Bad Zwischenahn/Rostrup - Die rund 80 markierten Bäume am Seerundwanderweg in Bad Zwischenahn und Rostrup beschäftigen Bürger, Gemeinde, Politik und EWE Netz bereits seit einigen Wochen. Unsere Redaktion hat mit dem Rohrleitungs-Experten Prof. Thomas Wegener vom Institut für Rohrleitungsbau aus Oldenburg darüber gesprochen, welche Gefahren es gibt und ob sich die Erdgasleitung verlegen lassen würde. Klar ist für ihn: „Rohrleitungen und Bäume sind natürliche Feinde.“
Für Sicherheit sorgen
„EWE Netz ist wie alle Betreiber von Rohrleitungen dazu verpflichtet, die Anlagen in Ordnung zu halten und die Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Wegener. Wenn etwas passieren würde, müsste das Unternehmen dafür haften. Dazu stellt Wegener klar: „Gas ist ein recht gefährlicher Stoff, der sich entzünden und im schlimmsten Fall explodieren kann.“ Dennoch würde es kaum Unfälle an den Leitungen geben. „Meist hört man davon nur, wenn im Privathaushalt am Zähler manipuliert wird oder ein unachtsamer Baggerfahrer bei Baumaßnahmen an eine Leitung kommt.“
Das liege laut Wegener an den strengen Regelungen, die sich die Betreiber selbst über den Verein DVGW auferlegt hätten. Im Regelwerk ist unter anderem festgehalten, dass Gasleitungen immer zugänglich sein müssen. Das heißt: Kleine Büsche sind im Trassenverlauf (also dem Bereich über der Leitung) erlaubt, größere Bäume mit tiefen Wurzeln dagegen nicht. Als Maßgabe gilt ein Bereich von zwei Metern an jeder Seite der Gasleitung.
Leitung beschädigen
Das Problem mit den Wurzeln sei, so Wegener, dass sie sich um die Leitungen wickeln können. Ein Beispiel dafür hat die EWE Netz unserer Redaktion als Foto zur Verfügung gestellt. „Ich habe es an anderer Stelle schon gesehen, dass – wenn stärkerer Wind auftaucht und die Bäume umfallen – auch die Wurzeln mitsamt der Leitung rausgerissen werden“, beschreibt Wegener ein mögliches Szenario. „Die Wurzeln wickeln sich auch um die kleinsten Stellen, worunter die Umhüllung leidet. Im Bereich der Rohrleitungen ist der Boden feucht und locker, weshalb die Wurzeln dort hinwachsen“, sagt der Experte.
Bei der Leitungstrasse im Bereich des westlichen Ufers des Zwischenahner Meeres handelt es sich um eine Erdgashochdruckleitung. Sie ist der Hauptversorgungsweg von Norden (von Westerstede kommend) nach Süden (Richtung Edewecht) und für die Versorgung des Bad Zwischenahner Westens ebenso unverzichtbar wie im Zusammenhang mit der in den nächsten Jahren anstehenden Marktraumumstellung von L- auf H-Gas.
Die Leitung mit einem Durchmesser von insgesamt 20 Zentimetern stammt aus dem Jahr 1964. Aus dieser Erdgashochdruckleitung gelangt das Erdgas über das Verteilnetz (Ortsnetz) in die einzelnen Haushalte. Die Erdgastrasse wurde seinerzeit für die Versorgung genehmigt und vorgesehen.
Dazu kommt, dass die Leitungen durch das Wurzelwachstum beschädigt werden können. „Es handelt sich um eine Hochdruckleitung aus Stahl, die besonders sensibel ist. Das Gas wird hier mit hohem Druck transportiert“, erklärt Wegener. Um das Metallrohr herum gibt es eine wenige Millimeter dicke Kunststoffummantelung (PE). Diese soll verhindern, dass das Rohr rostet. Zum Korrosionsschutz wird ein schwacher Gleichstrom auf die Leitung gelegt.
Mögliche Lösung
Eine mögliche Lösung wäre es, die Erdgasleitung zu verlegen. „Das würde aber um ein Vielfaches teurer werden als die Bäume zu fällen“, meint Wegener. Rein technisch wäre es aber machbar, sagt der Experte. Geht man von einer Strecke von einem Kilometer aus, könnten bereits mehrere hunderttausend Euro nur für die Bauarbeiten anfallen. „Die Kosten würde die EWE dann wieder auf den Gaspreis umlegen – also müssten alle dafür bezahlen“, so Wegener. Er hält es für eine bessere Alternative, sich genau anzuschauen, wo die Bäume stehen: „Über Grenzfälle lässt sich sicher reden. Man könnte darüber nachdenken, die Bäume zu erhalten, die nicht direkt über der Leitung stehen.“
