Bad Zwischenahn/Rostrup - Ende 2021 hatten Markierungen an zahlreichen Bäumen im Bereich des Seerundwanderweges zwischen Eyhauser Allee und Elmendorfer Straße in Rostrup für Aufregung gesorgt. Über 120 zum Teil alte und schützenswerte Bäume stehen im Bereich einer Erdgashochdruckleitung der EWE Netz. Markiert wurden diese, weil ihre Wurzeln den Korrosionsschutz der Leitung gefährden könnten. Monatelang wurde diskutiert, nun hat die EWE eine Lösung gefunden.
Leichte Beschädigungen
Was mit den Bäumen passieren soll, berichtet Thorsten Wieting, Netzregionsleiter Oldenburg/Varel, der auch für das Ammerland zuständig ist: „Statt sie einfach zu roden, setzen wir zukünftig auf Beobachtung und Kontrolle. So dramatisch sich die Lage auch dargestellt hat, so glücklich ist unsere Analyse verlaufen.“
Bei zehn Probeschachtungen wurden die Leitungen freigelegt, um deren Zustand zu prüfen. „Wir haben keine extremen Situationen festgestellt“, so Wieting. Das habe sich an anderen Stellen im Netzgebiet anders dargestellt: „Wenn die Wurzeln die Leitung eng umschlungen hätten, müssten wir fällen.“ Bei einer Spannungsmessung wurden zwei Stellen festgestellt, bei denen die Ummantelung beschädigt war. Das Stahlrohr selbst war aber intakt. Ohne einen Baum zu fällen, konnten diese Stellen repariert werden.
Jährliche Kontrollen
„Da keine besonderen Schädigungen zu erkennen sind, wäre es unverhältnismäßig die Bäume zu fällen, stattdessen werden wir jährliche Kontrollen durchführen“, verspricht Wieting. Nur im absoluten Ausnahmefall müsste mal ein Baum gefällt werden: „Wir werden im Fall eines Schadens an der Leitung alles technisch mögliche versuchen, um Bäume zu erhalten.“
Auch die Gemeinde spielt bei den Planungen eine Rolle. Diese soll regelmäßig die Baumkronen beschneiden, um das Wurzelwachstum zu beschränken. „Ich freue mich darüber, dass es nach mehreren Gesprächen gelungen ist, eine Lösung für den Erhalt der Bäume zu finden. Es handelt sich schließlich um einen für die Natur, die Naherholung der Bürgerinnen und Bürger sowie den Tourismus überaus sensiblen Bereich“, sagt Bürgermeister Henning Dierks. Angesichts der rechtlichen Vorgaben sei das Vorgehen der EWE nicht selbstverständlich und zeige, dass Versorgungssicherheit und Natur- sowie Klimaschutz in Einklang gebracht werden können.
Bäume vorher da
Viele haben sich indes die Frage gestellt, wie es sein kann, dass einige der Bäume nachweislich älter sind als die 1964 verlegte Erdgasleitung. Darauf angesprochen erwidert Wieting: „Da hat man sich früher leider nichts bei gedacht. Die Priorität beim Bau der Leitung war, dass die Leute mit Erdgas heizen wollen. Auch die Sicherheitsstandards waren damals noch anders.“
Bei der Leitung handele es sich um eine „Erdgasautobahn“, die den gesamten Zwischenahner Westen versorgt. Wenn man streng nach dem Regelwerk gehen würde, müssten die Bäume im Bereich von zwei bis drei Metern um die Leitung herum gefällt werden. „Die Wurzeln können die Ummantelung zerstören, die wiederum schützt die Rohre vor Korrosion. Eine weitere Gefahr ist, dass Wurzeln um die Leitung wachsen und diese ausreißen, wenn ein Baum im Sturm umfällt“, erklärt Wieting. Auch ein Blitzschlag könnte sich auf die Leitung übertragen.
