Ammerland - Das Nachteulen-Aus im Landkreis Ammerland sorgt einige Tage nach der Entscheidung weiter für Diskussionen. Vor allem die Kreisverwaltung steht nach der kurzfristig verkündeten Einstellung der Nachtbusse in der Kritik. Seitens der Politik gab es Vorwürfe, die Verwaltung hätte die Thematik zuvor nicht kommuniziert. Kreispolitiker Jörg Brunßen (CDU) sagte: „Wir haben es aus der Zeitung erfahren. Da waren wir ziemlich geschockt.“
Am Freitag teilte die Verwaltung im Ammerland in einer kurzen Nachricht an die Presse mit, dass die Nachteule eingestellt wird. Und zwar sofort – nur noch am Freitag fuhren die vier Buslinien N31, N32, N33 und N34. Die Strecken führten von Oldenburg durch die verschiedenen Gemeinden im Ammerland und die Stadt Westerstede meist zur Diskothek nach Tange. Akuter Personalmangel – verursacht durch Corona-Ausfälle und Urlaubszeiten – nannte der Kreis als Hauptgrund. Der zuständige Dezernent Ralf Denker verteidigt die Entscheidung auch einige Tage danach, räumte jedoch ein, dass die Kommunikation „verbesserungsfähig“ sei. Es habe schnell reagiert werden müssen, so Denker weiter. Deshalb werde die Verwaltung der Kreispolitik nun „bedauerlicherweise erst im Nachgang“ berichten können.
Georg Köster von Bündnis 90/Die Grünen kritisierte den Weg der Entscheidung und vor allem die Einstellung der Nachteule.
Deutliche Worte
„Das ist nicht gut. Wir sind sehr überrascht“, so der Grünen-Politiker auf Nachfrage. „Ich kenne die sachlichen Hintergründe immer noch nicht. Kommunikativ ist das der Super–GAU“, wurde er deutlich. Es sei gerade auch nach den vielen Einschnitten während der Corona-Pandemie ein schlechtes Signal an die Jugendlichen. „Ich finde die Nachteule total wichtig“, sagte er. Köster hofft, dass die Jugendlichen nun nicht vermehrt selbst mit Autos fahren würden und sich Disco-Unfälle häuften. Das hofft auch Jörg Brunßen. „Die Nachteule war ein Kind der Politik, um Disco-Unfälle zu vermeiden“, sagt der Christdemokrat. Gerade für die jüngere Generation, die in der Pandemie bereits habe zurückstecken müssen, seien das nun erneut schlechte Nachrichten.
Ob die Einstellung der Nachteule tatsächlich ein Risiko für vermehrte Disco-Unfälle darstellt, wollte man seitens der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland nicht kommentieren. „Wir können nicht in die Zukunft schauen und können nicht Partei ergreifen“, sagte Sprecher Stephan Klatte auf Nachfrage.
Gespräche laufen
In zahlreichen Reaktionen wurde die Frage aufgeworfen, weshalb zum Beispiel auf der Linie Westerstede-Oldenburg künftig der Fahrplan erweitert werden soll und die Strecke im Halbstundentakt bedient werden soll, aber auf der anderen Seite die Nachtbuslinien wegfallen. Ralf Denker sagte dazu, dass Buslinien in sogenannten Kursen fahren. Gewisse Linien einfach herauszustreichen, sei „rein fahrtechnisch nicht möglich“. Der gesamte Fahrplan sei ineinander verzahnt. „Deshalb ist es ein Abwägungsvorgang.“ Außerdem gebe es berufstätige Pendler, die auf die Linien am Tag angewiesen seien. Ebenfalls werde im Ammerland nur eine Diskothek in Tange angefahren, die nur samstags geöffnet habe. Außerdem seien inzwischen auch spätere Fahrten eingerichtet worden, die es früher noch nicht gegeben habe. Nach Informationen dieser Zeitung laufen aktuell Gespräche von Verwaltung und Politik. In der kommenden Woche wird es außerdem Thema in einem Kreisausschuss sein.
