auf dem Festplatz. Es ist aber auch ein anspruchsvoller Sport – von altbacken keine Spur. Nicht umsonst heißt es ja „Schießsport“ – schweißtreibend ist es allemal.

Tonia Hysky Redakteurin / Politikredaktion
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