Jeddeloh I - Es ist ein seltener Lebenslauf, der künftig wohl noch seltener wird: Von der Lehre bis zur Rente im selben Betrieb. Frank Jeske aus Jeddeloh I hat einen solchen Lebenslauf. Es war im April 1975, als der damals 15-Jährige seine Schlosser-Ausbildung beim Metallbau-Betrieb Gerold Jeddeloh antrat. Jetzt hat der 63-Jährige nach fast auf den Tag genau 48 Jahren und drei Generationen an Chefs seinen Ruhestand erreicht.
Eigentlich wollte Frank Jeske Elektriker werden. Als er kurz vor Ausbildungsbeginn keinen Betrieb fand, fragte er bei Gerold Jeddeloh an. Auch wenn es nicht seine erste Wahl war: „Ich hatte Lust zu. Das war schon richtig“, erzählt Jeske. Er entschied sich, als Geselle weiterzumachen. 1980 absolvierte er seinen Wehrdienst und kehrte danach in den Betrieb zurück. Und er blieb – bis zur Rente. Warum? „Bequemlichkeit“, sagt Jeske. Er wohnt 500 Meter entfernt. „Ich konnte immer zum Mittagessen heim.“
Aber allein die Bequemlichkeit kann die Treue zum Betrieb dann natürlich doch nicht ganz erklären: „Es hat mir immer gut gefallen.“ Vor allem der Kontakt mit den Kollegen. „Es war ein schönes gemeinsames Arbeiten.“ Und auch mit den Chefs konnte er immer gut. Drei Generationen hat er erlebt. Von Firmengründer Gerold Jeddeloh über dessen Tochter Helga Jeddeloh-Farsin bis zu deren Schwiegersohn Torben Schadowski.
Vielseitiger Beruf
An seinem Beruf fasziniert ihn vor allem die Vielseitigkeit und der Rohstoff – „was man mit Metall alles machen kann.“ Jeske war viel auf Montage unterwegs, vor allem bei Schlachthöfen und Molkereien. Ein Auftrag ist ihm besonders in Erinnerung: Er war für mehrere Monate auf Borkum, um das Geländer einer Balkonanlage anzubauen. Sie sind mit dem Flugzeug auf die Insel, an einem Montag, außerhalb der Saison. Kein Geschäft hatte offen. „Wir sind hungrig ins Bett gegangen“, erinnert sich Jeske.
Auch in seiner Freizeit hat ihn sein Beruf stets begleitet. 2008 baute er zusammen mit Gerold Deeken und weiteren Mitgliedern des Heimatvereins Westerscheps die Gruppe „Smeerjungs“ auf. Die mittlerweile rund 20 „Jungs“ treffen sich regelmäßig, um alte landwirtschaftliche Maschinen wieder zum Leben zu erwecken. Mit ihren Traktoren holten die Smeerjungs Jeske an seinem letzten Arbeitstag ab.
Handwerk bleibt
Vorzeitig in den Ruhestand geht Jeske aus gesundheitlichen Gründen. Seine Augen sind als Komplikation nach einer OP immer schlechter geworden, Sichtfeld und Sehkraft sind eingeschränkt. Schweißen beispielsweise ist so schwierig.
Wie es jetzt bei ihm weitergeht? „Mal gucken“, sagt Jeske. Erstmal gibt es mit Renovierungen im Haus genug zu tun. Aber die Verbindung zu seinem Handwerk wird bleiben – nicht nur über die Smeerjungs.
Zum Abschied hat er die alte Drehbank geschenkt bekommen, auf der er gelernt hatte. Sie wiegt zweieinhalb Tonnen und steht jetzt erstmal in seiner Garage. Zudem kann der 63-Jährige es sich gut vorstellen, aushilfsweise weiterzuarbeiten. „Es ist mein Leben gewesen. So lange es geht, sollte man es auch weitermachen.“
