Nordloh - Auf den ersten Blick wirkt sie fast schlicht und unscheinbar – so, als ob sie ein natürlicher Teil der Umgebung wäre. Doch bei genauerem Hinsehen springen dem Betrachter der neuen Skulptur bei der Plaggenhütte am Nordloher Deichweg zahlreiche kleine, goldene Blätter ins Auge. Diese funkelnden Blätter stehen von vielen feinen, dunklen Rundeisenstäben ab, wodurch die Skulptur, umgeben von großen Eichen, an einen spätherbstlichen Laubbaum mit vielen kleinen Ästen erinnert.
Achtes Kunstwerk
Die Skulptur ist das achte Stahlkunstwerk, das im Rahmen der Aktion „Aper Lieblingsorte“ in der Gemeinde realisiert wurde. Dabei werden an „besonders schönen Orten“ Kunstwerke aufgestellt. Die Aktion gehört zum Programm Dorferneuerung, in das Apen aufgenommen wurde. Aus 60 Vorschlägen der Bevölkerung, die ihre Lieblingsorte nannte, wurden 15 ausgewählt: sie erhalten jeweils thematisch passende Skulpturen. Als gemeinsames Merkmal erkennt man an jedem Kunstwerk, die der Oldenburger Künstler Jörg Ridderbusch und seine Lebensgefährtin Ilona Schumacher fertigen, eine kleine Weltkugel.
Neuer Standort
„Die Skulptur strahlt, wenn man daneben sitzt, eine Art neutrale Spiritualität aus. Die goldenen Blätter sind gedacht als Symbol für Vergänglichkeit und stehen für das Älterwerden“, so der Künstler. Nur noch vereinzelte Blätter habe das Kunstwerk, die goldenen Überbleibsel stünden für einen gewissen Hang zum Jenseits. Inspirieren ließ sich Ridderbusch eigentlich von einem anderen Ort. Ursprünglich sollte diese Skulptur auf dem Vreschen-Bokeler Friedhof ihren Platz bekommen. Nun steht sie aber am Deichweg in Nordloh – direkt vor der alten Plaggenhütte, die an das Leben der aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßenen „Oma Puls“ erinnern soll. Ridderbusch findet auch diesen Standort sehr geeignet: „Die Skulptur könnte hier vielleicht noch etwas Mahnendes haben. Aber in erster Linie ist sie in der Umgebung einfach schön. Sie steht für sich selbst und passt in die Natur.“
Betrachtet man das neueste Werk in der Reihe der „Aper Lieblingsorte“, so fällt auf, dass das Kunstwerk anders ist. Die bislang errichteten Skulpturen sind farbenfroher und stellen vor allem fein ausgearbeitete Fabelwesen dar, wie zum Beispiel die tanzenden Schafe an der Bokeler Brücke oder der Froschkönig in Holtgast. Doch dieser Kontrast ist von Ridderbusch gewollt.
„Ich bin mit meinen Skulpturen eher ein Märchenerzähler. Wenn ich einen Frosch fertige, hat das etwas Märchenhaftes. Doch Skulpturen zu bauen, ist immer eine Auseinandersetzung mit der Umgebung. Man muss dem Ort gerecht werden. Das ist die Herausforderung“, erklärt er. „Die Skulptur hier ist nun deutlich abstrakter, aber sie passt einfach hierher.“
