Rastede - Wenn das Musikfest Bremen in der Rasteder St. Ulrichs-Kirche gastiert, ist immer etwas Außergewöhnliches zu erwarten. Unter dem etwas ungeschickt gewählten Titel „Bachs Rivalen – Leipzig 1723“ erklang jetzt Barockmusik von Johann Sebastian Bach und drei weiteren Zeitgenossen. Die Musik Bachs hat ein Alleinstellungsmerkmal in der Musikgeschichte, die künstlerisch allerhöchste Maßstäbe setzt. Die im Konzertmotto erwähnte Rivalität bezieht sich auf etwas Bürgerliches, nämlich die damaligen Bewerber um die Stelle des Thomaskantors.
Beglückendes Spiel
So wird es auch beim Konzert deutlich, dass die beiden Konzerte für Blockflöte und Streicher von Graupner und Fasch noch sehr in den Konventionen des barocken Komponierens verhaftet sind. Anders ist es beim g-Moll-Quartett von Georg Philipp Telemann. Die konsequente vierstimmige Anlage des dreisätzigen Werks ermöglicht den Interpreten einiges an Ausdrucksnuancen. Der Blockflötist Stefan Temmingh zeigt sich hier als außergewöhnlicher Virtuose seines Instruments. Die Läufe und Verzierungen fügen sich organisch in das mehrstimmige Klanggewebe der Streicher. Den ruhigen Mittelsatz gestaltet er mit ausdrucksvollem Ton und beim bewegten Schlusssatz entsteht ein im Tempo freies, beglückendes Zusammenspiel.
Brillanz und eine atemlose Virtuosität bei den rasend schnellen Figuren und Tonrepetitionen bestimmen Telemanns C-Dur Konzert. Stefan Temmingh kann es gar nicht schnell genug gehen. Einerseits fesselt und fasziniert seine exorbitante Virtuosität, andererseits wäre manchmal in einem etwas gemäßigteren Tempo eine andere, differenziertere Gestaltung möglich.
Präziser Ton
Das „Capricornus Consort Basel“ musiziert unter der Federführung des ersten Geigers Péter Barczi auf allerhöchstem Niveau. Das wird schon bei Bachs Orgel-Fantasie und Fuge in g-Moll deutlich. Der elastische und präzise Ton der fünf Streicher führt zu beeindruckenden Klangergebnissen. Die spannungsvollen Dissonanzen in der Fantasie und eine lupenreine, durch alle Stimmen wandernde Phrasierung bei der großen Fuge lassen ein charakteristisches, transparentes Klangbild entstehen, in welchem die Struktur der Musik und gleichzeitig eine enorme dynamische Vielfalt bestens zu erleben sind.
Höhepunkt des Barockkonzerts ist Bachs eigene Bearbeitung seines vierten Brandenburgischen Konzerts, in welcher das Cembalo den virtuosen Violinpart der ursprünglichen Version übernimmt. Als zweiter Blockflötist reiht sich Mathis Wolfer nahtlos in das fantastische Musizieren aller Beteiligten ein.
Sebastian Wienand spielt einen überragenden Cembalopart mit deutlicher und prägnanter Phrasierung und gleichermaßen beweglich in den mit Arpeggien und Verzierungen ausgeschmückten Melodien.
