Bucksande - In den kommenden Wochen werden an der Deichstraße in Bucksande Kettensägen im Einsatz sein: Rund 90 alte Bäume und rund 30 Meter Wallhecke müssen an der für Einheimische und Urlauber beliebten Radfahrstrecke entfernt werden. Notwendig seien diese vorbereitenden Arbeiten, so Meino Kroon, Geschäftsführer des Leda-Jümme-Verbandes, weil für einen besseren Hochwasserschutz für Tange und Barßel an der Deichstraße ein neuer Schutzdeich im Polder gebaut werden soll.
Der Schutzwall verläuft künftig größtenteils direkt neben der Deichstraße; nur im westlichen Bereich verschwenkt die Trasse im Polder am Nordloher-Barßeler Tief, weil ein Teich mit eingedeicht wird.
Alter Deich mit Mängeln
Bereits jetzt gibt es einen Schutzdeich an der Tiefseite in Bucksande. Dieser wird jedoch von den wenigsten Menschen als solcher wahrgenommen: Auf ihm verläuft nämlich die Deichstraße. Dieser alte Deich entspräche nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Hochwasserschutz und an die Deichsicherheit, die – wie man aktuell täglich feststellen könne – zum Schutz von Menschen, Tieren und Sachwerten von immenser Bedeutung seien, betont Kroon.
Ein schwaches Deichprofil, zu steile Neigungen der Böschungen und eine zu geringe Höhe des Deiches seien die Gründe, dass ein neuer Deich auf der Polderseite gebaut werden solle. Die dafür nötigen Ländereien wurden über die Tanger Flurbereinigung erworben. Entstehen wird auch ein neuer 3,5 Meter breiter Deichverteidigungsweg mit asphaltierter Fahrbahn, der überwiegend auf der Trasse der Deichstraße verlaufen wird.
Benötigt werden nach Angaben des Leda-Jümme-Verbandes für das Deichbauprojekt 20 000 Kubikmeter Sand, 8500 Kubikmeter Klei und 11 500 Kubikmeter Mutterboden. Auf öffentlichen Straßen werden die Baumaterialien bis zur Baustellenzufahrt bei der Gaststätte Bucksande und dann weiter zu Baustelle gebracht. Die Kosten für das Vorhaben, das bis zum Herbst 2025 dauern wird, werden auf rund 1,6 Millionen Euro beziffert. Der geplante neue, rund 1200 Meter lange Schutzwall, der zwischen der Gaststätte Bucksande und dem Auslaufwerk des Polders entsteht, ist der zweite Bauabschnitt eines Millionenprojektes. Im ersten Bauabschnitt war vor einigen Jahren bereits ein 1700 Meter langes Deichstück zwischen der Kreisgrenze und dem Auslaufwerk verstärkt worden.
Arbeiten beginnen
Am Montag, 8. Januar, sollen die vorbereitenden Arbeiten für den Deichbau in Bucksande beginnen. Dazu gehört zunächst das Entfernen der Baumreihe an der Deichstraße an der Polderseite und (im weiteren Verlauf der Deichstraße in der Nähe des Teiches) das Durchbrechen der dortigen Wallhecke über eine Länge von 30 Metern. Ausgleichsmaßnahmen habe es dafür bereits an verschiedenen Stellen in der Gemeinde Apen, in Varel und im ostfriesischen Esens gegeben.
Wie Meino Kroon ankündigte, werde sich vor den Fällarbeiten ein Fledermausexperte die Bäume ansehen, damit sich in möglichen Baumhöhlen keine Tiere befänden. 2017 war von einem Fledermausexperten bereits untersucht worden, welche Folgen die Fällung für Fledermäuse hätten.
Das Areal in Bucksande, so lautete damals das Ergebnis, habe eine große Bedeutung für diese Tiere. Deshalb hatte der Biologe damals auch empfohlen, eine Trasse für den neuen Deich zu wählen, bei der möglichst viele Bäume erhalten blieben.
Für das Projekt hatte der Leda-Jümme-Verband beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eigens ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren beantragt (das ist ein besondere Genehmigungsverfahren für größere Vorhaben, bei dem viele öffentliche und private Interessen wie Naturschutz, Landwirtschaft, privates Eigentum etc. berührt werden und untereinander und gegeneinander abgewägt werden müssen). Mehrere Varianten wurden für die Trasse des neuen Deichs erarbeitet.
Darunter war auch eine Variante, die die geringsten Eingriffe in die Natur aufwies, jedoch eine um 100 Meter längere und damit teurere Deichstrecke beinhaltete. Bei dieser Variante, so heißt es vom NLWKN, hätten größere Bereiche der Polderflächen im Hochwasserfall jedoch nicht zur Verfügung gestanden. Nach Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden, Verbände und Einrichtungen sei man deshalb bei dem intensiven Abwägungsprozess zu dem Ergebnis gekommen, dass die jetzige Variante sowohl die Belange des Naturschutzes als auch die des Hochwasser- und Küstenschutzes bestmöglich berücksichtige. Was den Lebensraum der Fledermäuse beträfe, so würde die Flugtrasse entlang des Bucksander Weges durch den Erhalt der Baumreihe auf der nördlichen Seite ihnen weiterhin Orientierung geben.
