Mittelfeldspieler Marcel Andrijanic hat sich schnell bei den Regionalliga-Fußballern des SSV Jeddeloh als Führungsspieler etabliert. Vor dem Heimspiel an diesem Freitag um 19.30 Uhr gegen den BSV Rehden hat der 30-jährige Sommerzugang verraten, wem im Team er eine große Karriere zutraut, was den SSV gerade so stark macht und warum er jetzt wieder häufiger die schönen Dinge im Fußball erlebt.
Marcel Andrijanic, Ihr ehemaliger Verein, Teutonia Ottensen, steht derzeit auf Tabellenplatz 16, Ihr neuer Verein, der SSV Jeddeloh, auf Rang zwei. Im Sommer haben Sie mit ihrem Wechsel also die richtige Entscheidung getroffen?
Marcel Andrijanic (30)Wenn man das so betrachtet, definitiv (lacht). Die Entscheidung pro Jeddeloh habe ich bewusst getroffen. Björn Lindemann ist ein Trainer, der mir das Gefühl gibt, dass er Fußball genauso versteht, wie ich. Das hilft mir ungemein. Ich bin auf dem Feld ein Stratege, der schnell den gegnerischen Plan versteht und die Schwächen sieht. Und so war Lindemann als Spieler auch, das passt also gut.
Ein besserer Start als mit dem Siegtreffer zum 3:2 in der Nachspielzeit am ersten Spieltag beim SV Drochtersen/Assel hätte Ihnen kaum gelingen können.
AndrijanicDas ist richtig (lacht). Wir dominieren die erste Halbzeit, verpassen eine höhere Führung und verlieren nach der Pause komplett den Faden und geraten in Rückstand. Dann hole ich den Elfmeter raus, den Michel Hahn zum Ausgleich verwandelt und treffe selbst in der Nachspielzeit. Das war ein tolles Gefühl und auch sehr emotional.
Wie sind Sie auf den SSV Jeddeloh gekommen?
AndrijanicIn Ottensen habe ich Miguel Fernandes kennengelernt. Er hat viel von seiner Zeit in Jeddeloh erzählt und wie viel Spaß er hier hatte. Da kamen bei mir Erinnerungen an meine Zeit bei Drochtersen/Assel hoch. Auch das ist ein Dorfverein und dort hatte ich vier Jahre eine schöne Zeit. Das ist, denke ich, schon vergleichbar. Zudem wurde in Ottensen ein neuer Trainer vorgestellt, der das System ändern wollte und mir weniger Spielminuten in Aussicht gestellt hat.
Marcel Andrijanic wechselte im Sommer vom FC Teutonia Ottensen zum SSV Jeddeloh. Seitdem stand der 30-jährige zentrale Mittelfeldspieler in elf Partien in der Startelf, erzielte dabei vier Tore und gab fünf Assists. Insgesamt absolvierte Andrijanic bisher 235 Partien in den verschiedenen Regionalligen.
Der Vater von zwei Töchtern ist beruflich als Headhunter unterwegs und wohnt in Hamburg. Zudem ist er einer der Gründer der Transferplattform „Poacher“, die Amateurfußballern helfen soll, einfacher einen Verein zu finden. „Unsere Plattform ist eine Art Mix aus LinkedIn und Facebook für Amateurfußballer“, sagt Andrijanic.
Wie sind Sie in Jeddeloh aufgenommen worden?
AndrijanicDie Mannschaft und die verschiedenen Charaktere sind überragend. Es macht immer Spaß im Training und bei den Spielen. Als ich das Team kennengelernt habe, wusste ich sofort, dass wir eine gute Rolle in der Liga spielen können. Vor der Saison hätten man vielleicht gesagt, dass auch ein siebter Platz ein gutes Ergebnis ist. Mittlerweile sagen wir realistisch, dass für den SSV auch mehr drin ist.
Warum ist der SSV in dieser Saison bisher so erfolgreich?
AndrijanicDer wichtigste Punkt für Erfolg ist für mich, wenn jeder Spieler im Team das Gefühl hat, gebraucht zu werden. Und das hat das Trainerteam bei uns bisher in jeder Phase der Saison toll hingekriegt. Auch als wir mal drei oder vier Spiele am Stück gewonnen haben, haben sie nie nur auf die gleichen 14 Spieler gesetzt. Denn wie sollst du plötzlich Leistung bringen, wenn man drei Monate nicht auf dich gesetzt hat? Zudem haben wir einen ambivalenten Kader, der jeden Spielertyp für jede mögliche Situation dabei hat. Da wurde in der Planung sehr gute Arbeit geleistet.
Wie sehen Sie ihre Rolle im Team?
AndrijanicIch bin toll aufgenommen worden und als Zugang direkt zum Vizekapitän bestimmt worden. Das zeigt das Vertrauen des Trainerteams und gibt mir das nötige Selbstbewusstsein für gute Spiele. Auf dem Feld möchte ich mit meiner ruhigen und mutigen Spielart helfen, den Spielern um mich herum, vor allen den jungen Spielern, Vertrauen zu geben. Und wir haben einige junge Spieler dabei, die so viel Potenzial haben, das wir noch nicht komplett gesehen haben.
Skurriler Torjubel und wichtiges Trainerfeedback
Einige Beispiele?
AndrijanicMiguel Fernandes ist für mich zum Beispiel der kompletteste Offensivspieler der Liga. Was Gentuar Durmishi mit dem Ball am Fuß kann, wie er sich mit Tempo in engen Räumen bewegt, bringt jeder Mannschaft etwas. Auch Kasra Ghawilu mit seiner Kontrolle und seiner Körperlichkeit. Oder Niklas von Aschwege oder Michel Hahn, die beide alle Voraussetzungen mitbringen, um ein Top-Innenverteidiger der Liga zu werden. Und dieses Potenzial können sie nur entfalten, wenn sie die Spielzeit kriegen, die Björn Lindemann und Kevin Samide ihnen geben.
Aber auch Ihre Statistiken lesen richtig gut. In zwölf Partien sind Ihnen bisher vier Tore und fünf Assists gelungen.
AndrijanicDas liest sich schon gut. In Jeddeloh spiele ich in der Zentrale wieder eine deutlich offensivere Rolle als zuvor, als ich meist den klassischen Part im Spielaufbau übernommen habe. Da fällt man den Außenstehenden, die nur auf die Statistiken schauen, natürlich nicht so auf. In Jeddeloh spiele ich auf der Acht und bin damit näher am Tor und komme in den Bereich, in dem die schönen Dinge im Fußball passieren (lacht).
Sie haben erst einmal für ein Jahr in Jeddeloh unterschrieben. Wenn es weiterhin so gut läuft, können sich die Fans am Küstenkanal auf mehr von Ihnen freuen?
AndrijanicIch bin jetzt 30 und lasse alles entspannt auf mich zukommen. Ich bin recht locker und habe keinen Jahresplan festgelegt. Ich möchte hier weiterhin Spaß haben und Fußball spielen. Im Frühjahr werden wir uns dann zusammensetzen.
