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Kurzfristiger Lieferengpass im Ammerland Verwunderung über tschechische H-Milch im Supermarkt

Wiefelstede - Eigentlich kauft Sandra Stolle stets die gleiche Milch, die der „heimischen Ammerländer Molkerei“, wie sie sagt. Zu ihrem Erstaunen musste sie bei einem ihrer letzten Einkäufe jedoch feststellen, dass ihre H-Milch nicht in den Regalen stand. Stattdessen fand sie ein anderes Produkt.

Die Verbraucherin

Ein Blick auf das Herkunftssiegel und das Erstaunen vergrößerte sich sogar noch: Die Milch, die der Netto-Markt in Wiefelstede nun im Angebot hatte, kam aus einer Molkerei in Tschechien. Kurzerhand ging Sandra Stolle zu einem weiteren Händler. Doch auch bei Lidl das gleiche Bild: H-Milch aus Tschechien.

Ein Bewusstsein für regionale Produkte habe sie entwickelt, nachdem sie Erdnussbutter mit argentinischen Erdnüssen bei sich zu Hause hatte. „Das muss ja nicht sein“, habe sie sich gesagt. Nun versuche sie, immer auf Regionalität zu achten.

„Wir finden es eine ziemlich dreiste Sache, dass Netto nun Milch aus einem anderen Land holt, um sie hier zu verkaufen“, sagt die Rastederin. Kurzerhand fragte sie bei Netto an und bekam zur Antwort, dass ein Lieferengpass für den Verkauf des ungewohnten Produkts verantwortlich sei.

Die Molkerei

Einen solchen Lieferengpass bestätigte die Molkerei Ammerland, die die Lager von Netto und Lidl für diese Region beliefern, auf Anfrage unserer Redaktion. „Aufgrund des Lockdowns und der dadurch ausgelösten Hamsterkäufe im Einzelhandel haben unsere Handelspartner kurzfristig mehr H-Milch als üblich geordert“, so Benjamin Dietrich von der Molkerei.

Die deutlich höheren Bestellmengen hätten auch nicht durch Lagerbestände ad hoc bedient werden können. Mittlerweile sei die regionale Milch in den Märkten jedoch wieder verfügbar.

Netto Marken-Discount

Auch die Firma Netto Marken-Discount bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion einen solchen Engpass. „Die von Ihnen genannte Milch aus Tschechien musste kurzfristig einmalig zugekauft werden, um die stark erhöhte Kundennachfrage während der Pandemie-bedingten Vorratskäufe im Dezember erfüllen zu können“, hieß es.

Der Fokus von Netto Marken-Discount liege auf der Zusammenarbeit mit regionalen Molkereien, wie der Ammerländer Molkerei. Dies gelte unabhängig davon, ob es sich um Frisch- oder H-Milch handelt. „Im Rahmen unserer nachhaltigen Sortimentsausrichtung hat das Thema Regionalität schon lange eine hohe Relevanz und spiegelt sich heute in vielen verschiedenen Warengruppen bei Netto Marken-Discount wider.“

Lidl

Wo es möglich ist, biete man Artikel von regionalen Erzeugern an, hieß es zu der Sache aus der Pressestelle von Lidl. „Die Milch unserer Eigenmarke ,Milbona‘ stammt beispielsweise nahezu ausschließlich aus Deutschland“, teilte das Unternehmen mit.

Man unterstütze die zukunftsfähige Entwicklung regionaler Erzeuger und wolle das Bewusstsein des Verbrauchers für regional erzeugte Produkte stärken, hieß es weiter.

Der Vorsitzende des Ortslandvolks zu regionalen Produkten

Eins brauche man sich nicht vormachen: „Egal wo die Milch herkommt, es wird gute Qualität sein“, sagt der Vorsitzende des Ortslandvolks Wiefelstede-Süd, Heiko Siemen. Auch wenn die Haltung nicht auf dem Niveau sei, wie dies hier vor Ort der Fall sei.

Selbst wenn es sich lediglich um einen Lieferengpass handele, appelliert er an die Händler, das Preisniveau für die Landwirte auf ein „erträgliches Maß“ zu bringen.

Überdies sollten regionale Produkte nicht als eine Art Edel-Segment und Zusatzangebot für den Kunden bereit stehen, wie dies mitunter der Fall sei. Regionale Produkte gehören für Siemen zur normalen Angebotspalette von Händlern und sollten dementsprechend regulär angeboten werden. Als Dumping-Produkte könnten Lebensmittel ebenso wenig im Sortiment sein. „Wenn dieses Segment zu normalen Preisen zu haben wäre, würde sich viel bessern.“

Dass sich Kunden allerdings bewusst gegen den Kauf eines nicht-regionalen Produktes entscheiden, ist für den Schweinemastbauern ein gutes Signal. „Das wäre ohne die Aktionen der Landwirtschaft in den letzten Wochen und Monaten vielleicht so nicht gewesen.“ Wenn es so gelinge, das Bewusstsein der Verbraucher zu schärfen, sei dies auch ein Schritt in die richtige Richtung.

Es gebe sicherlich viele Verbraucher, die bereit seien, für regionale Produkte mehr zu zahlen. Man müsse dies vonseiten der Händler allerdings auch möglich machen.

Daniel Kodalle
Daniel Kodalle Thementeam Soziales
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