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Umfrage Nicht nur am Duz-Platzwird aufs Sie verzichtet

Ammerland - „Frau Schmidt, weißt Du, wie viel die Gurken kosten?“ – So eine Frage haben wohl die meisten Menschen schon mal im Supermarkt gehört. Es handelt sich dabei um das „Münchner Du“ – das Gegenstück zum „Hamburger Sie“, bei dem eine Person mit dem Vornamen angesprochen und anschließend gesiezt wird.

Laut einer Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg geben zwei von drei Befragten an, dass sie die Entwicklung des „Du“ als Anrede in vielen Firmen nicht gut fänden. Sie wollten am Arbeitsplatz von ihren Chefs oder Untergebenen lieber gesiezt werden.

Die NWZ  hat einmal bei Firmen, Verwaltung, dem Bundeswehrkrankenhaus und Schulen im Ammerland nachgefragt, wie das mit der Anrede dort gehandhabt wird.

Bürgermeister duzt oft

Bei der Oldenburgischen Landesbank (OLB) in Westerstede werde sich in der Regel geduzt, sagt Filialdirektor Volker Gerdes. Nur Azubis würden ihn siezen – und umgekehrt. Und auch bei neuen Mitarbeitern gebe es eine Zeit, in der man sich aneinander gewöhne, erzählt Gerdes. In der Filiale in Westerstede gebe es 14 Mitarbeiter. „Das ist von der Atmosphäre her angenehmer und spricht auch für die Teamfähigkeit.“ Führungsverantwortung spiele dabei kaum ein Rolle. Kunden hingegen werden normalerweise gesiezt, sagt Gerdes. „Außer, wenn man sich lange kennt, und die Kunden einem das Du anbieten.“

Recht unkompliziert sieht das Thema „Duzen“ der Westersteder Bürgermeister Klaus Groß. „Überwiegend duze ich“, sagt er. „Ich bin schon seit über 30 Jahren hier und kenne viele Menschen“, erklärt er. Das habe nichts mit mangelndem Respekt zu tun.

Auch in angespannten Situationen sei dies möglich: „Ich kann das Du dann ja nicht zurücknehmen.“ Einzig im Rat oder in Sitzungen werde gesiezt: „Das ist eine besondere Kultur.“ Ausnahme: „Der Sportausschuss ist eine andere Sache.“ Die Mitglieder würden schließlich auch zusammen Fußball spielen, sagt Groß lachend.

Und im Rathaus? „Wir liegen am Duz-Platz“, erklärt Groß. Dort werde geduzt.

Ganz unterschiedlich sei das im Bundeswehrkrankenhaus, sagt Chefärztin Dr. Nicole Schilling. „In einigen Bereichen wird geduzt – vom Chefarzt bis zur Krankenschwester – und in anderen wird gesiezt.“ Es gebe dafür keine Vorgabe.

„Wenn ein schwer kranker Patient in die Notfallaufnahme kommt, und es schnell gehen muss, heißt es schon mal: ,Gib mal das‘“, erklärt die Chefärztin. „In diesen Bereichen ist das Du wohl üblicher“, meint Schilling.

An Schulen häufig „Sie“

Im Gymnasium Westerstede wird ab einem gewissen Alter von Du auf Sie gewechselt. „Die Lehrer siezen die Lehrer“, sagt Schulleiter Norbert Brumloop. Ab der Oberstufe werde umgekehrt das Hamburger Sie benutzt. „Die Schüler haben ein Anrecht aufs Erwachsenwerden und das Sie“, meint er. Die Philosophie der Schule sei es deswegen, zum Sie überzugehen. Übrigens: „Im Kollegium ist das Du stark verbreitet“, erzählt Brumloop. In der erweiterten Schulleiterrunde duze er sich seit zwei Jahren mit seinen Kollegen – ansonsten sieze er seine Kollegen.

An den Berufsbildenden Schulen in Rostrup handele jede Lehrkraft individuell, sagt Schulleiterin Wilma Eberlei. „Das wird in den einzelnen Klassen besprochen.“ Dabei werde an den Berufsfachschulen eher geduzt. Aber: „In der Regel wird gesiezt.“

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