Metjendorf - Seit vergangener Woche werden die vierten Klassen umschichtig in halber Klassenstärke unterrichtet. Grund: Die Abstände müssen eingehalten werden. Die Kinder haben tageweise abwechselnd jeden zweiten Tag vier Stunden Unterricht. „Wir haben uns für das Modell entschieden, damit wir die Kinder häufiger in der Schule haben. So können wir auch Probleme besser klären. Das entlastet die Eltern im Homeschooling, das immer an den Tagen zwischendurch stattfindet“, so Sandra Thom.
Vier Stunden täglich, mehr sei den Kindern bei den ganzen Auflagen und Einschränkungen nicht zuzumuten, meint die Pädagogin. „Eine Kollegin hat gesagt, hier laufe jetzt alles generalstabsmäßig ab.“ Es gibt Pläne, wer, wann, wo sein darf. Die Wege und Eingänge im weitläufigen Schulgebäude seien so ausgewiesen, dass sich möglichst wenig Kinder begegneten: Schulalltag auf Abstand. Eigentlich das komplette Gegenteil von dem, was Schule ausmachen sollte.
Keinen Bleistift mehr leihen
In Zeiten von Corona läuft derzeit ein Schultag etwa so ab: Wenn die Kinder morgens an der Schule ankommen, warten sie in verschiedenen markierten Bereichen auf dem Schulhof. Die Aufsichten wurden verstärkt, unkontrolliertes Herumtoben ist nicht mehr. Kommen die Buskinder an, werden sie von einem Pädagogen abgeholt. Für die kommenden Jahrgänge sollen die Busse zeitversetzt kommen: „Auch das muss im Vorfeld organisiert werden.“ Von den Wartebereichen auf dem Hof geht es einzeln ins Schulgebäude und in die Klassen. Es werden unter Aufsicht die Hände gründlich gewaschen, schließlich nimmt jeder Schüler seinen Platz ein. Die Plätze sind genau festgelegt, das sei eine Auflage.
Dort liegen bereits die Arbeitsblätter. „Die Kinder müssen alles dabei haben. Hat jemand einen Stift vergessen, kann aber immerhin eine Lehrkraft einen einzelnen Stift vorsichtig, ohne ihn anzufassen, aus der Packung auf den Tisch schütten – und der Schüler kann ihn sich nehmen.“ Sich einen Bleistift vom Nachbarn zu leihen, ist in Corona-Zeiten nicht erlaubt.
Unterricht auf Sparflamme
Unterrichtet wird auf Sparflamme. „Deutsch, Mathematik und ein bisschen Sachkunde, gelegentlich einige Worte auf Englisch“, so Sandra Thom. Die Lehrer tragen ein durchsichtiges Visier und Maske oder Schal. „Damit die Kinder die Mimik sehen können.“ Pausen wie vor Corona gibt es nicht mehr. Die Gruppen nutzen verschiedene Areale: die Pausenhöfe der Schule, das Gelände des benachbarten Mehrgenerationenhauses „Casa“ und den Sportplatz.
Sandra Thom gibt zu: Diese Form des Schullebens sei eigentlich nur ein wenig Entlastung für die Eltern. Die steckten zwischen Heimunterricht in den außerschulischen Zeiten und ihrem Beruf selbst im Organisationsstress, viele stießen an ihre Grenzen.
Die Viertklässler werden nach den Sommerferien auf die weiterführenden Schulen wechseln. „Es kann jetzt nicht alles gelehrt werden, wir haben Anweisung, den Lehrplan zu verschlanken“, weiß die Schulleiterin. Die weiterführenden Schulen müssten zunächst vertieft auf Grundschulniveau ansetzen. Wie es an der Grundschule Metjendorf weitergeht? „Wir wissen es nicht“, sagt Thom. Das mache es für sämtliche Beteiligten zusätzlich schwieriger und anstrengender.
