Augustfehn Ii - Eine Stunde sollte der Termin dauern, mehr als eineinhalb Stunden wurden es, weil so viele Aspekte angesprochen wurden: Julia Hamburg, niedersächsische Kultusministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, besuchte am Donnerstag anlässlich der „Woche der beruflichen Bildung“ die Holzofenbäckerei Ripken in Augustfehn II und tauschte sich mit dem Unternehmerpaar Jörg und Marion Ripken, einigen ihrer Mitarbeiter, sowie Holger Ukena, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ammerland, über die Situation und Probleme im Handwerk aus. Begleitet wurde die Ministerin von den Landtagsabgeordneten Jens Nacke (CDU), Lena Nzume (Grüne) sowie Thorsten Moriße (AfD); außerdem nahm Apens Bürgermeister Matthias Huber an dem Austausch teil. MdL Björn Meyer aus Augustfehn weilte bei einem anderen Termin in Berlin.
Mehr Berufsorientierung
Jörg und Marion Ripken, die insgesamt 220 Mitarbeiter beschäftigen, verwiesen darauf, dass ihre Auszubildenden und Mitarbeiter kaum noch über klassische Bewerbungen kämen. Sie hätten im Unternehmen bereits Praktika absolviert, an den Ripken-Ständen auf Wochenmärkten mitgearbeitet oder seien über Mundpropaganda auf den Betrieb aufmerksam geworden. Wichtig sei es, was auch Holger Ukena betonte, über die Berufsberatungen verstärkt auch in Gymnasien für eine Berufsausbildung zu werben. Das Unternehmerpaar Ripken meinte, dass es nach ihren Erfahrungen in der Schulform leider auch Vorbehalte gegen Berufsausbildungen gäbe und die vielfältigen Chancen und Möglichkeiten beruflicher Bildung und die vielfältigen Karrieremöglichkeiten nicht gesehen würden. Auch Julia Hamburg betonte, dass junge Menschen verstärkt Möglichkeiten erhalten müssten, sich beruflich zu orientieren. Jugendliche benötigten dabei nicht nur Informationen, sondern auch gezielte Unterstützung, um sich beruflicher Stärken bewusst zu werden. So gäbe es Überlegungen, ähnlich wie ein Studium Generale für Studenten ein Berufsorientierungsjahr anzubieten, wo man in mehrere Ausbildungsbereiche hineinschnuppern könne.
Hilfen für Azubis
Pascal Vohlken, Azubi als Bäckereifachverkäufer, und Bäckerin Maja Schwengels wiesen unter anderem darauf hin, dass sie sich eine Gleichstellung von Azubis und Studenten wünschten, wenn es um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ginge. Studenten hätten starke Vergünstigungen, Azubis nicht. Stéphane Zongo, der vor fünf Jahren von der Elfenbeinküste nach Deutschland kam und eine Ausbildung als Bäcker absolvierte, berichtete von seinem Glück, als Geflüchteter vielfach auf Menschen gestoßen zu sein, die ihn gefördert und geholfen hätten. Sonst sei es schwer, Fuß zu fassen.
Weitere Themen waren der Unterrichtsausfall in Berufsschulen, die immer kleiner werdenden Berufsschulklassen in den Handwerksberufen, der Ausbau des Blockunterrichts, vermehrte Fortbildungen für Lehrende der Berufsschulen in Handwerksbetrieben, das Schaffen günstiger Wohnmöglichkeiten für Azubis, wenn sie an auswärtigen Standorten geschult würden (Azubi-Campus), und Teilzeitausbildungen, die es gäbe, aber über die kaum jemand etwas wisse. Dass der Ausbau der beruflichen Bildung eine wichtige Zukunftsaufgabe sei, betonte Bürgermeister Matthias Huber.
Thema GS Wiefelstede
Auf den Lehrkräftemangel und die Situation an der Grundschule Wiefelstede angesprochen, sagte die Ministerin, dass das akute Problem nach einem Telefonat mit der Schulleiterin gelöst worden sei. Nun ginge es darum, auch dauerhafte Lösungen zu finden. Die Grundschule Wiefelstede wolle Hamburg ebenso wie andere Schulen in der Region besuchen; einen Termin dafür gäbe es noch nicht.
Wiefelstedes Schulleiterin Doris Tapken hatte am 10. Februar in einem Elternbrief angekündigt, dass die Grundschüler jahrgangsweise wegen Lehrermangels einen Tag in der Woche zu Hause bleiben müssten. Das löste eine bundesweite Diskussion über den Lehrkräftemangel aus. Die Regionale Landesbehörde für Schule und Bildung (RLSB) entwickelte schließlich einen Notfallplan, die den Präsenzunterricht für alle Grundschüler an fünf Tagen sicherstellt.
